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Vor 15 Jahren wurden in Europa weniger als 200 ETFs verwaltet. Seitdem haben die börsengehandelten Fonds enorm an Beliebtheit gewonnen – vor allem solche, die einen Index abbilden. Denn Indexfonds gehören zu den kostengünstigsten Möglichkeiten, um am Markt zu investieren. Nicht nur das verwaltete Vermögen, auch die Zahl der Fonds ist dadurch gewachsen: Bis Ende 2020 hat sich ihre Zahl verzehnfacht.1

Immer mehr Märkte werden inzwischen mit Indexfonds abgedeckt, und auch Nischen- oder gefilterte Indizes gewinnen an Bedeutung. Wie also wählen Anleger aus dieser wachsenden Palette an ETFs aus, und wie entscheidet man zwischen Fonds unterschiedlicher Anbieter, die denselben Index abbilden? Die folgenden Faktoren können bei der Entscheidung helfen:

Die Wahl des Marktes

Am Anfang der Entscheidung steht die Frage nach dem Anlageziel und dem Markt, mit dem Anleger dieses Ziel am ehesten erreichen können. Wollen sie eine möglichst hohe Rendite erzielen oder den Wert ihres Vermögens erhalten? Ihr bestehendes Portfolio mit einem Indexfonds ergänzen, um es etwa besser zu streuen? Wie lang ist ihr Anlagehorizont und welches Risiko nehmen sie auf dieser Basis in Kauf?

Erst mit diesem Wissen können Anleger entscheiden, in welche Anlageklasse und Region sie investieren wollen, und ob ihre Auswahl noch nach anderen Gesichtspunkten gefiltert werden sollte. Mögliche Schwerpunkte können große oder mittelständische, klimafreundliche oder besonders sozialverträgliche Unternehmen, oder – bei einer Anlage in Anleihen – Emittenten mit einer bestimmten Bonität sein. Die meisten Aktien- und Anleihemärkte werden inzwischen von ETFs abgebildet.

Die Wahl des Index

Als nächstes müssen Anleger einen Index wählen, der diesen Markt abbildet. Gerade bei bedeutenden Märkten haben Anleger oft verschiedene Indizes zur Auswahl. In den globalen Aktienmarkt etwa können sie unter anderem mit dem MSCI All-Country Index und dem FTSE All-World Index investieren. Doch zwischen Indizes gibt es in der Regel eine Reihe von Unterschieden, auch wenn sie auf den ersten Blick den gleichen Markt in den Fokus stellen.

Jeder Indexanbieter legt eine bestimmte Methode fest, nach der Einzelwerte in einen Index aufgenommen werden. Bestenfalls ist diese transparent und nachvollziehbar. Je nach Methode können Indizes mit dem gleichen Schwerpunkt unterschiedlich viele Werte enthalten und dadurch Regionen, Branchen oder Emittenten unterschiedlich stark gewichten. Einige Indizes sind dadurch auch breiter gestreut als andere. Bei überregionalen Indizes entstehen zuweilen Unterschiede dadurch, ob der Indexanbieter eine Anlageregion als Industrie- oder Schwellenmarkt klassifiziert.

Ein Blick zurück kann sich bei der Auswahl eines Index ebenfalls lohnen – aber nicht unbedingt ein Blick auf die Performance. Es gibt keinerlei Garantie dafür, dass sich die vergangene Wertentwicklung am Markt auch in Zukunft so fortsetzt. Aber Anleger können prüfen, ob sich ein Index etabliert hat, über einen längeren Zeitraum hinweg seiner Methodik treu geblieben ist und das Anlageuniversum dadurch möglichst stabil war. Das kann Anlegern unter Umständen helfen, bei der Geldanlage Modethemen zu vermeiden, die am Ende womöglich nicht die erhofften Ergebnisse liefern.

In der Regel enthält ein Portfolio eine Reihe von Fonds. Anleger sollten bei der Auswahl des Index daher auch darauf achten, inwiefern dieser sich mit anderen Fondsportfolios überschneidet, um Lücken oder eine ungewollt große Gewichtung bestimmter Werte zu vermeiden.

Die Wahl des Fonds

Nach diesen Überlegungen haben Anleger in der Regel immer noch mehrere ETFs zur Auswahl, die den gleichen Index abbilden.

Portfoliokonstruktion

Eine wichtige Unterscheidung ist die Portfoliokonstruktion. Indexfonds können den zugrundeliegenden Index auf zwei Arten abbilden: physisch oder synthetisch.

Bei der physischen Nachbildung hält der Fonds alle oder eine repräsentative Auswahl der Indexwerte. Ein Indexfonds, der auf den S&P 500 lautet, würde also in Aktien aller 500 im Index enthaltenen Unternehmen investieren, oder in eine Auswahl davon. Die Methode ist dadurch einfach und transparent. Die Indexfonds von Vanguard basieren alle auf der physischen Nachbildung.

Fonds, die einen Index mit der synthetischen Methode nachbilden, nutzen Derivate wie Swaps, um die Wertentwicklung des Index nachzuahmen. Synthetische Indexfonds bilden also einen Index ab, ohne die enthaltenen Papiere zu besitzen. Das Modell birgt zusätzliche Risiken für Anleger. Dafür bilden diese Fonds die Entwicklung ihres Referenzindex oft präziser ab und sind dabei zuweilen kostengünstiger, gerade in weniger liquiden Märkten oder wenn es schwer ist, die zugrundeliegenden Wertpapiere physisch zu halten. Das ist etwa bei Rohstoffen und Devisen der Fall. Letztendlich erklären die besten Indexfonds transparent und verständlich, nach welcher Methode sie Anlegergelder investieren.

