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Was sind ETFs?

ETFs verbinden die Vorteile von Aktien mit denen herkömmlicher Fonds.

Vorteile herkömmlicher Fonds

  • Diversifikation
  • Professionelles Management

Vorteile von Aktien

  • Kontinuierliche Preisfeststellung
  • Liquidität

Genau wie mit herkömmlichen Fonds können Anleger mit börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Fund, ETF) in ein Portfolio von Wertpapieren wie Aktien oder Anleihen investieren.

Wie bei anderen Fonds auch beteiligen sich Anleger mit jedem ETF-Anteil an den Basiswerten. Sowohl Fonds als auch ETFs werden zudem von professionellen Managern verwaltet, sodass Anleger nicht jedes einzelne Wertpapier in ihrem Portfolio im Auge behalten müssen. Sie unterscheiden sich jedoch in der Abwicklung, denn ETFs können den ganzen Tag über an einer Börse zu Marktpreisen gehandelt werden.

Die meisten ETFs verfolgen Indexstrategien. Sie streben also die möglichst genaue Nachbildung eines bestimmten Index an, weshalb auch die Wertentwicklung des ETF der des Index entsprechen sollte. Steigt oder fällt der Index um 2%, sollte daher auch der ETF, der diesen Index abbildet, um 2% zulegen oder 2% an Wert verlieren (jeweils vor Abzug von Gebühren und Kosten).

So funktionieren ETFs

Genau wie einzelne Wertpapiere werden ETFs ganztägig zu Marktpreisen an der Börse gehandelt.

Anteile an herkömmlichen Fonds können Anleger dagegen nur bei den jeweiligen Fondsgesellschaften kaufen oder zurückgeben, und zwar zu dem Nettoinventarwert (NAV), der am Ende jedes Handelstages festgestellt wird.

Zwar werden ETFs wie einzelne Wertpapiere gehandelt. Genau wie bei herkömmlichen Fonds ist der Zahl der Anteile jedoch nicht begrenzt, je nach Nachfrage können daher täglich neue Anteile geschaffen und bestehende Anteile zurückgenommen werden. Einzelne Wertpapiere sind dagegen in ihrer Zahl begrenzt, und geschlossene Fonds geben nur eine bestimmte Anzahl an Anteilen aus.

So funktioniert die Neuausgabe und Rücknahme von ETF-Anteilen

Anleger können Anteile an herkömmlichen Fonds grundsätzlich direkt bei der Fondsgesellschaft oder Vertriebsstelle kaufen oder zurückgeben. ETF-Anbieter arbeiten hingegen nur mit autorisierten Marktteilnehmern zusammen, die ETF-Anteile neu schaffen oder zurücknehmen können. Anteile an herkömmlichen Fonds bezahlen Anleger außerdem meistens in bar, autorisierte Marktteilnehmer können dagegen in der Regel die Basiswerte des ETF gegen Anteile an demselben ETF eintauschen. So „schaffen“ sie neue Anteile, die anschließend an der Börse gehandelt werden.

Welche Vorteile bieten ETFs?

ETFs können zahlreiche Vorteile haben, darunter Kosteneffizienz, Liquidität und Diversifikation.

Kosteneffizienz

Die laufenden Kosten und die Gesamtkostenquote (Englisch: Ongoing Charges Figure, OCF/Total Expense Ratio, TER) sind bei ETFs meistens niedriger als bei herkömmlichen Fonds, außerdem sind Index-ETFs grundsätzlich günstiger als aktive Fonds und ETFs. Weniger Kosten und Gebühren bedeuten, dass den Anlegern mehr von ihrer Rendite bleibt. Im Handel von ETFs fallen jedoch Transaktionskosten wie Maklergebühren an. Anleger sollten daher immer alle anfallenden Kosten berücksichtigen.

Liquidität

ETFs werden an der Börse gehandelt, Anleger können also während der Handelszeiten immer Anteile kaufen oder verkaufen. Das gilt selbst dann, wenn der Markt geschlossen ist, an dem die Basiswerte des Fonds gehandelt werden. Anleger in Europa beispielsweise können während der europäischen Handelszeiten in einen japanischen Aktien-ETF investieren, selbst wenn die Börse in Tokio geschlossen ist.

Diversifikation

Ein einzelner Index-ETF kann in hunderte oder tausende Wertpapiere investieren – mehr als viele aktive Fonds und weit mehr als die meisten Portfolios aus einzelnen Wertpapieren. Eine breite Diversifikation kann Risiken reduzieren, die durch Beteiligungen in Einzeltiteln oder einzelnen Marktsegmenten anfallen.

Transparenz

ETFs veröffentlichen regelmäßig ihre Positionen, die Wertentwicklung des Fonds gegenüber der Benchmark und ihre Kosten.

Risiken

Jede Anlage ist mit Risiken verbunden, darunter das Risiko eines Kapitalverlustes. Der Kauf von ETF-Anteilen ist mit Risiken verbunden, darunter Risiken im Zusammenhang mit Marktvolatilität und kurzfristigen Ereignissen. Diversifikation garantiert keinen Gewinn oder Schutz vor Verlusten in fallenden Märkten. Die Wertentwicklung eines Index ist keine exakte Darstellung einer bestimmten Anlage, da Anleger nicht direkt in einen Index investieren können.

