• Nach einem sehr schwierigen dritten Quartal haben sich die Anleihemärkte im Oktober etwas stabilisiert.
  • Die US-Zinsstrukturkurve ist weiter abgeflacht.
  • Die Risikoaufschläge für Investment Grade-Unternehmensanleihen haben sich im Oktober wenig bewegt.

 

Ein Kommentar von Kunal Mehta, Head of Fixed Income Specialist Team

Nach einem sehr schwierigen dritten Quartal haben sich die Anleihemärkte im Oktober etwas stabilisiert. Zu der Erholung trugen neben sinkenden Energiepreisen auch Spekulationen bei, die US Federal Reserve könnte die Zinsen weniger deutlich anheben als zunächst erwartet. In Großbritannien wurde Rishi Sunak nach dem Platzen des Mini-Budgets und dem anschließenden dramatischen Ausverkauf britischer Staatsanleihen zum Premierminister ernannt, was zur Beruhigung der Märkte beitrug.

Marktbericht Oktober

Globale Staatsanleihen Unternehmensanleihen EM-Anleihen
  Vereinigtes Königreich Europa USA High-Yield  
Bloomberg Global Aggregate Treasuries (USD Hedged) Bloomberg Global Aggregate GBP Corporate (USD Hedged) Bloomberg Global Aggregate EUR Corporate (USD Hedged) Bloomberg Global Aggregate USD Corporate (USD Hedged) Bloomberg Global High Yield (USD Hedged) JP Morgan Emerging Markets Bond Index EMBI Global Diversified (USD Hedged)
-0,12% 4,55% 0,32% -1,15% 1,98% 0,15%

Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Erträge. Die Wertentwicklung eines Index ist keine exakte Darstellung einer bestimmten Anlage, da Anleger:innen nicht direkt in einen Index investieren können.
Quelle: Bloomberg, 30. September 2022 bis 31. Oktober 2022. Als Näherungswert für den jeweiligen Markt werden Indizes von Bloomberg verwendet.

Staatsanleihen

Die US-Zinsstrukturkurve ist im Oktober vor allem wegen steigender Renditen am kurzen Ende weiter abgeflacht1. Britische Staatsanleihen konnten sich derweil von dem deutlichen Renditeanstieg des Vormonats erholen, die meisten Laufzeiten notierten zum Monatsende niedriger. Deutsche Bundesanleihen beendeten den Oktober weitgehend unverändert.

Unternehmensanleihen

Die Risikoaufschläge für Investment Grade-Unternehmensanleihen bewegten sich im Oktober wenig, allerdings war die Entwicklung entlang der Zinsstrukturkurve uneinheitlich: Am kurzen Ende stiegen die Spreads, am langen Ende fielen sie dagegen. Die Risikoaufschläge für High-Yield-Unternehmens- und -Schwellenländeranleihen gingen im Oktober um rund 58 bzw. 35 Basispunkte (BP) zurück.

Die Erwartungen an die Konzernergebnisse waren bereits vor Beginn der Berichtssaison niedrig: Die Konsensschätzungen für die Gewinne der S&P 500-Unternehmen im dritten Quartal gingen im Durchschnitt um 3,5% zurück2, die bisherigen Ergebnisse haben die schwachen Erwartungen bisher weitestgehend bestätigt. Bis Ende Oktober hatte etwa die Hälfte der Unternehmen ihre Zahlen vorgelegt, und obwohl 70% die Prognosen übertreffen konnten, ging das Gewinnwachstum im Vergleich zum Vorjahr um 4% zurück.3

Die Fundamentaldaten sind aus unserer Sicht weiterhin robust, könnten jedoch durch den Konjunkturrückgang und geopolitische Risiken unter Druck kommen. Da die Inflation zunehmend die verfügbaren Einkommen belastet und die Wirtschaft weiter an Schwung verliert, wird auch die Verbrauchernachfrage unweigerlich weiter nachlassen. Die Aussichten für das kommende Jahr sind ungewiss, die Negativrisiken für die Kreditkennzahlen überwiegen.

Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen

Quelle: Bloomberg-Indizes: Global Aggregate Credit Average OAS Index, Global Aggregate Supranational Index, US Aggregate Corporate Average OAS Index, Euro Aggregate Corporate Average OAS Index, Sterling Aggregate Corporate Average OAS Index, US Aggregate ABS Average OAS Index, US Aggregate CMBS Average OAS Index, Global High Yield Average OAS Index. J.P. Morgan EMBI Global Diversified IG Sovereign Spread Index, J.P. Morgan EMBI Global Diversified HY Sovereign Spread Index. Stand: 31. Oktober 2022.

Da die großen Zentralbanken die Zinssätze weiterhin deutlich anheben, bleibt das technische Umfeld für Investment Grade-Unternehmensanleihen schwierig. Anleger:innen verkauften auch im Oktober Anteile an entsprechenden Fonds, allerdings drehten die Kapitalflüsse gegen Ende des Monats wieder ins Plus. Das Emissionsvolumen war nach dem ungewöhnlich ruhigen September vergleichsweise robust: Die Konzessionen sind weiterhin hoch, allerdings blickten die Emittenten vor allem gegen Ende des Monats mit deutlich mehr Zuversicht auf ihre Bookbuilding-Verfahren. Wir gehen davon aus, dass das Bruttovolumen im Jahr 2022 nicht das Vorjahresniveau erreichen wird; vor allem außerhalb des Finanzsektors ist das Bruttoemissionsvolumen gegenüber 2021 um etwa ein Viertel zurückgegangen.

Schwellenländer

Schwellenländeranleihen konnten sich im Oktober erholen, nachdem der Aufwärtsdruck auf US-Treasuries nachgelassen hatte. EM-Unternehmensanleihen warfen eine Rendite von 0,2% ab, Gewinne durch sinkende Risikoaufschläge (150 Basispunkte) wurden zum Teil durch Verluste bei US-Treasuries (-130 Basispunkte) ausgeglichen. Die Risikoaufschläge gegenüber Staatsanleihen stiegen bis Monatsende um 40 Basispunkte4.

High-Yield-Anleihen aus Schwellenländern warfen 1,6% ab und entwickelten sich damit deutlich besser als Investment Grade-Anleihen (-1,2%). Einige High-Yield-Emittenten, darunter die Dominikanische Republik und Rumänien, die dem Markt bisher hinterhergelaufen waren, konnten sich im Oktober erholen und warfen hohe Renditen ab. Unternehmensanleihen aus asiatischen Schwellenländern kamen durch Verkäufe unter Druck, die nach dem chinesischen Parteitag zunahmen. Viele Anleger:innen betrachten das Ergebnis des Parteitags als negativ für die Assetklasse.

EM-Risikoaufschläge

Quellen: Bloomberg, JP Morgan und Vanguard; 29. Mai 2020 bis 31. Oktober 2022.

Das schwache technische Umfeld für EM-Unternehmensanleihen war geprägt von steigenden Emissionsvolumen bei gleichzeitigen Kapitalabflüssen. Im Laufe des Monats kamen mehrere solvente Emittenten auf den Markt, darunter die Philippinen und Saudi-Arabien. Das Bruttoemissionsvolumen lag bei insgesamt 14,9 Mrd. USD, das Nettovolumen (abzüglich auslaufender Anleihen im Wert von 3,5 Mrd. USD) bei 11,4 Mrd. USD. Nach der verhaltenen Emissionstätigkeit der letzten Monate kamen neue Anleihen zu attraktiven Konditionen auf den Markt, die sich am Sekundärmarkt gut entwickelten. EM-Kommunalanleihen konsolidierten sich im Oktober nach einer Phase steigender Zinsen. Die Rendite des JP Morgan Government Bond Index lag im Oktober unverändert bei 4,7%5.

Ausblick

Das wirtschaftliche Umfeld bleibt schwierig: Zwar dürfte ein Großteil der Inflationserwartungen inzwischen eingepreist sein, die Rezessionsrisiken sind jedoch noch nicht vollständig in die Bewertungen eingeflossen – und die Angst vor einer Rezession wächst. Dennoch sind die Aufschläge gegenüber den risikofreien Zinssätzen bisher relativ stabil geblieben, Spreads und Renditen sind aktuell attraktiv und könnten Marktschocks oder unerwartete Inflationsschübe abfedern; auch die Korrelation zu Aktien ist niedriger als noch vor einigen Monaten. Wir sehen weiterhin Potenzial in einigen Segmenten der High-Yield- und Schwellenmärkte mit attraktivem Risiko-/Renditeprofil.

