• In den wichtigsten Volkswirtschaften zeichnen sich milde Rezessionen ab.
  • Anleihen spielen nach wie vor eine wichtige Rolle in einem diversifizierten Portfolio, die langfristigen Renditeprognosen sind gestiegen.
  • Langfristig haben sich Disziplin und eine beständige strategische Asset-Allokation immer wieder bewährt.

 

Hartnäckige Inflation, weitere Zinserhöhungen durch die US-Notenbank (Fed), Aktien- und Anleihemärkte, die seit Jahresbeginn deutlich im Minus liegen – viele Anleger:innen sehnen sich in dieser Situation nach einem sicheren Hafen oder wenigstens nach einer Atempause. Wir haben Greg Davis, Vanguard Chief Investment Officer, um eine Einschätzung der Lage gebeten.

Wann wird der Aktienmarkt seinen Tiefpunkt erreichen?

Wenn wir doch nur eine zuverlässige Kristallkugel hätten ... Die Talsohle am Aktienmarkt ist immer schwer absehbar. Blickt man jedoch zurück, erscheint es unwahrscheinlich, dass Anleger:innen mit Timing-Strategien am Ende bessere Ergebnisse erzielen werden. Und zu dieser Gruppe zähle ich auch professionelle Portfoliomanager:innen. Bedenken Sie, wie schwierig Markt-Timing ist: Man muss nicht nur den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg erkennen, sondern auch zum richtigen Zeitpunkt wieder einsteigen. An der Börse ist erfolgreiches Timing nahezu unmöglich, auch weil die besten und schlechtesten Handelstage meist eng beieinanderliegen.

Die besten und schlechtesten Handelstage liegen dicht beieinander

Tagesrenditen des S&P 500 Index, 1980 bis 2021

Quellen: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von Refinitiv für den Zeitraum vom 1. Januar 1980 bis zum 31. Dezember 2021.
Hinweise: Renditen in US-Dollar ohne Wiederanlage von Erträgen. 
Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Erträge. Die Wertentwicklung eines Index ist keine exakte Darstellung einer bestimmten Anlage, da Anleger:innen nicht direkt in einen Index investieren können.

 

Und selbst wenn man nur wenige dieser Rallye-Tage verpasst, sind die Auswirkungen doch erheblich. Geht man weiter zurück, genauer gesagt bis ins Jahr 1928, so hätte man mit einer Auszeit während der besten 30 Tage die Hälfte der Rendite in diesem Zeitraum verloren.1  Es zahlt sich also aus, gerade dann, wenn es am schwierigsten ist, an einem ausgewogenen Portfolio festzuhalten.

Befinden sich wichtige Volkswirtschaften heute in oder kurz vor einer Rezession? Wenn ja, sollten Anleger:innen ihr Portfolio anpassen?

Aktuell sehen wir in den großen Volkswirtschaften noch keine Rezession; allerdings erwarten wir, dass Europa gegen Ende 2022 und bis Anfang 2023 in eine leichte Rezession rutschen wird. Auch in Großbritannien erwarten wir im Jahr 2023 weiterhin eine Rezession, die jedoch aufgrund des gerade angekündigten Mini-Haushalts milder ausfallen dürfte als bisher angenommen. Für die USA gehen wir in unserem Basisszenario von einer relativ milden Rezession in den nächsten 24 Monaten aus.

Die Lage der chinesischen Wirtschaft dürfte kaum der offiziellen Definition einer Rezession entsprechen, das Wachstum wird jedoch voraussichtlich unter den Konsensprognosen liegen. Ob die Lieferengpässe anhalten und letztlich das chinesische und globale Wachstum belasten, wird davon abhängen, ob die Regierung Konjunkturprogramme auf den Weg bringt und ihre Null-Covid-Politik aufweicht. Für die kommenden Jahre hatten wir schon vor der steigenden Rezessionsgefahr historisch niedrige Aktien- und Anleiherenditen prognostiziert.

Die Finanzmärkte blicken jedoch in der Regel noch vorne, eine Rezession könnte daher bereits eingepreist sein. Und natürlich ändert nichts von alledem etwas an den Prinzipien erfolgreicher Vermögensanlage: Kosteneffizienz, Balance, Diversifizierung und Disziplin.

