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Quartals-Update für Fixed-Income-Anleger – Q3 2020

20 Oktober 2020
Anleihen
Ein Kommentar von Senior Investment Product Specialist, Kunal Mehta

Die Dynamik an den Anleihemärkten schwächte sich im Laufe des Quartals ab und der September endete mit Unsicherheit unter den Anlegern über die weitere Richtung, denn sie waren bestrebt, die sich verschlechternden wirtschaftlichen Fundamentaldaten mit den Wachstumsaussichten bei höherer Zentralbankliquidität und einer unterstützenden Angebots- und Nachfragedynamik bei den Anleiheemissionen in Einklang zu bringen.

In vielen Teilen der Welt wurden im Rahmen der COVID-19-Pandemie wieder Lockdown-Maßnahmen eingeführt, was die Anleger veranlasste, sich in „sichere Häfen“ wie etwa hochwertige Anleihen zu flüchten. Demgegenüber waren in Anleihesegmenten mit höheren Risiken wie Hochzins- und Schwellenländeranleihen weitere Spreads zu verzeichnen.

Quartalsperformance nach Märkten

Globale Staatsanleihen

 

Unternehmensanleihen

 

Schwellenländeranleihen

 

Großbritannien

Europa

USA

HY

 

 

Bloomberg Barclays Global Aggregate Treasuries (USD Hedged)

Bloomberg Barclays Global Aggregate GBP Corporate (USD Hedged)

Bloomberg Barclays Global Aggregate EUR Corporate (USD Hedged)

Bloomberg Barclays Global Aggregate USD Corporate (USD Hedged)

Bloomberg Barclays Global High Yield (USD Hedged)

JP Morgan Emerging Markets Bond Index Global Diversified (USD Hedged)

+0,48%

+1,66%

+2,27%

+1,67%

+3,55%

+2,32%

Quelle: Bloomberg Barclays, 1. Juli 2020 bis 30. September 2020. Die einzelnen Engagements werden durch die Bloomberg Barclays-Indizes repräsentiert.
Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine zuverlässigen Rückschlüsse auf zukünftige Ergebnisse zu.

Staatsanleihen

Bei den Staatsanleihen der Industrieländer versteilerten sich die Renditekurven Großbritanniens und der USA leicht, während sich die deutsche Renditekurve etwas abflachte, da die Renditen deutscher Staatsanleihen mit längerer Laufzeit sanken1.

Auch wenn die US-Notenbank (Fed), die Europäische Zentralbank und die Bank of England ihre expansive Geldpolitik beibehielten, hatten sie bis zum Ende des Quartals die direkte Unterstützung einschließlich ihrer Ankäufe von Anleihen am offenen Markt reduziert. Die Fed gab auch bekannt, sie würde es ausdrücklich zulassen, dass die Inflation ihren Zielwert von 2 % überschreitet, um frühere Zeiträume mit niedrigerer Inflation auszugleichen. Dies macht es schwerer, den Zeitpunkt für eine künftige Zinserhöhung abzuschätzen.

Kreditmärkte

Alle wichtigen Segmente des Unternehmensanleihemarktes erzielten im Quartal positive Renditen, da die Zinssätze innerhalb einer begrenzten Spanne blieben und die Credit Spreads weiter unter Druck standen. Eine geringere Emissionstätigkeit am Primärmarkt in den Sommermonaten förderte zusammen mit einer beständigen Nachfrage nach Renditen die langsame aber stetige Verengung der Spreads.

Die Fundamentaldaten der Unternehmen blieben unter Druck, da Länder, Unternehmen und Verbraucher nach wie vor unter den negativen Auswirkungen der durch COVID-19 verursachten Lockdown-Maßnahmen zulasten der Bevölkerung und Sorgen im Hinblick auf eine Erholung der Konjunktur litten.

Credit-Spread-Niveaus

Optionsbereinigte Spreads (Bp.)

Quelle: Alle Bloomberg Barclays-Indizes: USD Aggregate A and BBB Corporate Index, Emerging Market USD Aggregate Index, Global Aggregate Supranational Index, EUR Aggregate A and BBB Rated Corporate Index, Asia Pacific Aggregate A and BBB Rated Corporate Index, US Securitised ABS und CMBS Indizes sowie US Corporate High Yield Index. Global Aggregate Credit Index. Stand: 30. September 2020. 