Selbst nach den sinkenden Risikoaufschlägen sind wir weiterhin optimistisch für Staatsanleihen aus Schwellenländern und erwarten für das nächste Jahr positive Renditen. Die Bewertungen sind insgesamt weiterhin attraktiv, außerdem erwarten wir ein günstiges technisches Umfeld durch sinkende Kapitalabflüsse und schwache Emissionsvolumen. Kurzfristig könnten solvente Emittenten aus Schwellenländern versuchen, ihren Haushaltsbedarf für 2023 vorzufinanzieren, wodurch attraktive Einstiegspunkte für einen Ausbau bestimmter Positionen entstehen könnten. Da riskantere EM-Unternehmen weiterhin keine Anleihen emittieren, rechnen wir insgesamt mit einem positiven technischen Umfeld.

 

1 Quelle: Bloomberg; Stand: 31. Oktober.

2 Quelle: Bloomberg; Stand: 31. Oktober 2022.

3 Quelle: Bloomberg; Stand: 31. Oktober 2022.

4 Quelle: JP Morgan zum 31. Oktober.

Quelle: JP Morgan zum 31. Oktober.

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken

Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

Manche Fonds investieren in Schwellenländern, die im Vergleich zu entwickelteren Märkten volatiler sein können. Infolgedessen kann der Wert Ihrer Anlagen steigen oder fallen.

Fonds, die in festverzinsliche Wertpapiere investieren, bergen das Risiko eines Zahlungsausfalls bei Rückzahlungen und einer Beeinträchtigung des Kapitalwerts Ihrer Investition. Außerdem kann das Ertragsniveau schwanken. Änderungen der Zinssätze haben wahrscheinlich Auswirkungen auf den Kapitalwert von festverzinslichen Wertpapieren. Unternehmensanleihen können höhere Erträge abwerfen, bergen aber auch ein höheres Kreditrisiko. Dadurch steigt das Risiko eines Zahlungsausfalls bei Rückzahlungen und einer Beeinträchtigung des Kapitalwerts Ihrer Investition. Das Ertragsniveau kann schwanken und Änderungen der Zinssätze haben wahrscheinlich Auswirkungen auf den Kapitalwert von Anleihen.

Wichtige allgemeine Hinweise

Nur für professionelle Anleger (nach den Kriterien der MiFID II-Richtlinie), die auf eigene Rechnung investieren (einschließlich Verwaltungsgesellschaften (Dachfonds) und professionelle Kunden, die im Namen ihrer diskretionären Kunden investieren). In der Schweiz nur für professionelle Anleger. Nicht für die öffentliche Verbreitung bestimm.

Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen sind nicht als Angebot oder Angebotsaufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren zu verstehen, wenn in einem Land ein solches Angebot oder eine solche Aufforderung rechtswidrig ist, wenn Personen betroffen sind, denen ein solches Angebot oder eine solche Aufforderung gesetzlich nicht gemacht werden darf, oder wenn derjenige, der das Angebot oder die Aufforderung macht, dafür nicht qualifiziert ist. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen stellen keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Sie dürfen sich deshalb bei Anlageentscheidungen nicht auf den Inhalt dieses Dokuments verlassen.

Die Informationen in diesem Dokument dienen lediglich zu Bildungszwecken und stellen keine Empfehlung und kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anlagen dar.

Im EWR herausgegeben von der Vanguard Group (Ireland) Limited, die in Irland von der irischen Zentralbank reguliert wird.

In der Schweiz herausgegeben von Vanguard Investments Switzerland GmbH.

Herausgegeben von Vanguard Asset Management, Limited, die in Großbritannien von der Financial Conduct Authority zugelassen ist und von ihr reguliert wird.

© 2022 Vanguard Group (Irland) Limited. Alle Rechte vorbehalten.

© 2022 Vanguard Investments Switzerland GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

© 2022 Vanguard Asset Management, Limited. Alle Rechte vorbehalten.