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Börsengehandelte Produkte im Überblick

ETFs gehören zu den börsengehandelten Produkten, die auch als Exchange Traded Products (ETPs) bekannt sind.

Es gibt viele verschiedene ETPs, die jedoch alle an der Börse gehandelt werden und in Aktien, Anleihen oder andere Vermögenswerte wir Rohstoffe investieren.

Der größte Teil der börsengehandelten Produkte sind ETFs, von denen die meisten die Abbildung eines herkömmlichen, nach Marktkapitalisierung gewichteten Index wie dem S&P 500 oder dem Euro Stoxx 50 anstreben. In den letzten Jahren sind jedoch auch immer mehr aktive ETFs dazugekommen, darunter regelbasierte, alternativ gewichtete ETFs (oftmals als Smart Beta oder Strategic Beta bezeichnet), die einen nicht-kapitalgewichteten Index abbilden sollen. Die meisten dieser Strategien streben Mehrrenditen gegenüber dem Markt an oder sollen Risiken reduzieren.

Per 31. Dezember 2018 waren an europäischen Börsen über 2.300 ETPs notiert, davon mehr als 1.700 ETFs1.

1 Quelle: ETFGI.

Wie funktionieren Index-ETFs?

In Europa werden mehr als 1.700 ETFs gehandelt1, der größte Teil des Anlagevermögens fließt jedoch in herkömmliche, indexbasierte ETFs.

Indexierung ist eine passive Anlagestrategie, die die Rendite eines bestimmten Index so genau wie möglich abbilden soll. Dazu kaufen die Fonds entweder sämtliche im Index enthaltenen Wertpapiere oder eine repräsentative Teilmenge der Indexkomponenten.

Die meisten ETFs streben die Abbildung kapitalgewichteter Indizes an. In dieser Kategorie sind mittlerweile Fonds für zahlreiche Anlagestile und Assetklassen erhältlich, etwa für regionale und internationale Aktien- und Rentenmärkte. Manche Fonds verteilen das Anlagevermögen auf möglichst viele Märkte, andere investieren nur in bestimmte Branchen.

Einige ETFs investieren in Wachstums- oder Value-Aktien, andere bilden bestimmte Kapitalisierungssegmente ab. Internationale ETFs investieren global, mit ihnen können Anleger entweder in einzelne Länder oder Regionen investieren. Anleihen-ETFs können sich auf eine bestimmte Duration, Bonität und Laufzeit spezialisieren.

Marktkapitalisierung: Die „ursprüngliche“ Gewichtungsmethode

Ein Index besteht aus mehreren Wertpapieren, die die Risiko- und Renditeeigenschaften eines bestimmten Marktes oder Marktsegmentes möglichst objektiv abbilden sollen. Vanguard spricht sich für die Verwendung von Indizes aus, die entsprechend der Marktkapitalisierung ihrer Basiswerte gewichtet sein.

Die meisten Indizes werden nach Marktkapitalisierung gewichtet. An diesen Indizes lässt sich zu jedem beliebigen Zeitpunkt ablesen, wie der Markt als Ganzes jedes einzelne Unternehmen bewertet. In einem offenen Markt werden neue Informationen sofort eingepreist, seien sie wirtschaftlicher oder finanzieller Art oder aber unternehmensspezifisch. Sie beeinflussen so den Preis einzelner Wertpapiere und damit auch die Marktkapitalisierung, die sich dann im Index widerspiegelt.

1 Quelle: ETFGI, per 31. Dezember 2018.

Wie bilden Index-ETFs ihre Benchmarks ab?

Index-ETFs sollen ihre Benchmark möglichst genau abbilden. Sie erreichen dies durch drei verschiedene Replikationsmethoden.

Vollständige Replikation

Die meisten Indexportfolios werden durch vollständige Replikation erstellt. Dazu kaufen die Fonds alle im Index enthaltenen Wertpapiere ihrer Gewichtung entsprechend. Durch vollständige Replikation können die Fonds den Zielindex und die wichtigsten Indexmerkmale sehr genau abbilden. Diese Methode wird oft bei Indizes mit wenigen beziehungsweise liquiden Komponenten verwendet, dazu gehören zum Beispiel der S&P 500, der Euro STOXX 50 oder auch bestimmte Indizes für Staatsanleihen.

