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Was bedeutet Covid für die langfristige Anlageplanung?

05 Oktober 2020
Finanzmarktanalysen

Georgina Yarwood, Investment Analyst, Investment Strategy Group

Die Entwicklung der globalen Covid-19-Pandemie verstärkte die Marktvolatilität in der ersten Hälfte des Jahres 2020. Am 19. Februar markierten die US-Aktienmärkte einen Höhepunkt. In den folgenden Wochen fielen sie allerdings um 34% und erreichten am 23. März den Tiefpunkt. Anschließend stiegen sie bis Ende Mai wieder um 36%1. Die pandemiebedingten Lockdowns verursachten den heftigsten und tiefsten Konjunktureinbruch der modernen Geschichte2.

Wie sollten Anleger, die auf lange Sicht sparen, auf diese Situation reagieren?

Auf Dinge konzentrieren, die kontrolliert werden können

Die wichtigste Anlageempfehlung von Vanguard lautete immer schon, sich auf Dinge zu konzentrieren, die kontrolliert werden können. Als Anleger wird man leicht vom Marktgeschehen, von der Wirtschaft, den Managerratings oder der Wertentwicklung einzelner Wertpapiere oder Strategien in Bann gezogen – und übersieht dann möglicherweise fundamentale Grundsätze der Kapitalanlage, wie die Festlegung klarer, angemessener Anlageziele, den Aufbau einer geeigneten Vermögensallokation unter Verwendung breit diversifizierter Fonds, die Minimierung der Kosten, die Wahrung der Perspektive und die langfristige Disziplin.

Nehmen wir einmal die Kosten. Grundsätzlich gilt: Je niedriger die Kosten, umso größer sind die Erträge, die ein Anleger erzielen kann. Durch die Kumulierung der Renditen vervielfältigt sich der Effekt. Indexanlagen können ein nützliches Instrument zur Kostenkontrolle sein, denn Indexfonds bieten mit die günstigsten Kosten in der Investmentbranche3.

Anleger können oft nur schwer der Versuchung widerstehen, ihre Portfolios umzubauen – vor allem, wenn sich die Märkte auf einer Achterbahnfahrt befinden, die so ungewöhnlich ist, wie während der Covid-19-Krise. Eine Studie, die das Verhalten eines kleinen Segments von Vanguard-Anlegern in den USA während der jüngsten Marktturbulenzen untersuchte4, kam zu der interessanten Feststellung, dass nur eine sehr kleine Minderheit – weniger als 0,5% – in Panik geriet, sämtliche Aktienanlagen verkaufte und vom 19. Februar bis zum 31. Mai nur eine Barposition (Cash) im Portfolio hielt.

Unsere Analysten berechneten den Unterschied zwischen den Erträgen von Anlegern, die sich völlig in Cash zurückgezogen hatten, und den Erträgen, die sie erzielt hätten, wenn sie an ihrer Portfolio-Zusammensetzung vor der Panik festgehalten hätten. Dabei zeigte sich, dass über 80% der Anleger, die in Panik geraten waren und ihre Aktien abgestoßen hatten, weitaus besser gefahren wären, wenn sie ihre Portfolios einfach unverändert auf dem Stand vom 18. Februar 2020 belassen hätten.

Tatsächliche Gesamtrendite in Panik geratener Cash-Anleger gegenüber „Buy and Hold“-Anlegern

Von Vanguard untersuchte selbstbestimmte Haushalte, die Anlagen verkauften und vom 19. Februar bis zum 31. Mai 2020 reine Cash-Portfolios hielten

Hinweise: Die tatsächlichen realisierten Renditen wurden individuell für jeden Haushalt berechnet. Die täglichen Gesamtrenditen auf der Positionsebene werden – anhand der Portfoliozusammensetzung zum Handelsschluss am Vortag – nach Vermögenswerten gewichtet. Die individuellen Benchmarkrenditen vor der Panik werden einzeln für jeden Haushalt berechnet. Dabei werden die täglichen Gesamtrenditen auf der Positionsebene – gewichtet nach den Vermögenswerten in der Portfoliozusammensetzung beim Handelsschluss am 18. Februar 2020 – zugrunde gelegt. Die individuellen Benchmarkrenditen vor der Panik repräsentieren die Renditen, die die Anleger (bei Wiederanlage aller Dividenden) erzielt hätten, wenn sie ihre Portfolios unverändert auf dem Stand vom 18. Februar 2020 gehalten hätten, statt in Panik zu geraten und in Barmittel umzuschichten. Die Angaben beziehen sich auf Teilnehmer von Vorsorgeplänen mit beitragsorientierter Pensionszusage. Quelle: Vanguard, 2020.

Anleger, die aufgrund von Marktschwankungen umschichten möchten, müssen zwei Zeitpunkte richtig erwischen: den Zeitpunkt für den Rückzug aus dem Markt und den Zeitpunkt für den Wiedereinstieg. Die Schwierigkeit des richtigen Timings wurde in einer ganzen Reihe von Studien untersucht3. Für Befürworter des Markt-Timings sind die Ergebnisse recht entmutigend. Anleger sollten sich diese Lektion zu Herzen nehmen, denn die zweite Hälfte dieses Jahres wird nicht ohne Volatilität ablaufen.

Langfristige Perspektive

Eine andere Vanguard-Studie5 untersuchte Veränderungen des Vermögens von US-Haushalten, im ersten Quartal 2020. Wie erwartet, veränderte sich der Wohlstand zusammen mit den zugrunde liegenden Aktienallokationen. Bei Haushalten ohne Aktienallokation war praktisch keine Veränderung des Vermögens festzustellen, was nicht überraschte. Am entgegengesetzten Ende des Spektrums verringerte sich das Vermögen von Anlegern mit reinen Aktienallokationen um 20% – fast deckungsgleich mit der Entwicklung des S&P 500 Index.

Wenn man den Zeitrahmen auf das Jahr bis zum 31. März 2020 erweiterte, war die Einbuße geringer. Über einen Zeitraum von drei Jahren war das Vermögen fast aller Anleger gestiegen. Ein hypothetisches ausgewogenes 70:30-Portfolio mit 70% Aktien und 30% Anleihen hätte über den Dreijahreszeitraum bis zum 31. März 2020 einen Wertzuwachs von 12,4% erzielt5.

Die Studie lässt darauf schließen, dass Anleger im Hinblick auf Marktschocks und ihr Portfoliovermögen langfristig denken sollten. Die Orientierung an einem längeren Zeitrahmen kann ihnen die psychologisch wichtige innere Ruhe verschaffen, die nötig ist, um auf kurzfristige Ereignisse, wie die aktuelle Pandemie, nicht überzureagieren.

 

1 Gemessen am S&P 500.

2 Siehe hierzu den Vanguard-Researchbericht 2020 Vanguard Wirtschafts- und Marktausblick zur Jahresmitte 2020: Prognose in Coronazeiten, der unter vanguard.com verfügbar ist.

3 Grundsätze von Vanguard für den Anlageerfolg, Juni 2020

4 Cash panickers: Coronavirus market volatility 30. Juli 2020

5 U.S. investor wealth changes during Coronavirus market volatility: Widening the frame. Vanguard, 11. Mai 2020

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken:

Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

Die frühere Wertentwicklung gibt keinen verlässlichen Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.

Wichtige Hinweise:

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© 2020 Vanguard Asset Management, Limited. Alle Rechte vorbehalten.

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