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Stress und Stimulus: die Reaktion der Rentenmärkte

22 September 2020
Finanzmarktanalysen

In diesem kurzen Video erläutern Vanguard CEO Tim Buckley und Head of Global Rates Sara Devereux die Hintergründe der Liquiditätskrise am Rentenmarkt.

Tim Buckley: Sara, du gehörst zu den wichtigsten Führungskräften in unserer Fixed Income Group. Du leitest das Rates Team und bist an der Implementierung unserer aktiven Fixed Income-Strategien beteiligt. Und du hast viele Jahre Erfahrung. Wir sind beide seit Jahrzehnten in dieser Branche, und wir haben schon früher Turbulenzen am Rentenmarkt erlebt; aber was jetzt passiert, ist anders als früher. Normalerweise sehen wir Preisverwerfungen. Wir sehen steigende Risikoprämien bei High Yield-Anleihen, vielleicht auch bei manchen Investment Grade-Anleihen. Aber dieser Sturm hat fast alle Segmente des Rentenmarktes erfasst. Kannst du uns erklären, was du siehst; was das für eine Krise ist und was dahinter steckt?

Sara Devereux: Gerne. Ich halte es vor allem für eine Liquiditätskrise, die vor etwa zwei Wochen am Treasury-Markt ihren Anfang genommen hat. Es kam zu Verwerfungen bei Off-the-Run-Treasuries. Im Handel liegen diese Papiere normalerweise sehr nah beieinander und haben eine ähnliche Rendite. Dann kam es zu Preisabweichungen. Das waren frühe Anzeichen für Liquiditätsprobleme.

Tim: Es ist ungewöhnlich, dass man das an dieser Stelle als Erstes sieht, richtig? Am Treasury-Markt.

Sara: Das ist richtig.

Tim:  Ich meine, das sind angeblich die sichersten Anleihen, die es da draußen gibt. Ein sehr liquider Markt. Man würde das dort nicht erwarten.

Sara: Das ist richtig, und es war sicherlich ein Warnzeichen. Wir haben es bemerkt. Die Fed hat es bemerkt. Und die Fed hat sofort reagiert. Bis zum Wochenende hat die Zentralbank mehrere Maßnahmen zur Lösung des Problems angekündigt, darunter umfangreiche Wertpapierkäufe. Die Fed hat dabei explizit auf die Liquiditätsprobleme im Treasury- und im Hypothekenmarkt hingewiesen. Und dann haben sie dieses QE-Programm aufgestockt und zusätzliche Fazilitäten angekündigt, um die Liquidität in anderen Märkten zu erhöhen, wie z. B. Unternehmensanleihen, Kommunalanleihen und sogar in unseren Geldmärkten.

Tim: Das liegt daran, dass die Risikoaufschläge für Investment Grade-Anleihen mit BBB-Rating deutlich gestiegen sind. Die wurden auch nicht viel gehandelt, richtig?

Sara: Das ist richtig. Das war ein Problem, das alle Segmente des Rentenmarktes betraf. Und es war mit Sicherheit ein Bilanzproblem, Störungen im System, die den Liquiditätsfluss betrafen.

Tim: Treten wir einen Schritt zurück. Was ist die Ursache für das Problem? Wir haben die Covid-19-Krise. Wir haben eine Konjunkturabkühlung. Viele Unternehmen wissen nicht, wie lange sie ohne Einnahmen durchhalten können. Also besorgen sie sich Bargeld.

Sara: Das ist richtig. In Stressphasen wollen alle Bargeld. Unternehmen brauchen es, um ihre Mitarbeiter zu bezahlen. Die Banken brauchen es, um Kredite zu vergeben und die Nachfrage nach Bargeld zu bedienen. Normalerweise läuft die Beschaffung von Bargeld am Markt völlig problemlos. Diesmal war es anders – wegen der schieren Geschwindigkeit der Krise und der hohen Liquiditätsnachfrage. Um ehrlich zu sein, die Leitungen im Bankensystem sind nicht darauf ausgelegt, derart hohe Kapitalflüsse zu kanalisieren.

Tim: Aber wenn wir wieder Liquidität herstellen, vermeiden wir, dass aus einer Liquiditätskrise eine anhaltende Kreditkrise wird, richtig?

Sara: Das sehe ich auch so. Und nicht nur das. Die Fed hat eingegriffen und die Märkte mit Liquidität versorgt; das gewährleistet, dass die Märkte funktionieren. Außerdem bleiben die Kreditzinsen niedrig, und das wichtig, um uns durch diese Phase zu bringen, damit Verbraucher und Unternehmen sich finanzieren und diese Zeit überstehen können.

Tim: Ich denke an unsere Anleger. Was sie in dieser Situation überhaupt nicht tun sollten, ist verkaufen. Unternehmen müssen verkaufen und Bargeld reinholen, weil sie Forderungen erfüllen müssen. Wie du schon erwähnt hast, sie müssen ihre Mitarbeiter, ihre Stromrechnung usw. bezahlen. Sie benötigen viel mehr Bargeld als eine Privatperson. Eine Privatperson hat hoffentlich ein paar Reserven und muss nicht gleich ihre Anlagen auflösen. Wenn man während einer Liquiditätskrise verkauft, verkauft man wahrscheinlich zu einem extrem niedrigen Preis, richtig?

Sara: Das denke ich auch.

Tim: Wenn Sie es sich also leisten können, ist es vielleicht besser zu warten, anstatt jetzt in Panik zu geraten.

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