Wie werden ETFs reguliert?

Die große Mehrheit der in Europa domizilierten ETFs sind rein strukturell und aufsichtsrechtlich betrachtet eingetragene Investmentgesellschaften gemäß der Richtlinie betreffend Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW).1 Sie unterliegen damit denselben Vorschriften wie herkömmliche OGAW-Fonds mit Domizil innerhalb der Europäischen Union.

Zwar sind alle Anlagen mit Risiken verbunden, dieser regulatorische Rahmen gewährleistet jedoch ein gewisses Maß an Anlegerschutz. Die OGAW-Regeln schreiben unter anderem vor, dass die Basiswerte der Fonds liquide und die Portfolios diversifiziert sein müssen, außerdem müssen die Vermögenswerte getrennt von der Verwaltungsgesellschaft des Fonds von einer Depotstelle verwahrt werden.

1 Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 (2009/65/EG) zur Koordinierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften betreffend bestimmte Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW) in ihrer jeweils geltenden Fassung.

Die Geschichte der ETFs

Der weltweit erste ETF wurde 1990 in Kanada aufgelegt. Der flexible Handel der Fonds kombiniert mit den Vorteilen der kollektiven Kapitalanlage löste bald einen tiefgreifenden Wandel am Markt aus.

Zu Beginn setzten vor allem institutionelle Anleger zur Umsetzung komplexer Handelsstrategien auf ETFs. Allerdings dauerte es nicht lange, bis auch Privatanleger und Finanzberater auf die neuen Fonds aufmerksam wurden.

Seitdem haben sich ETFs zu einem der weltweit beliebtesten Anlageinstrumente entwickelt. Heute verwalten die mehr als 7.600 ETFs und ETPs ein Vermögen von über USD 4.8 Bio1.

ETF Meilensteine

1 Quelle: ETFGI, per 31. Dezember 2018.
2 Quelle: ETFGI, per 31. Dezember 2009. Hinweis: Angaben zu ETF-Vermögenswerten und Produktdaten enthalten neben börsengehandelten Fonds auch andere börsengehandelte Produkte (ETPs).

Wie unterscheiden sich ETFs von herkömmlichen Fonds?

ETFs und herkömmliche Fonds verfolgen das gleiche Ziel, sie bieten Zugang zu bestimmten Märkten oder Marktsegmenten.

Es überrascht daher nicht, dass die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Instrumenten ihre Unterschiede überwiegen.

Gemeinsamkeiten

Diversifikation

Durch die kollektive Kapitalanlage mehrerer Anleger steigt die Kaufkraft von ETFs und herkömmlichen Fonds, die Fondsmanager können daher große Menge vieler verschiedener Wertpapiere kaufen. Sie erreichen so eine höhere Diversifikation, als es Anlegern durch den Kauf einzelner Aktien oder Anleihen möglich wäre. Mit ETFs können Anleger außerdem genau wie mit herkömmlichen Fonds ein diversifiziertes Exposure auf viele verschiedene Marktsegmente herstellen.

Regulierung

Die große Mehrheit der in Europa domizilierten ETFs sind rein strukturell und aufsichtsrechtlich betrachtet eingetragene Investmentgesellschaften gemäß der Richtlinie betreffend Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW).1 Sie unterliegen damit denselben Vorschriften wie herkömmliche OGAW-Fonds mit Domizil innerhalb der Europäischen Union.

1 Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 (2009/65/EG) zur Koordinierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften betreffend bestimmte Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW) in ihrer jeweils geltenden Fassung.

Transparenz

Im Vergleich zu aktiven Fonds sind Index-ETFs und Indexfonds äußerst transparent. Anleger kennen im Allgemeinen die einzelnen Positionen des Portfolios und deren Gewichtung – schließlich werden beide vom Index vorgegeben. Dies gilt besonders dann, wenn der Fonds den Index per vollständiger Replikation abbildet.

Unterschiede

Flexibler Handel

Kauf- und Verkaufsaufträge für ETF-Anteile werden entweder während des Handelstages und zum jeweils aktuellen (und laufend schwankenden) Kurs oder zum Nettoinventarwert (NAV) abgewickelt. Anteile an herkömmlichen Fonds können ausschließlich zum NAV gekauft oder zurückgegeben werden. Der NAV wird einmal pro Tag, in der Regel zum Schlusskurs in dem jeweiligen Markt festgestellt.

Kosten

Sowohl ETFs als auch herkömmliche Fonds erheben Gebühren, die als Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) oder als laufende Kosten (Ongoing Charges Figure, OCF) bezeichnet werden. Aus diesen Gebühren decken die Fondsmanager die laufenden Kosten. Da ETFs jedoch an der Börse gehandelt werden, müssen Anleger zusätzliche Gebühren zahlen, die bei herkömmlichen Fonds nicht anfallen, darunter Maklergebühren und Geld-Brief-Spannen.