Sampling-Methode

Beim Sampling investiert der ETF in eine repräsentative Auswahl der Indexkomponenten. Diese Methode eignet sich für Indizes, die sich aufgrund der großen Anzahl an Indexkomponenten nur schwer oder zu hohen Kosten abbilden lassen. Durch Sampling sollen die wichtigsten Merkmale des Index und seine Rendite möglichst genau wiedergegeben werden.

Sampling:

  • Teilt Wertpapiere nach verschiedenen Eigenschaften in Teilmengen auf.
  • Lässt den Portfolio Manager ein Wertpapier aus dieser kleineren Gruppe und entsprechend der Indexgewichtung auswählen.
  • Kann zu höheren Abweichungen bei der Abbildung des Index führen.

Die meisten Anleihen-ETFs replizieren ihre Benchmarks mithilfe der Sampling-Methode. Eine vollständige Replikation bietet sich bei diesen Indizes häufig aufgrund der hohen Anzahl an Emissionen und der geringeren Liquidität einzelner Anleihen nicht an.

Optimierung

Wo Sampling auf die Merkmale bestimmter Sektoren und Wertpapiere setzt, kommt bei der Indexabbildung durch Optimierung ein quantitatives Multi-Faktor-Modell zum Einsatz.

Optimierung:

  • Ermittelt die optimale Portfoliozusammensetzung anhand eines Computer-Modells auf Grundlage historischer Preisänderungen und Korrelationen bestimmter Wertpapiere innerhalb des Index.

  • Nutzt historische Daten und Faktoren, die sich mit der Zeit ändern und so den Tracking Error erhöhen können; allerdings ist diese Methode in der Regel kosteneffizienter.

Optimierung ist die häufigste Replikationsmethode von ETFs, die Indizes mit zahlreichen Komponenten abbilden, etwa den FTSE All-World Index.

Welche Faktoren beeinflussen die Indexabbildung?

Die Tracking Difference (auch als Mehrrendite oder Excess Return bekannt) und der Tracking Error (Abbildungsfehler) sind wichtige Kennzahlen zur Bewertung von ETFs im Allgemeinen und von herkömmlichen, indexbasierten ETFs im Besonderen.

Wer diese Konzepte versteht, kann bessere Anlageentscheidungen treffen.

Tracking Difference für Index-ETFs

Die Tracking Difference vergleicht über einen bestimmten Zeitraum die Wertentwicklung eines ETF mit der seiner Benchmark. Die Berechnung ist relativ einfach: Man zieht die Rendite des Index von der Rendite des ETF ab.

Die Tracking Difference kann positiv oder negativ sein und gibt an, wie weit ein ETF seinen Index übertroffen hat oder hinter diesem zurückgeblieben ist.

Tracking Error

Unterschiedliche ETF-Anbieter definieren den Tracking Error verschieden. Laut offizieller Definition ist der Tracking Error die annualisierte Standardabweichung der Tracking Difference. Mit anderen Worten: Die Tracking Difference gibt an, wie stark die Rendite eines ETF von der seiner Benchmark über einen bestimmten Zeitraum abweicht, der Tracking Error misst die langfristigen Schwankungen dieser Abweichung.

Ein Tracking Error von 50 Basispunkten lässt etwa darauf schließen, dass die voraussichtliche Tracking Difference eines ETF über zwei Drittel des gemessenen Zeitraums nicht mehr als 50 Basispunkte von der durchschnittlichen Tracking Difference abweicht. Je geringer der Tracking Error, desto weniger schwankt die Tracking Difference.

Wer langfristig eine möglichst hohe Gesamtrendite anstrebt, sollte mehr auf die Tracking Difference als auf den Tracking Error achten. Kommt es hingegen kurzfristig auf beständige Performance bei möglichst geringer Volatilität an, dann ist der Tracking Error wichtiger.

In dem nachstehenden hypothetischen Beispiel sind zwei Fonds abgebildet. Für Anleger mit langfristigen Renditezielen ist Fonds A trotz des höheren Tracking Errors besser geeignet; Fonds B ist trotz der insgesamt geringeren Rendite (also höherem negativem Tracking Error) die bessere Wahl für Anleger, die einen Index möglichst präzise abbilden wollen.

