An den Aktienmärkten sind die Kurse im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, 2022 kommen jedoch mehrere Risiken auf Anleger zu. Regierungen und Zentralbanken werden ihre Pandemie-Nothilfen langsam zurückfahren, was zu Unruhe an den Märkten führen könnte. Dies hat sich zuletzt an den Börsen gezeigt, die mit fallenden Kursen auf die Ankündigung der US-Notenbank reagiert haben, die Zinsen womöglich schon früher als ursprünglich geplant anzuheben.

Doch auch wenn kurzfristige Volatilität kein Grund für Abweichungen von einem langfristigen Anlageplan ist, bietet das neue Jahr dennoch die Gelegenheit, mit Kunden im Kontext ihres Portfolios über Ziele und ihre Risikotoleranz zu sprechen.

Daher blicken wir in diesem Artikel auf die wichtigsten Trends und Risiken, die die Marktentwicklung in diesem Jahr beeinflussen könnten.

1. Die Weltwirtschaft wird weiterwachsen, wenn auch langsamer

Die Weltwirtschaft wird sich zwar weiter von der Pandemie erholen, die schnellen Gewinne nach dem Ende der Lockdowns liegen jedoch hinter uns. Wir gehen davon aus, dass das Wachstum sowohl in den USA als auch im Euroraum in diesem Jahr auf 4% und in Großbritannien auf rund 5,5% sinken wird.

Das sind immer noch hohe Wachstumsraten, Anleger sollten sich jedoch der Risiken bewusst sein. Wir sehen weiterhin eine 30%-ige Chance für ein Negativszenario, in dem Virusmutationen die Wirtschaft erneut belasten oder anhaltende Störungen in den globalen Lieferketten die Inflation weiter anheizen könnten.

Diese Risiken machen deutlich, wie wichtig globale Diversifikation nach Märkten, Regionen und Sektoren ist, denn nur so lassen sich unnötige Risiken begrenzen.

2. Die Inflation bleibt hoch – vorerst

Die Inflation ist in den meisten Industrieländern weiter auf dem Vormarsch, was neben Engpässen am Arbeitsmarkt und in Lieferketten auch der steigenden Nachfrage nach dem Ende der Lockdowns geschuldet ist.

Eine Rückkehr der Stagflation im Stil der Siebzigerjahre erwarten wir nicht, dennoch könnten die Preise in der ersten Jahreshälfte zunächst weiter steigen. In der zweiten Jahreshälfte rechnen wir jedoch mit einem Rückgang der Inflation.

Regierungen und Zentralbanken wandern derweil auf einem schmalen Grat: Sie müssen die Inflation bekämpfen und ihre außerordentlichen Hilfsmaßnahmen zurückfahren, mit denen sie die Wirtschaft während der Pandemie gestützt haben, ohne dabei jedoch den Aufschwung abzuwürgen. Die Ausgangslage für die Märkte könnte daher in diesem Jahr schwieriger sein als Anfang  2022.

3. Aktienanleger müssen sich auf sinkende Renditen einstellen

Unsere Renditeprognosen für die globalen Aktien- und Rentenmärkte sind vorsichtig, insbesondere bei Aktien erwarten wir wegen hoher Bewertungen und dürftiger Wachstumsraten niedrigere Erträge.

In Anbetracht der aktuellen Bewertungen gehen wir in den kommenden zehn Jahren von einer Medianrendite von Aktien aus dem Euroraum von rund 3,7% pro Jahr aus1. Das ist weniger als im letzten Jahr, als sich die Märkte von den Tiefstständen der Pandemie erholen konnten – weshalb für die Zukunft weniger Wachstumspotenzial übrig bleibt.

Für die anderen Aktienmärkte außerhalb des Euroraums erwarten wir eine Medianrendite von nur 2,4%1, vor allem, weil europäische Aktien im Vergleich günstiger bewertet sind.

Da verschiedene Wirtschaftsräume auch unterschiedlich viel Potenzial haben, ist ein global diversifiziertes Portfolio wichtig, denn so können Anleger Chancen ausschöpfen und das Risiko reduzieren, dass sich ein bestimmter Markt anders entwickelt als erwartet.

4. Schwache Renditen am Anleihemarkt

Unsere Renditeprognosen für Anleihen aus dem Euroraum bleiben mit -0,5% bis 0,5% p. a. in den nächsten zehn Jahren2 ebenfalls moderat und auf dem gleichen Niveau wie unsere Erwartungen für die globalen Anleihemärkte. Dennoch sind wir überzeugt, dass Anleger ihr Portfolio durch ein Exposure auf nicht-europäische Anleihen mit entsprechender Währungsabsicherung gegen Risiken absichern können, die spezifisch für die Anleihemärkte des Euroraums sind.