ETFs und herkömmliche Fonds: Ein Vergleich

ETFs und herkömmliche Fonds: Ein Vergleich
ETFsHerkömmliche Fonds
HandelAnteile können an der Börse oder außerbörslich über einen Makler, eine entsprechende Handelsplattform oder einen Market Maker gehandelt werdenAnteile können direkt bei der Fondsgesellschaft gekauft oder an diese zurückgegeben werden
PreisfeststellungDer Preis der Anteile wird während eines Handelstages kontinuierlich vom Markt festgelegt, der Nettoinventarwert (NAV) wird anhand der Schlusskurse festgestelltDer Nettoinventarwert (NAV) wird ein Mal pro Handelstag anhand offizieller Schlusskurse festgestellt
MindesthandelsvolumenDer Preis der Anteile wird während eines Handelstages kontinuierlich vom Markt festgelegt, der Nettoinventarwert (NAV) wird anhand der Schlusskurse festgestelltDer Nettoinventarwert (NAV) wird ein Mal pro Handelstag anhand offizieller Schlusskurse festgestellt
TransaktionskostenMaklergebühren und Geld-Brief-Spannen bei jedem direkten Kauf und VerkaufAusgabeaufschlag (bei den meisten Fonds), Zeichnungs-/Rücknahmegebühren oder Swing Pricing

Was können ETFs?

ETFs eignen sich zur Umsetzung zahlreicher kurz- und langfristiger Anlagestrategien.

ETFs lassen sich einerseits strategisch einsetzen, etwa zur Asset Allokation, oder aber als taktisches Instrument. Ob sich ETFs für eine bestimmte Strategie eignen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter dem Anlagevermögen, dem Anlagehorizont, den Handelskosten, der Risikotoleranz des Anlegers usw.

ETFs werden unter anderem gerne für folgende Aufgaben verwendet:

Kernallokation
Mit ETFs lässt sich das Anlagevermögen schnell, präzise und kosteneffizient auf zahlreiche Asset- und Sub-Assetklassen verteilen.

Portfolio-Ergänzung
Zu Feinabstimmung der Diversifikation ihres Portfolios und zur Reduzierung von Benchmark-Risiken können Anleger mit ETFs ein „reines“ Exposure auf bestimmte Marktsegmente herstellen, etwa auf bestimmte Faktoren oder Anlagestile.

Aktiv/Passiv-Kombinationen
Durch die Kombination von Index-ETFs und kosteneffizienter, aktiv gemanagter Fonds können Anleger ihr Portfolio diversifizieren und gleichzeitig die Chance auf Mehrrenditen wahren.

Liquiditätsmanagement
Temporäre Investments, während der Anleger seine langfristige Anlagestrategie neu abstimmt.

Transition Management
Schnelles Exposure zur Überbrückung während der Suche nach einem neuen Investment Manager.

Rebalancing (Regelmäßige Anpassungen)
Steuerung von Portfoliorisiken und Beta-Ausrichtungen zwischen zwei Umschichtungszyklen.

Taktische Anpassungen
Über- und Untergewichtung bestimmter Assetklassen, Regionen oder Länder.

Overlay-Management (Liquiditätsreserve)
Mit ETFs können Anleger ihre strategische Asset Allokation „spiegeln“, die Instrumente sind jedoch liquider.

Was kosten ETFs?

Sowohl ETFs als auch herkömmliche Fonds erheben Gebühren, aus denen die Fondsmanager die laufenden Kosten decken.

Daneben fallen bei ETFs aber noch weitere Kosten an, die bei anderen Fonds nicht entstehen.

Laufende Kosten

ETFs berechnen bestimmte Gebühren, um die laufenden Kosten zu decken, etwa für Beratungsleistungen, Verwaltung und Dokumentationspflichten. Diese Gebühren werden als prozentualer Anteil des Fondsvermögens auswiesen und werden meistens als Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) oder laufende Kosten (Ongoing Charges Figure, OCF) bezeichnet.

Die laufenden Kosten sind bei ETFs häufig niedriger als bei herkömmlichen Fonds, die häufig aktiv verwaltet werden, was in den meisten Fällen zu höheren TER/OCF führt. Die große Mehrheit der ETFs sind hingegen Indexfonds, die durchschnittlichen Kosten fallen daher entsprechend niedriger aus.

Geld-Brief-Spanne

Im ETF-Handel an der Börse unterscheidet man zwischen zwei Preisen, dem Geldkurs und dem Briefkurs. Der Geldkurs gibt an, zu welchem Preis ein Händler ETF-Anteile annimmt, der etwas höhere Briefkurs ist der Preis, zu dem er ETF-Anteile verkauft. Anleger bezahlen für ETF-Anteile daher in der Regel etwas mehr als den Marktpreis und erhalten beim Verkauf etwas weniger zurück.

Je liquider der ETF oder die Wertpapiere, in die der Fonds investiert, desto niedriger ist auch die Geld-Brief-Spanne.

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