In der Praxis lässt sich nicht immer ein so eindeutiges Kosten-Nutzen-Verhältnis zwischen Tracking Difference und Tracking Error feststellen. Anleger sollten bei der Auswahl daher auch andere Faktoren wie Asset Allokation, Replikationsmethode und Kosten berücksichtigen.

Ursachen für Tracking Error und Tracking Difference

Im Idealfall würden ETFs ihre Benchmarks exakt abbilden, eine Tracking Difference gäbe es dann ebenso wenig wie einen Tracking Error. Tatsächlich machen jedoch mehrere Faktoren diesen Idealfall unmöglich.

Gebühren

Die Tracking Difference von ETFs ist meistens negativ. Der wichtigste Grund dafür sind Gebühren, die die Rendite des Fonds mindern. Anleger sollten sich mit allen Gebühren eines Fonds vertraut machen – einschließlich der Handelskosten, die nicht in den laufenden Kosten bzw. in der Gesamtkostenquote (Ongoing Charges Figure, OCF/Total Expense Ratio, TER) enthalten sind. Die Swap-Gebühren synthetischen ETFs fließen ebenfalls nicht in die OCF/TER ein. Diese Gebühren können schwanken und sich erheblich auf den Tracking Error und die Tracking Difference auswirken.

Managementerfahrung

Ein guter Fondsmanager weiß, wann sich eine vollständige Replikation lohnt und wann Sampling oder Optimierung besser geeignet sind. Auch der Umgang mit Veränderungen im Index, einer Index-Rekonstitution, Cashflows usw. setzt Erfahrung voraus.

Replikationsmethode

Die Replikationsmethode kann sich erheblich auf den Tracking Error und die Tracking Difference auswirken. Bei vollständiger Replikation sinkt in der Regel der Tracking Error im Vergleich zu ETFs, die ihren Index per Optimierung oder Sampling abbilden.

Steuern

Je nach Fondsdomizil des ETF können sowohl auf die Dividenden der Basiswerte als auch die Ausschüttungen des ETF selbst Quellensteuern anfallen. Anleger sollten diese Steuern berücksichtigen, wenn sie ETFs analysieren und miteinander vergleichen. Quellensteuern auf Dividenden der Basiswerte mindern den Nettoinventarwert (NAV) des ETF und wirken sich auch direkt auf seine Wertentwicklung und Tracking Difference aus.

Welche Vorteile bieten Indexstrategien?

Traditionelle Indexanlagen, also kapitalgewichtete ETFs oder herkömmliche Fonds, können sich für Anleger aus mehreren Gründen lohnen.

Kosteneffizienz

Indexfonds sind meistens günstiger als aktiv verwaltete Fonds – ein klarer Vorteil, für den es vor allem zwei Ursachen gibt:

  • Niedrigere Verwaltungskosten. Indexfonds sind schlichtweg günstiger zu verwalten als aktive Fonds, denn sie beschäftigen keine hochbezahlten Teams von Spezialisten, die die Wertpapiere analysieren und auswählen.
  • Niedrigere Transaktionskosten. Indexfonds kaufen Wertpapiere – und halten sie. Daher handeln sie in der Regel weniger als aktive Fondsmanager und zahlen somit auch weniger Maklergebühren und andere Abgaben, die im Wertpapierhandel anfallen.

Diversifikation

Anlageerfolg beruht ganz wesentlich auf Diversifikation, die sich mit Indexstrategien sehr einfach erreichen lässt.

Attraktive langfristige Wertentwicklung

Dank ihrer Diversifikation und Kosteneffizienz können Indexfonds langfristig attraktive Renditen erzielen.

Transparenz

Die Strategie von Indexfonds ist präzise und leicht verständlich: eine möglichst genaue Indexabbildung (vor Abzug von Gebühren und Kosten). Mit Indexfonds wissen Anleger stets, was mit ihrem Geld geschieht.