5. Diversifizieren und Kurs halten

Trotz historisch niedriger Renditeprognosen für die Anleihemärkte halten wir Anleihen noch immer für ein geeignetes Gegengewicht zu Aktien. Anleihen steigen in der Regel im Wert, wenn Aktienkurse fallen – und können die entstehenden Verluste zum Teil auffangen. Manchmal bewegen sich Anleihen und Aktien in die gleiche Richtung, unsere Analysen zeigen jedoch, dass diese Phasen positiver Korrelation meist nur von kurzer Dauer sind3. Deshalb haben Anleihen nach wie vor ihren Platz in einem diversifizierten Portfolio.

Wir haben uns die Szenarien getrennt angesehen, für die das Capital Markets Model die schwächsten globalen Aktienrenditen errechnet hat, also das unterste Quartil. Dabei ist uns aufgefallen, dass risikoarme Anleihen in diesen Szenarien die höchsten Medianrenditen und die niedrigste Renditestreuung aufweisen würden (siehe Grafik unten).

Hochwertige Anleihen dürften das Aktienrisiko in den volatilsten Szenarien diversifizieren

Jegliche Prognosen sollten als hypothetischer Natur betrachtet werden und spiegeln keine zukünftigen Ergebnisse wider bzw. garantieren diese nicht.

Hinweise: Jeder Box-Whisker zeigt die Verteilung des Medians der nominalen Renditen verschiedener Assetklassen im untersten Dezil der globalen Aktienrenditen. VCMM-Prognosen per 30. September 2021 in EUR für die hier angezeigten Assetklassen. Weitere Informationen zu einzelnen Assetklassen finden Sie im Vanguard Wirtschafts- und Marktausblick 2022.

Quelle: Berechnungen von Vanguard; Stand: 30. September 2021.

WICHTIGER HINWEIS: Die Prognosen sowie andere Informationen, die von dem Vanguard Capital Markets Model generiert werden und die Wahrscheinlichkeit verschiedener Anlageergebnisse zum Gegenstand haben, sind naturgemäß hypothetisch, stellen keine tatsächlichen Anlageergebnisse dar und garantieren keine zukünftigen Erträge.

Für einen durchschnittlichen Anleger aus dem Euroraum mit einem diversifizierten 60/40-Portfolio erwarten wir in den nächsten zehn Jahren eine durchschnittliche Rendite von etwa 2,0% pro Jahr4. Diese Prognose liegt unter dem langfristigen Durchschnitt der letzten 30 Jahre, und wir sind weiterhin überzeugt, dass sich Anleger in Zukunft auf niedrigere Renditen einstellen müssen.

Vor diesem Hintergrund mag es verlockend sein, in riskantere Wertpapiere umzuschichten und so möglicherweise höhere Renditen zu erzielen. Doch damit steigt natürlich auch das erwartete Risiko. Alternativ können Anleger die Auswirkungen negativer Zinsen zumindest teilweise ausgleichen, indem sie ihre Strategien durch kosteneffiziente Anlagelösungen umsetzen. Überlegenswert ist auch, ob Ihre Kunden langfristig genug planen und womöglich sogar mehr sparen und so ihre Erfolgschancen erhöhen könnten.

Wir sind nach wie vor überzeugt, dass Anleger mit einem global diversifizierten Portfolio und Disziplin die größten Chancen auf Anlageerfolg haben – 2022 und darüber hinaus.

Für den vollständigen Vanguard Marktausblick 2022 oder unser On-Demand-Webinar klicken Sie bitte hier.

 

1 Jegliche Prognosen sollten als hypothetischer Natur betrachtet werden und spiegeln keine zukünftigen Ergebnisse wider bzw. garantieren diese nicht.

Quelle: Berechnungen von Vanguard; Stand: 30. September 2021. Hinweis: Diese Prognosen beruhen auf der Verteilung von 10.000 Simulationen durch das Vanguard Capital Markets Model der nominalen, annualisierten 10-Jahres-Renditen in EUR. In den Renditen der Assetklassen sind reinvestierte Dividenden und Kapitalgewinne enthalten, jedoch weder Verwaltungsgebühren bzw. -kosten noch die Auswirkungen von Steuern. Aktien des Euroraums werden dargestellt durch den MSCI EMU Index. Globale Aktien außerhalb des Euroraums werden dargestellt durch den MSCI AC World ex EMU Index.

2 Jegliche Prognosen sollten als hypothetischer Natur betrachtet werden und spiegeln keine zukünftigen Ergebnisse wider bzw. garantieren diese nicht.

Quelle: Berechnungen von Vanguard; Stand: 30. September 2021. Hinweis: Diese Prognosen beruhen auf der Verteilung von 10.000 VCMM-Simulationen der nominalen, annualisierten 10-Jahres-Renditen in EUR. Die Renditespanne entspricht einem halben Prozentpunkt um das 50. Perzentil in beide Richtungen. In den Renditen der Assetklassen sind reinvestierte Dividenden und Kapitalgewinne enthalten, jedoch weder Verwaltungsgebühren bzw. -kosten noch die Auswirkungen von Steuern.

