Vanguard Marktausblick April

Das Wichtigste:

  • Die US-Zinsen dürften in diesem Jahr um 1,5 bis 2 Prozentpunkte steigen.
  • In Großbritannien erwarten wir aufgrund der schwachen Konsumprognosen einen weniger deutlichen Zinsanstieg, als der Markt derzeit einpreist.
  • Der Ukraine-Krieg und höhere Lebenshaltungskosten belasten das Verbrauchervertrauen in Europa.
  • Die chinesische Wirtschaft leidet erheblich unter neuen Lockdowns.

Konjunktur

In den USA erwarten wir in diesem Jahr weiterhin ein Wirtschaftswachstum von rund 3,5%, die aktuelle Entwicklung bestärkt uns in dieser Prognose. Allerdings achten wir genau auf die Zinsen sowie die Geldpolitik im Allgemeinen, die die Wachstumsprognosen beeinflussen könnten. Die Risiken für das Wachstum, insbesondere durch steigende Ölpreise, sind in den letzten Wochen gesunken. Die Rohölpreis bewegt sich zwischen 95 und 105 US-Dollar pro Barrel, was einer überdurchschnittlich hohen Wachstumsrate in diesem Jahr aus unserer Sicht nicht entgegensteht. Nach einem Rückgang um 3,4% im Vorjahr ist die Wirtschaftsleistung des Landes im Jahr 2021 real um 5,7% gewachsen.

Das Wachstum der Eurozone wird durch den Ukraine-Krieg und die daraus resultierenden höheren Energiepreise belastet, auch das sinkende Verbrauchervertrauen und leicht steigende Finanzierungskosten wirken negativ. Wir rechnen weiterhin mit einer Wachstumsrate zwischen 2,5% und 3% in diesem Jahr; vor dem russischen Angriff lag unsere Prognose bei rund 3,5%. Das Verbrauchervertrauen hat den niedrigsten Stand seit dem Beginn der Pandemie erreicht und auch die Unternehmen blicken skeptischer in die Zukunft. Dem stehen jedoch zusätzliche staatliche Ausgaben in Höhe von voraussichtlich 1% der Wirtschaftsleistung gegenüber, außerdem der Abbau von Rücklagen, die während der Pandemie aufgebaut wurden. Im Zuge der Pandemie ist die Wirtschaft der Eurozone im Jahr 2020 um 6,4% eingebrochen, konnte jedoch im vergangenen Jahr solide um 5,3% wachsen.

In Großbritannien gehen wir in diesem Jahr weiterhin von einer Wachstumsrate von 3,5 bis 4% aus. Das Verbrauchervertrauen liegt auf einem 16-Monats-Tief, zudem heizen höhere Energiepreise die Inflation an und belasten private Haushalte zusätzlich. Das unabhängige Office for Budget Responsibility hat bereits im März einen beispiellosen Rückgang der Realeinkommen von 2,2% für das Jahr 2022/23 prognostiziert. Eine Rezession erwarten wir dennoch nicht, sofern die Energiepreise nicht nachhaltig und deutlich anziehen und die Kapitalkosten drastisch steigen.

In China verhängt die Regierung wegen steigender Infektionszahlen neue Lockdowns, von denen inzwischen mehr Menschen betroffen sind als jemals zuvor seit Ausbruch der Pandemie; Unternehmensumfragen deuten darauf hin, dass sich die Konjunktur im März deutlich abgekühlt hat. Auf dem Nationalen Volkskongress Anfang März hat die Regierung mit „rund 5,5%“ das niedrigste offizielle Wachstumsziel seiner Geschichte verabschiedet, wir gehen weiterhin von einer Wachstumsrate von 5% aus.

Grundsätzlich erwarten wir in den Schwellenländern in diesem Jahr ein Wachstum von 5,5%. Da durch den Ukraine-Krieg jedoch auch die Lebensmittel- und Energiepreise steigen, überwiegen die Negativrisiken für unsere Prognose.