Geringes Managerrisiko

Indexfonds reduzieren das Managerrisiko, also das Risiko einer schlechten Wertpapierauswahl durch den Fondsmanager, das zu Minderrenditen führen kann. Der Grund hierfür ist die Strategie der Fonds selbst: Indexfonds streben die Abbildung eines Index an und versuchen nicht, diesen zu übertreffen. Die Wertentwicklung aktiver Fonds ist dagegen schwerer vorherzusagen.

Risiken

Jede Anlage ist mit Risiken verbunden, darunter das Risiko eines Kapitalverlustes. Der Kauf von ETF-Anteilen ist mit Risiken verbunden, darunter Risiken im Zusammenhang mit Marktvolatilität und kurzfristigen Ereignissen. Diversifikation garantiert keinen Gewinn oder Schutz vor Verlusten in fallenden Märkten. Die Wertentwicklung eines Index ist keine exakte Darstellung einer bestimmten Anlage, da Anleger nicht direkt in einen Index investieren können.

Welche Strategien lassen sich mit ETFs umsetzen?

In Europa werden mehr als 1.700 verschiedene ETFs gehandelt,1 bei den meisten davon handelt es sich um herkömmliche Index-ETFs.

Index ETFs

Index-ETFs streben die möglichst genaue Nachbildung einer bestimmten Benchmark an. Bekannte Benchmarks sind zum Beispiel der FTSE 100, der Euro STOXX 50 oder der S&P 500. Aufgrund ihrer Strategie werden diese Fonds häufig auch als „passiv“ bezeichnet.

Index-ETFs sind für immer mehr Anlagestile und Assetklassen erhältlich; unter anderem für regionale und globale Aktien- und Rentenmärkte. Einige dieser Fonds investieren in möglichst viele Märkte, andere konzentrieren sich auf bestimmte Sektoren.

Andere ETFs investieren in Wachstums- oder Value-Aktien oder bestimmte Kapitalisierungssegmente. Wieder andere unterscheiden zwischen verschiedenen Regionen und investieren global oder in einzelne Länder oder Wirtschaftsräume. Bestimmte Anleihen-ETFs unterteilen den Markt nach Duration, Kreditqualität oder Laufzeit.

1 Quelle: ETFGI, per 31. Dezember 2018.

Andere ETF-Formate

Mit dem wachsenden Interesse an ETFs hat auch die Zahl neuer Produkte zugenommen. Seit Kurzem können Anleger daher auch in ETFs investieren, die über herkömmliche Indexstrategien hinausgehen.

Aktive ETFs

Aktive ETFs versuchen nicht, einen bestimmten Index möglichst genau abzubilden. Vielmehr verwaltet der Fondsmanager das Anlagevermögen aktiv, um so ein bestimmtes Anlageziel zu erreichen. Nur ein geringer Teil der heute gehandelten ETFs wird aktiv verwaltet, doch ihre Bedeutung nimmt zu.

Rohstoff- und Währungs-ETFs

Manche ETFs investieren auch in Rohstoffe und Währungen. Dazu kaufen sie diese Vermögenswerte entweder direkt („physisch“) oder erreichen ein äquivalentes Exposure durch den Kauf von Futures (also über Derivate). Mit diesen Fonds können Anleger in alternative Vermögenswerte wie Agrarprodukte, Edelmetalle, Energie oder Währungen investieren.

Inverse ETFs und Leveraged ETFs

Sogenannte Inverse ETFs und Leveraged ETFs gehören zu den synthetischen ETF-Produkten. Inverse ETFs streben die genau entgegengesetzte (also inverse) Rendite einer bestimmten Benchmark an: Bei einem Kursrückgang im Index erhalten Anleger eine positive Rendite, steigt der Index hingegen, fallen im ETF Verluste an.

Leveraged ETFs sollen die Rendite ihres Index per Hebelwirkung vervielfachen. Mit einigen dieser ETFs können Anleger die Tagesrendite eines bestimmten Index verdoppeln oder verdreifachen – Gewinne genauso wie Verluste.

Was Anleger beachten sollten: Die meisten dieser ETFs sind darauf ausgerichtet, ihre Ziele auf Tagesbasis zu erreichen. Bei einer Haltedauer von mehr als einem Tag können die Ergebnisse von den Anlagezielen des Fonds (inverse Indexrendite, ein bestimmtes Vielfaches der Indexrendite) abweichen. Derartige ETFs eignen sich im Allgemeinen nur für sehr wenige, genau definierte Ziele wie kurzfristiges Markt-Timing oder zur Absicherung. Für langfristige Anleger sind sie hingegen ungeeignet.