Mehrrendite und Tracking Error

Eine weitere Kennzahl bei der Differenzierung von Indexfonds ist der Renditeunterschied zwischen dem Fonds und seinem Referenzindex. Die Kursentwicklung eines Fonds deckt sich langfristig nie vollkommen mit der eines Index. Meist entwickelt sich der Fonds etwas schlechter, weil Kosten für seine Verwaltung anfallen. Verschiedene Faktoren können die Differenz jedoch positiv wie negativ beeinflussen, darunter die Replizierungsmethode, die Fair-Value-Bewertung und der Einfluss nicht investierter Anlegergelder. Erfahrung und Geschick der Fondsmanager fallen ebenso ins Gewicht, etwa wenn sie neue Indexmitglieder ins Portfolio aufnehmen oder Dividenden reinvestieren.

Eine Mehrrendite gegenüber dem Index ist jedoch kein verlässlicher Indikator für einen guten ETF. In der Regel wollen Anleger, dass sich das Risikoprofil des ETFs mit dem ihrer gewählten Anlageklasse deckt. Der Tracking Error zeigt, ob das tatsächlich zutrifft.

Der Tracking Error ist eine verzwickte Kennzahl, denn nicht alle ETF-Anbieter definieren ihn gleich. Manche setzten ihn mit der Mehrrendite gegenüber dem Index gleich. Streng genommen stellt er jedoch die Standardabweichung des Renditeunterschieds zwischen Fonds und Referenzindex auf Jahresbasis dar. Anders gesagt: Die Mehrrendite misst, wie stark die Rendite eines Indexfonds über einen bestimmten Zeitraum von seinem Index abweicht; der Tracking Error misst, wie stark diese Mehrrendite schwankt. Ein hoher Tracking Error kann also bedeuten, dass ein Indexfonds seine Rolle nicht ideal erfüllt.

Kosten

Die relativ geringen Kosten von börsengehandelten Indexfonds sind eine ihrer größten Stärken. Doch auch hier gibt es Unterschiede. Sind Anbieter gut am Markt etabliert und haben ihre Fonds eine gewisse Größe erreicht, sollten sie in der Lage sein, die Fondskosten zu reduzieren. Der Wettbewerb unter den Anbietern von Indexfonds ist groß, sodass die Kosten seit einigen Jahren stetig fallen – bis 2020 kapitalgewichtet auf durchschnittlich 0,19 Prozent.2 Je geringer die Kosten, desto mehr von der Rendite bleibt im Depot der Anleger.

Wertpapierleihe

Vermögensverwalter haben verschiedene Möglichkeiten, um die Kosten eines Fonds zu senken. Eine davon ist die Wertpapierleihe. Der Vermögensverwalter verleiht einen Teil der Wertpapiere aus einem Fonds an andere Marktteilnehmer (oft sind das Leerverkäufer), die dafür eine Gebühr zahlen. Die Einnahmen aus diesen Gebühren können unter Umständen einen großen Anteil der Fondskosten decken, jedoch birgt die Praxis auch gewisse Risiken.

Leerverkäufer verkaufen in der Regel die Wertpapiere, die sie leihen – in der Hoffnung, diese vor der Fälligkeit günstiger zurückzukaufen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten und nicht in der Lage sind, die geliehenen Papiere zurückzugeben. Vermögensverwalter fordern daher in der Regel, dass bei einem Leihgeschäft Sicherheiten hinterlegt werden.

Anleger, die verschiedene ETFs gegeneinander abwägen, können in diesem Zusammenhang darauf achten, welcher Anteil des Fondsportfolios verliehen wird, welche Art von Papieren als Sicherheit akzeptiert wird, und was mit den Gebühreneinnahmen geschieht. Vanguard verleiht vor allem Papiere, die besonders gefragt sind, um Umsätze zu generieren und dabei nur einen geringen Anteil eines Portfolios zu verleihen. Alle Einnahmen abzüglich der Kosten für die Ausführung der Wertpapierleihe werden an den Fonds zurückgeführt. Dadurch profitieren ausschließlich diejenigen, die das Risiko tragen – also die Anleger selbst.

Keiner der genannten Aspekte kann allein entschlüsseln, welcher ETF der Beste ist. Bei der Entscheidung für einen Indexfonds sollten Anleger immer das Zusammenspiel der Merkmale betrachten – und prüfen, welcher am ehesten geeignet ist, um die eigenen Ziele zu erreichen.

 

1 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/181784/umfrage/anzahl-der-etfs-in-europa/

2 https://www.morningstar.de/de/news/208008/fondsgeb%C3%BChren-im-sinkflug---indexfonds-geben-den-takt-vor.aspx

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken

Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

ETF-Anteile können nur durch einen Makler erworben oder verkauft werden. Die Anlage in ETFs bringt eine Börsenmakler-Provision und eine Geld-Brief-Spanne mit sich, was vor der Anlage vollständig berücksichtigt werden sollte.

Wichtige allgemeine Hinweise

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