Die Fed hat deutlich gemacht, dass weitere Zinserhöhungen in den kommenden Monaten wahrscheinlich sind. Sollten Anleger:innen nicht darüber nachdenken, sich bis auf Weiteres vom Markt zurückzuziehen?

Alles, was ich zuvor gesagt habe, trifft auch für diese Frage zu: Langfristig gesehen haben sich Disziplin und eine beständige strategische Asset-Allokation immer wieder bewährt – in Zeiten hoher wie niedriger Inflation, bei fallenden wie bei steigenden Kursen und in zahlreichen Konjunkturzyklen.

Angst ist in Phasen hoher Volatilität – wie aktuell – nur menschlich. Und jeder Mensch ist einzigartig in Bezug auf seine Lebensumstände, seine Finanzen, seinen Zeithorizont und seine Risikobereitschaft.

Dieses Jahr war ein Härtetest für Anleger:innen mit einem diversifizierten Portfolio, zumal sich Anleihen und Aktien weiterhin in dieselbe Richtung bewegen. Steht das Paradigma des Mischportfolios vor dem Aus?

Die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen ist in diesem Jahr in der Tat gestiegen, was die Diversifizierungsvorteile eines Mischportfolios zum Teil aufhebt. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Häufiger und langfristig gesehen konnten Anleihen ein Portfolio in Zeiten volatiler Aktienmärkte stabilisieren. Die Stabilitätsfunktion von Anleihen ist dabei tendenziell unabhängig von der Höhe ihrer Rendite, weshalb Nachrufe auf traditionelle Mischportfolios aus unserer Sicht verfrüht sind.

Neben dem Diversifizierungsvorteil sprechen auch andere Gründe für festverzinsliche Wertpapiere, darunter die laufenden Erträge, die sie abwerfen. Aufgrund der steigenden Zinsen sind unsere 10-Jahres-Renditeprognosen für globale Anleihen seit September 2021 um fast 2 Prozentpunkte gestiegen, Anleihen sind also jetzt noch sinnvoller und spielen in einem diversifizierten Portfolio immer noch eine wichtige Rolle.

Welchen Rat würden Sie Menschen mit auf den Weg geben, die erst seit Kurzem investieren?

Der aktuelle Bärenmarkt hat einen großen Vorteil, insbesondere für jüngere Anleger:innen. Nach der letzten Verkaufswelle entsprechen die Bewertungen von Aktien jetzt annähernd ihrem Fair Value. An den Anleihemärkten sind steigende Zinsen zwar kurzfristig schmerzhaft, sorgen jedoch auch für steigende Renditeprognosen.

Wer noch in der Aufbauphase ist, kann jetzt zu günstigen Kursen investieren. In einem schwierigen Marktumfeld wie aktuell ist es daher wichtig, seine langfristigen Ziele im Auge zu behalten und sich nicht auf seinen aktuellen Kontostand zu fixieren.

Diversifizierung durch kosteneffiziente Fonds und ETFs ist ein guter Weg, um von der mächtigen Wirkung des Zinseszinses zu profitieren, den Einstein einst als das achte Weltwunder bezeichnet haben soll. Die langfristige kumulative Wirkung kleiner Fortschritte ist verblüffend, doch wer nicht investiert, kann keine Zinseszinsen abschöpfen.

 

1 Quelle: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von S&P und Macrobond; Stand: 31. Dezember 2021. Gemessen an den täglichen Kursgewinnen erzielte der US-Aktienmarkt für den Zeitraum von 1928 bis 2021 eine Jahresrendite von 6,2%. Hätten Anleger:innen die 30 besten Handelstage verpasst, betrüge ihre Jahresrendite lediglich 3,3%. Für den Zeitraum von Januar 1928 bis März 1957 wird der S&P 90 Index stellvertretend für den US-Aktienmarkt verwendet, anschließend und bis 2021 der S&P 500 Index. In den Renditen sind keine reinvestierten Dividenden enthalten, durch die die Renditen noch höher ausgefallen wären.

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Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

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