Replikationsmethode

ETFs können ihren Index entweder physisch oder synthetisch abbilden. Ausschlaggebend dafür sind die Basiswerte des Fonds.

Die häufigste Methode ist die physische Replikation, bei der die Fonds tatsächlich in die Wertpapiere investieren, aus denen ihr Basisportfolio besteht. Physische Replikation kommt in sämtlichen Vanguard ETFs zum Einsatz. Synthetische ETFs setzen ihre Anlagestrategie hingegen über Derivate und insbesondere über Swaps um.

Swaps sind eine Art Vertrag zwischen dem ETF und einer Gegenpartei (in der Regel eine Bank). Die Gegenpartei verpflichtet sich dabei, dem ETF die Rendite seines Index auszuzahlen. So können synthetische ETFs einen Index abbilden, ohne ein einziges der im Index enthaltenen Wertpapiere zu kaufen.

Synthetische ETFs sind in vielen Märkten erhältlich, finden jedoch besonders in Europa Anklang, wo sie 2001 eingeführt wurden. Allerdings setzen Anleger mittlerweile zunehmend auf physische ETFs.

So funktionieren physische und synthetische ETFs

Physische ETF

Synthetische ETF

Physische und synthetische ETFs: Ein Vergleich

Physische ETFsSynthetische ETFs
BasiswertePhysische Wertpapiere des IndexDerivate/Swaps und Sicherheiten (in den meisten Fällen handelt es sich dabei nicht um die Indexkomponenten) Sicherheiten und/oder Swaps
TransparenzJaEingeschränkt (z.B. Swap-Gebühren, Sicherheiten)
KontrahentenrisikoBeschränkt (Wertpapierleihe), stets voll besichertJa (Derivate/Swaps), oft besichert
KostenKostenquote, Kosten der NeuausrichtungKostenquote plus Swap-Gebühr

Quelle: Vanguard

Kontrahentenrisiko

Zu den größten Risiken synthetischer ETFs gehört das Kontrahentenrisiko (auch Gegenparteirisiko genannt). Die Käufer synthetischer ETFs vertrauen darauf, dass die Gegenpartei in dem Total Return Swap ihrer Verpflichtung nachkommt und die vereinbarte Indexrendite auszahlt. Geschieht dies nicht, besteht Verlustrisiko. Dieses Risiko soll vor allem durch die Hinterlegung von Sicherheiten begrenzt werden.

Durch Wertpapierleihgeschäfte besteht auch bei physischen ETFs ein gewisses Verlustrisiko. Zum Schutz der Anleger sind diese Transaktionen jedoch immer voll besichert.

Warum sind Kosten so wichtig?

Anlagekosten haben erheblichen Einfluss auf die langfristige Wertentwicklung.

Das Nullsummenspiel erklärt die Bedeutung der Kosten. Dieser Theorie nach bilden die Positionen sämtlicher Anleger in einem bestimmten Markt zusammengenommen eben diesen Markt. Die durchschnittliche Rendite aller Positionen entspricht damit der durchschnittlichen Rendite des Marktes. Rein mathematisch muss also die Hälfte dieser Positionen weniger als diese Durchschnittsrendite erzielen, die andere Hälfte hingegen mehr. Nach Abzug der Kosten wird es für Anleger jedoch immer schwieriger, eine Mehrrendite zu erreichen. Die nachstehende Abbildung verdeutlicht das Dilemma.

Quelle: Vanguard

Das Nullsummenspiel erklärt theoretisch, warum Kosten ein wichtiger Renditefaktor sind und daher möglichst gering sein sollten. Dieser Grundsatz gilt für aktive und passive Fonds gleichermaßen.

Die Idee hinter diesem Gedankenspiel ist jedoch mehr als reine Theorie. Studien (unter anderem von Vanguard) belegen, dass die Kosten von allen relevanten Faktoren den größten Einfluss auf die Anlageergebnisse haben1.

