Ein Kommentar von Giulio Renzi-Ricci, Head of Asset Allocation, Vanguard Investment Strategy Group

 

  • In Phasen hoher Marktvolatilität kann ein Portfolio schneller von der Zielstruktur und damit auch von den Anlagezielen und dem angestrebten Risikoprofil abweichen.
  • Berater:innen haben die Wahl zwischen mehreren effektiven Rebalancing-Methoden, von denen keine eindeutig besser ist als die anderen.
  • Darüber hinaus haben sie jedoch weitere Optionen für ein möglichst effizientes Rebalancing, die sie vorab in Betracht ziehen sollten.

 

In Zeiten hoher Volatilität an den Aktien- und Anleihemärkten können Portfolios schneller von ihrer Zielallokation abweichen. Berater:innen dürften diesen Effekt seit Jahresbeginn in vielen Kundenportfolios beobachtet haben und sich fragen, ob sie diese Portfolios jetzt zurücksetzen sollten. Die richtige Antwort auf diese Frage hängt davon ab, welche Strategie Sie mit Ihren Kundinnen und Kunden vereinbart haben.

Beim Rebalancing können sich Berater:innen an mehreren Regeln orientieren. Doch bevor wir auf die verschiedenen Methoden eingehen, sollten wir zunächst eine besonders wichtige Regel festhalten: Rebalancing dient in erster Linie dazu, das Portfolio mit der Risikotoleranz der Kundinnen und Kunden in Einklang zu bringen, nicht zur Renditemaximierung.

Die Asset-Allokation – die wichtigste Entscheidung im Portfolioaufbau – sollte immer auf die Risikotoleranz, den Anlagehorizont und die Finanzziele der Kundinnen und Kunden abgestimmt sein. Wie Studien belegen, ist die Asset-Allokation sogar der wichtigste Faktor für den langfristigen Anlageerfolg.1 Ohne proaktives Rebalancing weicht die Portfoliostruktur jedoch irgendwann von der angestrebten Asset-Allokation ab. Die Folge: Das Renditeprofil verschiebt sich, das Portfoliorisiko steigt.

Ohne Rebalancing wäre zum Beispiel der Aktienanteil eines klassischen 60/40-Portfolios zwischen Ende 2003 und Ende 2021 von 60 auf 80% gestiegen (siehe Grafik unten). Vierteljährliches Rebalancing hätte dagegen die beabsichtigte Asset-Allokation und das angestrebte Risikoprofil erhalten.

Veränderungen des Aktienexposures für ein rebalanciertes 60/40 Portfolio und ein "Drifting Portfolio"

Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Erträge.
Quellen: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von Bloomberg. Hinweise: Tägliche Renditedaten für den Zeitraum vom 1. Januar 2003 bis zum 10. Februar 2022. Die ursprüngliche Asset-Allokation beider Portfolios besteht zu 42% aus US-Aktien, zu 18% aus internationalen Aktien und zu 40% aus US-Anleihen. Das Portfolio mit regelmäßigem Rebalancing wird jeweils am Quartalsende auf seine ursprüngliche Gewichtung zurückgesetzt. Bis April 2005 werden die Renditen von US-Aktien dargestellt durch den Dow Jones U.S. Total Stock Market Index, anschließend durch den MSCI US Broad Market Index. Die Renditen internationaler Aktien werden dargestellt durch den MSCI All Country World Index ex USA, die Anleiherenditen entsprechen der Wertentwicklung des Bloomberg US Aggregate Bond Index. Alle Renditen in USD.

Rebalancing-Optionen

Das Portfolio in der Grafik oben, das regelmäßig zurückgesetzt wird, folgte einer einfachen Zeitstrategie. Dabei werden die Gewichtungen immer an einem bestimmten Tag zurückgesetzt, unabhängig von der relativen Wertentwicklung einzelner Positionen. Bei einer reinen Schwellenwertstrategie wird das Portfolio dagegen zurückgesetzt, wenn die Gewichtungsabweichungen einen bestimmten Schwellenwert überschreiten, z. B. 5 Prozentpunkte. Wie häufig dieser Wert überschritten wird, und in einem volatilen Marktumfeld kann dies häufig der Fall sein, spielt dabei keine Rolle.

