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Ein Kommentar von Roxane Spitznagel

Am 26. September wählt Deutschland eine neue Regierung, die Ära Merkel geht zu Ende. Angela Merkel war die erste Bundeskanzlerin Deutschlands und ist seit 16 Jahren an der Macht. Einige Deutsche, die jetzt zum ersten Mal ihre Stimme abgeben, waren bei Merkels Amtsantritt zwei Jahre alt.

Der Wahlausgang ist nach wie vor offen, die Umfragen schwanken seit Monaten stark. Zu Beginn des Jahres sah es noch so aus, als würde Merkels CDU auch in diesem Jahr stärkste Partei werden. Im Frühjahr führten dann die Grünen eine Weile die Umfragen an, doch in den letzten Wochen ist die SPD, derzeitiger Juniorpartner in Merkels Regierungskoalition, mit rund 25% überraschend vorbeigezogen – und hat damit die Karten für mögliche Koalitionen neu gemischt (Abbildung 1).

Der deutsche Wahlkampf war ein ständiges Auf und Ab

Quelle: Macrobond, Stand: 14. September 2021.

Denkbare Koalitionen gibt es derzeit viele, und jede hätte andere Auswirkungen auf die Wirtschaft. Die größte Abkehr vom Status quo ginge wohl von einer rot-rot-grünen Koalition aus Linke, SPD, und Grünen aus (Abbildung 2). „Rot-Rot-Grün“ würde wohl vor allem die Schuldenbremse lockern, eine Grundgesetzänderung aus dem Jahr 2009, die einen ausgeglichenen Haushalt vorschreibt. Wahrscheinlich wären außerdem höhere Steuern für hohe Einkommen und große Vermögen sowie eine stärkere Betonung der Umweltpolitik. Voraussichtlich weniger einschneidend wären die Folgen einer Deutschland-Koalition aus SPD, CDU und FDP oder auch eine Kenia-Koalition aus SPD, Grünen und CDU – vor allem, weil die CDU dann immer noch mitregieren würde. Allerdings würde eine Regierungsbeteiligung der Grünen wahrscheinlich eine erweiterte umweltpolitische Agenda und eine Vertiefung der europäischen Integration nach sich ziehen.

Koalitionen ohne CDU-Beteiligung, z. B. eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP, würden die Haushaltsausgaben wahrscheinlich deutlicher erhöhen als z. B. eine Jamaika-Koalition, schließlich hätte die wirtschaftsliberale Politik der FDP in einer Linkskoalition weniger Gewicht.

Die größte Abkehr vom Status quo ginge wohl von einer rot-rot-grünen Koalition aus

Quelle: Vanguard; Stand: 14. September.

Denkbare Koalitionen gibt es also viele, und jede würde sich anders auf Wirtschaft und Märkte auswirken. Was bedeutet das für Anleger? Vor allem sollten sie drei wichtige Prinzipien beachten:

1) Politische Ereignisse und ihre Folgen für die Märkte lassen sich kaum vorhersehen

Die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt: Trotz aller Bemühungen von Meinungsforschungsinstituten und anderen lassen sich Wahlergebnisse nur schwer vorhersagen. In den vergangenen Jahren überraschten vor allem der per Referendum beschlossene EU-Austritt Großbritanniens sowie die US-Präsidentschaftswahlen.

Doch selbst wenn man den Ausgang einer Wahl erfolgreich vorhersagen sollte, bleibt die Reaktion der Märkte oft unberechenbar. Nach dem Brexit-Votum und den US-Wahlen im Jahr 2016 zum Beispiel fürchteten die meisten Beobachter steigende Risikoaversion. Unmittelbar nach der Wahl zogen die Kurse an den britischen Aktienmärkten jedoch deutlich an und auch die US-Börsen reagierten mit steigenden Kursen, während die Renditen auf US-Staatsanleihen fielen.

2)  Disziplin und langfristige Ziele führen meist zu besseren Ergebnissen

Gerade weil Wahlen unberechenbar sind, sollten Anleger der Versuchung des Markt-Timing widerstehen. Analysen von Vanguard belegen1, dass Geduld sich eher auszahlt als Timing-Versuche, dass Disziplin und ein langfristiger Anlagehorizont meist zu besseren Ergebnissen führen als die Jagd nach schnellen Renditen.

3) Diversifizierung zahlt sich aus

Ein nach Assetklassen und Ländern sorgfältig diversifiziertes Portfolio, das auf die eigenen Ziele und die eigene Risikotoleranz abgestimmt ist, macht sich langfristig bezahlt, denn mit einem global diversifizierten Portfolio können Anleger Verluste in einzelnen Märkten oder Marktsegmenten besser abfedern.

1 Renzi-Ricci. G und Lucas Baynes, „The impact of being out of the market“, Vanguard Research, Juli 2018.

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken

Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

Wichtige allgemeine Hinweise

Nur für professionelle Anleger (nach den Kriterien der MiFID II-Richtlinie), die auf eigene Rechnung investieren (einschließlich Verwaltungsgesellschaften (Dachfonds) undprofessionelle Kunden, die im Namen ihrer diskretionären Kunden investieren). In der Schweiz nur für professionelle Anleger. Nicht für die öffentliche Verbreitung bestimmt.

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