1 Vanguard, 2017. Die Vanguard Prinzipien für erfolgreiche Vermögensanlage. Valley Forge, Pa.: The Vanguard Group.

Was sind aktive ETFs und wie funktionieren sie?

Aktive ETFs sind unter den börsengehandelten Produkten eine relativ neue Erscheinung.

Anleger können mit aktiven ETFs unter Umständen eine Mehrrendite gegenüber dem Markt erzielen, müssen dafür jedoch auch Nachteile in Kauf nehmen: höhere Kosten, ein höherer Tracking Error und das Risiko einer Minderrendite.

Aktive ETFs sind offene Fonds und werden wie andere ETPs an der Börse gehandelt. Die laufenden Kosten sind in der Regel niedriger als bei herkömmlichen, aktiv verwalteten Fonds, jedoch höher als die Kosten von Indexfonds und Index-ETFs.

Aktive ETF-Strategien

Alternative Index-ETFs

Diese Produkte, im Allgemeinen als Smart Beta oder Strategic Beta ETFs bezeichnet, streben die Abbildung von Indizes mit alternativer, regelbasierter Gewichtung an, um so kapitalgewichtete Indizes zu übertreffen. Die Wertentwicklung dieser ETFs lässt sich häufig auf Faktor-Gewichtungen wie Value- oder Small Cap-Aktien zurückführen, die von der Gewichtung nach Marktkapitalisierung abweichen (siehe Kasten unten).

Bei alternativ gewichteten Indexprodukten verschwimmt die Grenze zwischen aktivem und passivem Fondsmanagement. Sie sind indexbasiert, die Benchmarks werden jedoch nach aktiven Kriterien erstellt und weichen bewusst von der Gewichtung nach Marktkapitalisierung ab.

Aktive Faktor-ETFs

Aktive Faktor-ETFs streben die Abbildung eines bestimmten Faktors oder einer Kombination verschiedener Faktoren an. So wollen die Fondsmanager entweder die Rendite steigern oder die Volatilität reduzieren (siehe Kasten unten).

Aktive Faktor-ETFs bilden keine Benchmark ab. Da sie nicht an die regelmäßigen Anpassungen eines Index gebunden sind, kann der Fondsmanager Positionen flexibler ausbauen oder reduzieren, um so das angestrebte Faktor-Exposure zu erhalten. Zur Wertpapierauswahl nutzen die Manager häufig einen quantitativen, regelbasierten Prozess.

ETF-Strategien im Vergleich

ETFs unterscheiden sich deutlich in der Verwaltung ihrer Portfolios

BasiswerteNach Marktkapitalisierung gewichtetRegelbasiertes ManagementAktives ManagementAktive Risiken
Herkömmliche Index-ETFs
Alternative Index-ETFs (z.B. „Smart Beta“)
Aktive Faktor-ETFs

Was sind Faktoren?

  • Faktoren sind so etwas wie die DNA eines Wertpapiers. Die Wertentwicklung einer Anlage geht auf bestimmte Faktoren zurück und lässt sich durch diese erklären. Faktor-Strategien streben ein Exposure auf diese Merkmale an, um dadurch entsprechende Faktor-Prämien abzuschöpfen. Dies können Mehrrenditen sein, manchmal wollen Anleger mit Faktor-Strategien aber auch die Volatilität reduzieren.

  • Der bekannteste Faktor ist wohl der sogenannte Marktfaktor (auch bekannt als Aktienrisiko), welcher die Risiken und Renditen eines nach Marktkapitalisierung gewichteten Aktienportfolios bestimmt. In der Vergangenheit konnten Portfolios mit Marktfaktor-Exposures gegenüber „risikolosen“ Anlagen wie Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit Mehrrenditen erzielen. Diese Renditeprämie gleicht das mit Aktienanlagen verbundene Risiko aus. Andere bekannte Aktien-Faktoren sind Value, Size und Momentum.

  • Viele Anleger haben in ihren Portfolios bewusst oder unbewusst bestimmte Faktoren über- oder untergewichtet. Die Risiken und Renditen verschiedener Anlagen gehen zum großen Teil auf diese Gewichtungen zurück. Dies gilt unter anderem für Smart Beta- bzw. Strategic Beta-ETFs, aktive Faktor-ETFs und natürlich auch für herkömmliche aktive Fonds.

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