Geldpolitik

Wegen steigender Inflation und der anhaltend angespannten Lage am Arbeitsmarkt gehen wir jetzt davon aus, dass die Federal Reserve die Zinsen in diesem Jahr um 1,5 bis 2 Prozentpunkt anheben wird. Wir erwarten sechs bis acht Zinsschritte in der Größenordnung von 25 Basispunkten bzw. ein bis zwei Anhebungen um 50 Basispunkte, möglicherweise schon auf der Fed-Sitzung am 4. Mai. Einige der Zinserhöhungen, die wir eigentlich erst 2023 erwartet hatten, dürften vorgezogen werden. Den Endwert sehen wir weiterhin bei 3%, achten jedoch auf Inflations-, Lohn- und Arbeitsmarktdaten und werden diesen Wert gegebenenfalls nach oben korrigieren. Außerdem gehen wir davon aus, dass die Fed im Mai erste Bilanzverkürzungen ankündigen wird, die schnell auf bis zu 95 Milliarden Dollar pro Monat ansteigen könnten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich anlässlich der Ausschusssitzung am 14. April gegen größere Kursänderungen entschieden; das Volumen der Anleihekäufe soll schneller sinken und das Kaufprogramm im dritten Quartal dieses Jahres zu enden. Die EZB muss ein Gleichgewicht zwischen zwei erheblichen Risiken finden: Die rekordhohe Inflation spricht für einen restriktiven Kurs, die wirtschaftlichen Risiken des Ukraine-Krieges dagegen für eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik. Wir erwarten weiterhin eine erste Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember.

Auch die Bank of England (BoE) gerät durch den Krieg in der Ukraine unter Druck und muss die Inflation eindämmen, ohne das Wachstum abzuwürgen. Dazu hat BoE ihren Leitzins bereits am 17. März von 0,5% auf 0,75% angehoben. Wir erwarten zwei weitere Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte auf der Ausschusssitzung am 5. Mai sowie in der zweiten Jahreshälfte. Damit stiege der britische Leitzinssatz auf 1,25%, die Märkte preisen dagegen 2% bis Jahresende ein, was wir angesichts der schwachen Konsumprognosen für zu aggressiv halten.

In einigen Schwellenländern reagieren die Zentralbanken mit weiteren Zinserhöhungen auf die hartnäckige Inflation, die Märkte preisen jedoch in Erwartung einer schwächeren Konjunktur Zinssenkungen im kommenden Jahr ein. Betroffen sind zahlreiche Schwellenländer Europas und Lateinamerikas, in Asien sind die Leistungsbilanzsalden dagegen positiv und die Inflation relativ niedrig.

Inflation

Der Verbraucherpreisindex (CPI) in den USA ist im März saisonbereinigt um 8,5% gegenüber Vorjahr sowie um 1,2% (saisonbereinigt) gegenüber Vormonat gestiegen und entsprach damit weitgehend den Markterwartungen. Die größten Inflationstreiber waren Benzin, Nahrungsmittel und Mieten. Jahr weiterhin Der Core CPI ohne die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise stieg um 6,5% (ggü. Vj.). Die Kerninflation könnte ihren Höhepunkt bereits erreicht haben, wohingegen hohe Energie- und jetzt auch Lebensmittelpreise die Gesamtinflation weiter anheizen, die damit auch zunehmend die Geldpolitik der Fed beeinflussen wird.

In der Eurozone ist die Gesamtinflation im März auf 7,5% gestiegen, was zu mehr als 50% auf steigende Energiepreise zurückzuführen ist. (Insgesamt war der Einfluss der Energiepreise in der Eurozone doppelt so stark wie in den USA und in Großbritannien.) Allerdings waren auch andere Bereiche betroffen, weshalb auch die Kerninflation von 2,7% auf 3,0% anstieg und damit über den Prognosen lag. In diesem Jahr rechnen wir weiterhin mit einer Gesamtinflation zwischen 6% und 7%, gehen jedoch davon aus, dass sich die Teuerungsrate in den nächsten ein bis zwei Jahren wieder ihrem Zielwert von 2% nähern wird.

