- Anstatt kurzfristige Marktbewegungen vorherzusagen, sollten Anlegerinnen und Anleger ihr Augenmerk auf die langfristigen Auswirkungen von Zinssenkungen auf ihre Anleiheportfolios richten.
- Zwar dürften EM-Anleihen von niedrigeren Zinsen profitieren, doch würde sie ein globaler Konjunkturabschwung schneller und härter treffen als andere Fixed-Income-Marktsegmente.
- Auch wenn die Fundamentaldaten von Unternehmen insgesamt solide bleiben, drohen Herausforderungen – insbesondere für Hochzinsemittenten, die in den kommenden Monaten höhere Zinssätze werden verkraften müssen.
1. Zinssenkungen längerfristig denken – widerstandsfähige Chancen identifizieren
Sarang: Wir setzen nicht wirklich auf kurzfristige Zinsschwankungen, ein solcher Ansatz wäre sehr schwer umzusetzen. Die Märkte haben bereits mehrere künftige Zinssenkungen eingepreist. Wir hätten uns also weitaus früher darauf positionieren müssen, was in der Praxis kaum möglich ist.
Ein globaler Fonds wie der unsere bietet längerfristige Möglichkeiten, auf sinkende Zinsen zu setzen, wie zum Beispiel Investitionen in unpopuläre Marktsegmente, die von einem niedrigen Zinsumfeld profitieren dürften. Zurzeit sind wir für qualitativ hochwertige europäische REITs1 wirklich positiv gestimmt. Diese hatten bei den Zinsanstiegen deutliche Kursverluste erlitten und werden nun auf einem attraktiven Niveau gehandelt.
Aus Sicht der Portfoliostrukturierung befinden wir uns derzeit an einem interessanten Punkt im Zinszyklus. Bis vor kurzem konnten Anlegerinnen und Anleger angemessene Erträge auf ihre Barbestände erwirtschaften und brauchten daher keine Anleihen in ihren Portfolios. Doch mit den Leitzinssenkungen ändert sich die Situation. Bei Anleihen zeigt sich der Einfluss niedrigerer Zinsen erst mit einer zeitlichen Verzögerung. So können Anlegerinnen und Anleger selbst bei fallenden Zinsen noch attraktive Erträge erzielen.
Nick: Zinssenkungen sind grundsätzlich günstig für Schwellenländeranleihen (EM-Anleihen). Wir müssen allerdings immer berücksichtigen, warum die Zinsen gesenkt werden. Werden die Leitzinsen gesenkt, weil sich die weltweite Konjunktur rapide verschlechtert, wären das sehr schlechte Nachrichten für EM-Anleihemärkte, die in diesem Szenario schnellere und drastischere Kursverluste erleiden würden als andere Fixed-Income-Segmente.
Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit bevorzugen wir etwas widerstandsfähigere EM-Anlagen wie beispielsweise Staatsanleihen mit höherer Bonität und Investment-Grade-Anleihen aus Schwellenländern. Bei Hochzinsanleihen aus Schwellenländern sehen wir beeindruckende Renditen für eine Reihe staatlicher Emittenten, die gerade eine Umstrukturierung ihrer Schulden hinter sich haben. Wurden diese Papiere vor einigen Jahren noch für wenige Prozent gehandelt, erwirtschaften sie seit der erfolgreichen Schuldenrestrukturierung deutliche Gewinne für die Anleihegläubiger.
2. Solide Fundamentaldaten – Herausforderungen im Blick behalten
Sarang: Im Großen und Ganzen sind Unternehmen in gutem Zustand. Wir achten jedoch genau auf Anzeichen für einen Abschwung.
Letztes Jahr fokussierten sich die Märkte auf das Risiko einer Rezession – zu der es aber letztlich nicht kam. Die zugrunde liegenden Bedenken wurden allerdings nicht ausgeräumt und brauchen nur etwas länger, bis sie sich entfalten.
Wir sehen durchaus einige Wolken am Horizont. Dabei sind die Refinanzierungskosten für Hochzinsemittenten besonders besorgniserregend: Zahlreiche Hochzinsanleihen, die zu deutlich niedrigeren Zinssätzen aufgenommen wurden, werden in diesem Jahr fällig. Dies könnte zu erheblich höheren Refinanzierungskosten für die Emittenten führen, was die Gewinnmargen schmälern und die Kreditratings für die gesamte Assetklasse verschlechtern könnte.
Nick: Auch die Fundamentaldaten bonitätsstarker EM-Emittenten scheinen solide zu sein, doch ist dies größtenteils bereits in den Kursen eingepreist und die Spreads sind auf historisch niedrigem Niveau.