3 Quelle: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von Bloomberg. Daten für den Zeitraum von Januar 1988 und November 2020. Hinweise: Analysen zeigen in 29% der Fälle eine positive Korrelation zwischen Aktien und Anleihen an. Haben die Märkte jedoch Zentralbankentscheidungen erst einmal eingepreist, kehren Aktien und Anleihen in der Regel zu ihrer negativen Korrelation zurück. Siehe Trotz niedriger Zinsen – Warum sich Aktienrisiken am besten mit Anleihen absichern lassen, Renzi-Ricci, Baynes, Januar 2021. Aktienrenditen werden durch den MSCI AC World Total Return Index, Anleiherenditen durch den Bloomberg Global Aggregate Total Return Index (abgesichert in EUR) dargestellt.

4 Jegliche Prognosen sollten als hypothetischer Natur betrachtet werden und spiegeln keine zukünftigen Ergebnisse wider bzw. garantieren diese nicht.

Quelle: Vanguard; Stand: 30. September 2021. Hinweise: Diese Prognose beruht auf der Verteilung von 10.000 VCMM-Simulationen für nominelle, annualisierte Zehnjahresrenditen (Total Return, in EUR) der hier dargestellten Assetklassen. Die Größe der Positionen richtet sich nach ihrer Marktkapitalisierung.

WICHTIGER HINWEIS: Die Prognosen sowie andere Informationen, die von dem Vanguard Capital Markets Model® (VCMM) generiert werden und die Wahrscheinlichkeit verschiedener Anlageergebnisse zum Gegenstand haben, sind naturgemäß hypothetisch, stellen keine tatsächlichen Anlageergebnisse dar und garantieren keine zukünftigen Erträge. Die Verteilung der Renditen des VCMM wird aus 10.000 Simulationen für jede modellierte Assetklasse abgeleitet. Die Ergebnisse des Modells können mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit variieren. Weitere Angaben finden Sie in den folgenden wichtigen Informationen.

Die Prognosen des VCMM basieren auf statistischen Analysen und historischen Daten. Zukünftige Renditen können von den im VCMM erfassten historischen Mustern abweichen. Noch wichtiger ist jedoch, dass das VCMM extrem negative Szenarios unterschätzen kann, die in den historischen Zeiträumen, auf denen die Modellschätzungen beruhen, nicht vorkamen.

Das Vanguard Capital Markets Model® ist ein firmeneigenes Finanz-Simulationsinstrument. Es wurde von den Investment-Research- und Beratungsteams von Vanguard entwickelt und wird von diesen gewartet. Das Modell prognostiziert die Verteilung zukünftiger Renditen für zahlreiche Assetklassen. Zu diesen Assetklassen gehören die US-amerikanischen und internationalen Aktienmärkte, US-Treasuries und Unternehmensanleihen mit verschiedenen Laufzeiten, internationale Anleihemärkte, US-Geldmärkte, Rohstoffe sowie bestimmte alternative Anlagestrategien. Die theoretische und empirische Grundlage des Vanguard Capital Markets Model ist die Beziehung zwischen Rendite und Risiko: Die Renditen zahlreicher Assetklassen sind der von Anlegern im Gegenzug für bestimmte Arten von systematischem Risiko (Beta) verlangte Ausgleich. Das Modell beruht im Kern auf Schätzungen der dynamischen statistischen Beziehung zwischen Risikofaktoren und Asset-Renditen. Diese erhalten wir durch statistische Analyse monatlicher Finanz- und Wirtschaftsdaten, die bis in das Jahr 1960 zurückreichen. Mithilfe eines Systems von Gleichungsschätzungen führt das Modell eine Monte Carlo-Simulation durch, um die geschätzten Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren und Assetklassen sowie Ungewissheit und Zufälle langfristig zu prognostizieren. Das Modell generiert eine große Anzahl simulierter Ergebnisse für jede Assetklasse über verschiedene Zeiträume. Die Prognosen werden durch Berechnung der Zentraltendenzen in diesen Simulationen gewonnen. Die Ergebnisse des Modells variieren mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit.

Wichtige Hinweise zu AnlagerisikenDer Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.Die frühere Wertentwicklung gibt keinen verlässlichen Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.Die simulierte frühere Wertentwicklung gibt keine verlässlichen Hinweise auf zukünftige Ergebnisse.Jegliche Prognosen sollten als hypothetischer Natur betrachtet werden und spiegeln keine zukünftigen Ergebnisse wider bzw. garantieren diese nicht.

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken

Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

Die frühere Wertentwicklung gibt keinen verlässlichen Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.

Die simulierte frühere Wertentwicklung gibt keine verlässlichen Hinweise auf zukünftige Ergebnisse.

Jegliche Prognosen sollten als hypothetischer Natur betrachtet werden und spiegeln keine zukünftigen Ergebnisse wider bzw. garantieren diese nicht.

Wichtige allgemeine Hinweise

Nur für professionelle Anleger (nach den Kriterien der MiFID II-Richtlinie), die auf eigene Rechnung investieren (einschließlich Verwaltungsgesellschaften (Dachfonds) undprofessionelle Kunden, die im Namen ihrer diskretionären Kunden investieren). In der Schweiz nur für professionelle Anleger. Nicht für die öffentliche Verbreitung bestimmt.

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