Obwohl die Zentralbanken das Tempo ihrer quantitativen Lockerungen deutlich gebremst haben, ist das Bekenntnis zu einer anhaltenden Phase mit einer lockeren Geldpolitik fest verankert, und es sind noch reichliche Kapazitäten für weitere Kreditunterstützungen vorhanden, falls die Märkte Anzeichen von Instabilität zeigen sollten. Eine fehlende vergleichbare Unterstützung von fiskalpolitischer Seite bleibt ein Hauptrisiko für die Märkte, da die Dauer der Pandemie den zeitlichen Rahmen überschreitet, für den die anfänglichen Hilfspakete bestimmt waren. 

Schwellenländer

Staatsanleihen aus Schwellenländern erzielten im dritten Quartal kräftige positive Renditen, da die Spreadniveaus im Investment-Grade-Segment des Marktes nahezu auf ihre Stände vor COVID-19 zurückkehrten1. High-Yield-Emittenten machten nur rund die Hälfte ihrer während der Verkaufswelle erlittenen Verluste wieder wett, was aber auf die schwächeren Fundamentaldaten der Unternehmen dieses Segments zurückzuführen ist.

Spreads von Schwellenländeranleihen

Quelle: Bloomberg, JP Morgan und Vanguard, 1. Januar 2017 bis 30. September 2020. Beim Spread von Schwellenländeranleihen handelt es sich um den Spread des JP Morgan Emerging Market Bond Index Global Diversified.

Die Emissionstätigkeit am Primärmarkt war auch stark auf den hochwertigeren Teil des Marktes ausgerichtet. Emittenten mit geringerer Kreditqualität, die sich an den Emissionsaktivitäten beteiligten, mussten große Zugeständnisse machen, um potenzielle Anleger anzuziehen.

Ausblick

Die weltweite Wiederöffnung der Volkswirtschaften ist mit unterschiedlichem Erfolg vorangeschritten, und das größte Risiko für die Märkte bleibt ein allgemeinerer Shutdown im Zuge einer zweiten Welle. Dies würde die bereits anfällige Erholung der Wirtschaft unterbrechen und die Fähigkeit und Wirksamkeit weiterer geldpolitischer und fiskalischer Anreize auf die Probe stellen.

Über die Unsicherheit im Zusammenhang mit der anhaltenden COVID-19-Pandemie hinaus halten wir einen Anstieg der Marktvolatilität zum Jahresende für möglich. Die US-Wahl, ein verzögertes fiskalisches Hilfspaket in den USA und Komplikationen rund um den Brexit bringen allesamt das Potenzial mit sich, die Anlegerstimmung zu belasten und die Marktpreise zu beeinflussen.

Wir würden bessere Preise ausnutzen, sofern sie sich ergäben. Unterdessen bleiben wir auf die Wertschöpfung konzentriert, indem wir sicherstellen, dass wir eine angemessene Diversifizierung unter unseren besten Anlageideen beibehalten.

Unser Ausblick für die Unternehmensanleihemärkte war ab Mitte des Sommers von einer vorsichtigeren Haltung geprägt, da sich die Bewertungen nahezu wieder auf ihre langfristigen Durchschnittswerte erholten. Die aus unserer Sicht immer schwächer werdenden Fundamentaldaten der Unternehmen deuten darauf hin, dass es durchaus zu einer Ausweitung der Spreads kommen könnte. Umgekehrt unterstreicht die unersättliche Nachfrage nach Renditen die Dynamik für eine weitere Verengung der Spreads. In diesem Umfeld halten wir es für sinnvoll, angemessene Liquiditätsbestände vorzuhalten, um zusätzliche Risiken einzugehen, wenn sich die Bewertungen verbessern, und zugleich auf die besten Relative-Value-Gelegenheiten in den verschiedenen Sektoren konzentriert zu bleiben.

In den Schwellenländern wird die COVID-19-Pandemie nach unserer Auffassung langanhaltende Auswirkungen haben. Die Verschlechterung der Staatsbilanzen, die sich aus der notwendigen Reaktion zum Schutz der öffentlichen Gesundheit ergibt, und die verloren gegangene Wirtschaftsaktivität dürften die Schuldenlast erhöhen. Allerdings waren viele Länder, Schwellenländer wie auch Industrieländer, die die höchsten Zuwächse der Schuldenlast verkraften mussten, auch diejenigen mit den stärksten Bilanzen und dem größten fiskalischen Spielraum. Die Schuldenlast wird daher aus unserer Sicht in den meisten Fällen tragbar bleiben. Auf der positiven Seite ist zu vermerken, dass die Anlageklasse auch künftig durch eine anhaltende Phase mit einer lockeren Geldpolitik der weltweiten Zentralbanken unterstützt werden wird. 

 

1 Quelle: Bloomberg, Stand: 30. September 2020.

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