Alternativ können Berater:innen jedoch auch beide Methoden miteinander kombinieren und das Portfolio sowohl nach einem bestimmten Zeitplan als auch mit bestimmten Schwellenwerten überwachen und ein Rebalancing nur dann durchführen, wenn sich die beiden Werte überschneiden. Wir haben alle drei Strategien kurz zusammengefasst:

  • Methode Zeit: Rebalancing nach einem bestimmten Zeitplan, z. B. täglich, monatlich, vierteljährlich oder jährlich.
  • Methode Schwellenwert: Neugewichtung bei einer Abweichung von der angestrebten Asset-Allokation um einen bestimmten Wert, z. B. 1, 5 oder 10 Prozentpunkte.
  • Methode Zeit + Schwellenwert: Rebalancing nach einem festen Zeitplan, allerdings nur, wenn die Portfoliostruktur in einem bestimmten Umfang von der angestrebten Asset-Allokation abweicht.

Die Frage nach der optimalen Rebalancing-Strategie

Untersuchungen von Vanguard deuten darauf hin, dass keine der wichtigsten Rebalancing-Methoden eindeutig oder dauerhaft besser ist als die anderen.2 Letztlich müssen Berater:innen die richtige Methode für jede Kundin und jeden Kunden bestimmen und dann im Sinne des langfristigen Anlageerfolgs konsequent und diszipliniert umsetzen. Für ein möglichst effizientes Rebalancing empfiehlt Vanguard zudem die folgenden Maßnahmen:

  • Rebalancing mit Portfolio-Cashflows: Mittelzuflüsse (einmalige Einzahlungen, Dividenden, Zinsen usw.) sollten investiert werden, um untergewichtete Positionen aufzustocken. Kapitalabflüsse (Portfolioentnahmen) sollten aus übergewichteten Positionen gedeckt werden.
  • Auf Kosten achten: Berater:innen können die Kosten reduzieren, indem ein Portfolio nur zu einem Teil zurücksetzen. Bei deutlichen Abweichungen kann dies allerdings dazu führen, dass das Portfolio erheblich von dem angestrebten Risikoprofil abweicht.
  • Steuervorteile nutzen: Zusätzlich können Berater:innen die Steuerlast durch Gewichtungsanpassungen reduzieren, indem sie für das Rebalancing steuerbefreite Konten verwenden.

Vanguard Multi-Asset-Fonds und Musterportfolios werden von den Vanguard Investment Teams regelmäßig diszipliniert und kosteneffizient zurückgesetzt, damit Berater:innen mehr Zeit für andere wichtige Aufgaben bleibt.

 

1 G. P. Brinson, L. R. Hood, and G. L. Beebower, 1995. „Determinants of portfolio performance.“ Financial Analysts Journal 51(1):133–8. (Leitartikel, 1985–1994.)

2 Quelle: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von FactSet. Für weitere Informationen siehe Zilbering. Y., C.M. Jaconetti, und F.M. Kinniry. „Best practices for portfolio rebalancing“, Vanguard Research, November 2015. Hinweise: Der Vergleich der durchschnittlichen annualisierten Renditen reiner Zeitstrategien (mit monatlicher, vierteljährlicher und jährlicher Frequenz), reiner Schwellenwertstrategien (nach Abweichungen von 1, 5 % und 10) und Schwellenwert-/Zeitstrategien (Kombination von Zeitintervallen und Schwellenwerten) bezieht such auf ein hypothetisches Portfolio für den Zeitraum von 1926 bis 2014, das zu 50% aus globalen Aktien und zu 50% aus globalen Anleihen besteht. Berechnung ohne Kosten sowie ohne Mittelzuflüsse oder Entnahmen bei Wiederanlage von Dividendenzahlungen in Aktien und von Zinszahlungen in Anleihen. Globale Aktien werden durch folgende Indizes dargestellt: Standard & Poor‘s 90 (1926 bis 3. März 1957); S&P 500 Index (4. März 1957 bis 31. Dezember 1969); MSCI World Index (1. Januar 1970 bis 31. Dezember 1987); MSCI All Country World Index (1. Januar 1988 bis 31. Mai 1994); MSCI AC World IMI Index (1. Juni 1994 bis 31. Dezember 2014). Globale Anleihen werden durch folgende Indizes dargestellt: S&P High Grade Corporate Index (Januar 1926 bis 31. Dezember 1968); Citigroup High Grade Index (1. Januar 1969 bis 31. Dezember 1972); Lehman Long-Term AA Corporate Index (1. Januar 1973 bis 31. Dezember 1975); Barclays U.S. Aggregate Bond Index (1. Januar 1976 bis zum 31. Dezember 1989); Barclays Global Aggregate Bond Index (USD hedged, 1. Januar 1990 bis 31. Dezember 2014).

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken

Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

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