Ein Kommentar von Kunal Mehta, Head of Fixed Income Specialist Team, Vanguard Europe.

 

  • Die globalen Anleihemärkte haben einige schwierige Monate hinter sich; der Zeitraum von Anfang Januar bis Ende Juni war offiziell das schwächste erste Halbjahr seit über 30 Jahren.
  • Allerdings haben sich die Aussichten für die Anleihemärkte seit Jahresbeginn deutlich verbessert.
  • Turbulenzen eröffnen auch Chancen für aktive Fondsmanager, die es in dieser Form seit Jahren nicht gegeben hat.

 

Die globalen Anleihemärkte haben schwierige Monate hinter sich: Der Zeitraum von Anfang Januar bis Ende Juni war offiziell das schwächste erste Halbjahr seit über 30 Jahren1, und mit dem perfekten Sturm aus hoher Inflation, steigenden Zinsen und Krieg in Europa spricht auch aktuell nicht gerade viel für Anleihen.

Tatsächlich haben sich die Aussichten für die Anleihemärkte seit Jahresbeginn jedoch deutlich verbessert. Und für aktive Fondsmanager eröffnen sich durch die Turbulenzen auch Chancen, die es in dieser Form seit Jahren nicht gegeben hat.

Gab die Entwicklung während der ersten Jahreshälfte noch Grund zur Sorge, liegt die Effektivverzinsung inzwischen weitgehend über den längerfristigen Inflationserwartungen. Doch nicht nur die langfristigen Renditeprognosen für globale Anleihen sind seit Januar gestiegen.  Anleihen erfüllen auch wieder ihre Rolle als verlässliche Diversifikatoren von Aktienrisiken, nachdem sie riskanteren Assetklassen seit Jahresbeginn meist nach unten gefolgt waren2.

Anleger:innen haben also guten Grund, ihr Vertrauen in festverzinsliche Wertpapiere nicht zu verlieren. Noch mehr Grund für Zuversicht haben sie, wenn sie sich die vielen Tausend Einzeltitel, aus denen sie auswählen können, einmal genauer betrachten. Vanguard sieht heute in bestimmten Marktsegmenten mehr Potenzial für aktive Strategien als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt der letzten Jahre.

Volatilität eröffnet Chancen

Unternehmensanleihen mit Investment Grade-Rating sind ein gutes Beispiel: Im Zuge der turbulenten Marktentwicklung während der ersten sechs Monate des Jahres sind die Risikoaufschläge für die vergleichsweise risikoarmen Anleihen deutlich gestiegen, in einigen Märkten jedoch stärker als in anderen.

So sind US-amerikanische und europäische Unternehmensanleihen auseinandergedriftet: In den USA sind die Risikoaufschläge von knapp unter 100 Basispunkten zu Jahresbeginn auf rund 160 Basispunkte Ende Juni gestiegen3 und liegen damit etwa 25 Basispunkte über ihrem 10-Jahres-Durchschnitt. Aus unserer Sicht sind damit noch nicht alle Risiken eingepreist, obwohl wir insbesondere im Banken-, Pharma- und Versorgungssektor durchaus attraktive Bewertungen sehen.

In Europa haben sich die Risikoaufschläge im gleichen Zeitraum von 100 auf 200 Basispunkte verdoppelt. Europäische Anleihen sind damit sehr günstig bewertet, allerdings mit Abweichungen zwischen einzelnen Sektoren und einer drohenden Rezession, die auf den Märkten lastet. (Eine besondere Gefahr für Europa geht von steigenden Gaspreisen aus.)

Aus unterschiedlichen Gründen lässt sich das idiosynkratische Potenzial der beiden Märkte durch eine aktive Relative Value-Strategie mit Bottom-up-Wertpapierauswahl ausschöpfen.

Anleihen aus Schwellenländern (EM) hatten es in der ersten Jahreshälfte besonders schwer und bildeten das Schlusslicht unter den Anleihemärkten4. Der rasante Anstieg der Risikoaufschläge belastete EM-Anleihen ebenso wie steigende Zinsen in den Industrieländern und die Dollar-Aufwertung, weshalb die Kurse auf Dollar-Basis inzwischen den niedrigsten Stand seit fünf Jahren erreicht haben5. Die Folge: In allen Rating-Segmenten der Schwellenmärkte sehen wir inzwischen attraktive Einstiegskurse.

Besonders vorteilhaft ist die Lage für notleidende Emittenten, die sich auf eine Umschuldung  zubewegen, da die potenziellen Verluste für Anleiheinvestor:innen durch einen Ausfall sinken. Doch auch weniger riskante Unternehmensanleihen sollten von knapperen Risikoaufschlägen profitieren, da der Risikobetrag pro Anleihe sinkt.

Höhere Risiken und Volatilität können jedoch – wie immer in Schwellenmärkten – den Portfolioaufbau und das Risikomanagement eines aktiven Fondsmanagers auf den Prüfstand stellen. Auch hier kommt es vor allem auf aktives Portfoliomanagement auf Grundlage „echter“ Wertpapierauswahl an.

Grund für Optimismus

Nach den letzten Kursrückgängen sind unsere Renditeerwartungen für Investment Grade-Unternehmensanleihen und Anleihen aus Schwellenländern so optimistisch wie schon seit Jahren nicht mehr.

In Zeiten wie diesen sind die Anleger:innen mehr denn je auf die Qualitäten angewiesen, die festverzinsliche Wertpapiere normalerweise auszeichnen, darunter attraktives laufendes Einkommen, Rendite und Diversifizierung von Aktienrisiken durch globale Unternehmensanleihen sowie hohe risikobereinigte Renditen durch Schwellenländeranleihen. Für aktive Anleihestrategien müssen sie jedoch die nötige Disziplin aufbringen und Verlustrisiken durch sorgfältige Wertpapierauswahl reduzieren.

 

1 Quelle: Bloomberg. Renditen des Bloomberg Global Aggregate Index USD Hedged; Stand: 30. Juni 2022. Die Wertentwicklung des Index im ersten Halbjahr 2022 ist die schlechteste seit seiner Auflegung am 1. Januar 1990.

2 Quelle: Vanguard und Bloomberg. Zwischen dem 31. Dezember 2021 und dem 30. Juni 2022 lag die Korrelation des Bloomberg Global Aggregate Index USD Hedged mit den Indizes S&P 500 und MSCI All World bei 0,077 bzw. 0,058, zwischen dem 30. Juni 2022 und dem 31. Juli 2022 dagegen bei -0,086 bzw. -0,140.

3 Quelle: Bloomberg; 1. Januar 2022 bis 30. Juni 2022.

4 Quelle: JP Morgan EMBI Global Diversified Index; Stand: 30. Juni 2022.

5 Quelle: JP Morgan EMBI Global Diversified Sovereign Total Return Index in USD; Stand: 30. Juni 2022.

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