Bei hochverzinslichen EM-Anleihen sind staatliche Emittenten aus dem „Mittelfeld“ immer noch gut aufgestellt. Viele von ihnen haben von Unterstützung durch den IWF und die Weltbank profitiert, die ihre Kreditvergabekapazität in den letzten Jahren ausgebaut haben. So verfügt Ägypten über ein robustes IWF- und Weltbank-Programm, unterstützt durch umfangreiche Finanzierungen aus den VAE.
Natürlich wird es immer ein paar Schwachstellen geben: Kenia ist beispielsweise in letzter Zeit in Schwierigkeiten geraten. Einige notleidende Emittenten stehen nach der Schuldenrestrukturierung tatsächlich recht gut da, denn im Rahmen ihrer jüngst abgeschlossenen Refinanzierungsverhandlungen erhielten sie auch weitere Unterstützung durch die Programme des IWF und der Weltbank.
Schwellenländer sind immer mit Unsicherheit behaftet. Doch Unsicherheit bietet auch Chancen, Fehlbewertungen zu identifizieren.
3. Beta bewusst einsetzen
Nick: Im Kern bedeutet unser Ansatz des „bewussten Betaeinsatzes“, dass wir Portfolioentscheidungen anhand ihrer Sensitivität gegenüber den Benchmarks treffen.
Natürlich gibt es Zyklusphasen, in denen wir unser Portfoliobeta bewusst erhöhen möchten, wichtig ist nur, dass es niemals unbeabsichtigt geschieht. Dies steht im absoluten Gegensatz zu vielen Hedgefonds, die oftmals auf das Markttiming setzen und große makroökonomische Wetten auf wichtige Wendepunkte im Wirtschafts- oder Währungszyklus eingehen.
Leider hat die Geschichte immer wieder gezeigt, dass die meisten aktiven Managerinnen und Manager die Zeitpunkte solcher Trendwenden nicht sehr gut prognostizieren können. Sie mögen ein oder zwei Jahre lang richtig liegen, doch darauf folgen möglicherweise fünf schreckliche Jahre – kein gutes Resultat für Anlegerinnen und Anleger.
Ales: In Europa sehen wir einige Chancen, unser Beta-Exposure bewusster zu gestalten, insbesondere in Peripherieländern mit deutlich höheren Wachstumsraten als die europäischen Kernmärkte. Traditionell haben Investoren Deutschland und Frankreich als europäische Wachstumsmotoren angesehen. Doch das ändert sich: Länder wie Spanien, Portugal und Griechenland, deren Volkswirtschaften von einem stärkeren Dienstleistungssektor profitieren, weisen eine höhere Wachstumsdynamik auf als eher industriegeprägte Länder wie Deutschland.
4. Auf die Auswahl konzentrieren – und Alpha-Quellen diversifizieren
Ales: Was die Zinsentwicklung anbelangt, so sprechen wir oft davon, dass die Geldpolitik auf dem Weg nach oben die Treppe nimmt und nach unten in den Aufzug steigt, weil Zentralbanken mit ihren geldpolitischen Maßnahmen oft hinterherhinken. Dieses Mal waren die Zentralbanken aktiver. Das könnte sich aber schnell wieder ändern, wenn das Rezessionsrisiko steigt.
Nick: Schwellenländer mit Investment-Grade-Rating können attraktive Renditechancen für längerfristige Anlagen bieten, was aus Anlegersicht im Laufe des Zyklus wirklich von Bedeutung sein kann. Bei traditionellen Investment-Grade-Anleihen sind eine vergleichbare Duration und ähnliche Spreads deutlich schwieriger zu erreichen. Natürlich gilt es bei EM, das Abwärtsrisiko mit den richtigen Risikokontrollen sauber zu steuern. Eine gute Managerauswahl ist entscheidend, um das Maximum aus der EM-Assetklasse herauszuholen.
Sarang: Meine Botschaft ist dieselbe wie in den letzten sieben Jahren: Bei aktiven Anleiheinvestitionen ist die Diversifizierung von Anlagestilen entscheidend. Unsere Fähigkeit, diversifizierte Alpha-Quellen innerhalb der Kapitalstruktur und über unterschiedliche Unternehmensanleihenmärkte hinweg zu nutzen, ist dem Versuch des Markttimings nachweislich klar überlegen. So konnten wir kontinuierlich hohe Erträge für unsere Anlegerinnen und Anleger generieren.
1 Ein „REIT“ (Real Estate Investment Trust) ist ein Unternehmen, das in ein Immobilienportfolio investiert, ein solches besitzt oder verwaltet.