In Großbritannien ist die Gesamtinflation im März auf 7,0% gestiegen, wofür vor allem steigende Benzinpreise verantwortlich waren (+30,7). Die Kerninflation ohne die volatileren Lebensmittel- und Energiepreise stieg um nur 5,7% (jeweils ggü. Vj.). Im April hebt die Regierung die Obergrenze für inländische Energiepreise um 54% an, weshalb wir mit einem Anstieg der Gesamtinflation auf über 8% rechnen. Sollten die Energiepreise auf ihrem derzeitigen Niveau stabil bleiben, dürfte die Geamtinflation im vierten Quartal mit rund 9% ihren Höhepunkt erreichen.

Arbeitsmarkt

Dank zahlreicher neu geschaffener Stellen ist die Arbeitslosenquote in den USA im März auf 3,6% gefallen und lag damit nur knapp über dem tiefsten Stand vor dem Ausbruch von Covid-19. Vor der Pandemie lag die US-Arbeitslosenquote bei 3,5%; wir erwarten, dass die Quote diesen Stand bereits im zweiten Quartal erreicht und bis Jahresende sogar weiter fällt. Außerdem rechnen wir in diesem Jahr weiterhin mit zahlreichen Kündigungen und steigenden Löhnen.

Im Euroraum ist die Arbeitslosenquote im Februar zum zwölften Mal in Folge auf 6,8% gesunken (Januar: 6,9%, revidiert). Der Lohndruck steigt, allerdings weniger deutlich als in anderen Wirtschaftsräumen. Wir rechnen in den kommenden Monaten mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote.

In Großbritannien ist die Arbeitslosenquote in den drei Monaten bis Ende Februar auf 3,8% gefallen und hat damit ihr Vorpandemieniveau erreicht. Zum Teil ist dieser Rückgang auf einen Anstieg um 76.000 der Zahl der Nichterwerbspersonen zurückzuführen, die in den Ruhestand getreten sind oder sich um Angehörige oder Langzeitkranke kümmern. Die durchschnittlichen Wochenlöhne sind in den drei Monaten um 5,4% gestiegen, die Realeinkommen dagegen um 1% gesunken (jeweils ggü. Vj.). Die Zahl der offenen Stellen erreichte mit 1,29 Millionen einen neuen Rekordstand.

Diese Angaben entsprechen der internen Einschätzung des Global Economics and Markets Team der Vanguard Investment Strategy Group (ISG) per 13. April 2022.

Marktausblick

Unsere Renditeprognosen für die Aktien- und Anleihemärkte in den kommenden zehn Jahren sind seit unserem Ausblick vom März unverändert. Die probabilistischen Renditeprognosen beruhen auf den Marktbedingungen zum Zeitpunkt der Simulation des Vanguard Capital Markets Model® (VCMM) und können sich daher mit jeder neuen Simulation ändern.

Im März hatten wir unsere Prognosen außer der Reihe aktualisert, die daher auf Teilergebnissen des VCMM per 28. Februar 2022 beruhten. Hintergrund ist der Ukraine-Krieg, der höhere Volatilität an den Kapitalmärkten zur Folge hatte, sowie die absehbaren Zinserhöhungen. Beide Faktoren haben unsere nachstehenden Prognosen deutlich beeinflusst. In unserem Mai-Bericht werden wir neue Prognosen mit Zahlen der vollständigen Simulation vom 31. März veröffentlichen.

In den kommenden zehn Jahren erwarten wir die nachstehenden Nominalrenditen. Die Zahlen beruhen auf einer Bereichsleiste mit einer Genauigkeit von 1 Punkt für Aktien bzw. 0,5 Punkten für Anleihen (jeweils um das 50. Perzentil). Die Zahlen in Klammern geben die Median-Volatilität an.

WICHTIGER HINWEIS: Die Prognosen sowie andere Informationen, die von dem Vanguard Capital Markets Model generiert werden und die Wahrscheinlichkeit verschiedener Anlageergebnisse zum Gegenstand haben, sind naturgemäß hypothetisch, stellen keine tatsächlichen Anlageergebnisse dar und garantieren keine zukünftigen Erträge. Die Ergebnisse des Modells werden mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit variieren.

Die Prognosen des VCMM basieren auf statistischen Analysen und historischen Daten. Zukünftige Renditen können von den im VCMM erfassten historischen Mustern abweichen. Noch wichtiger ist jedoch, dass das VCMM extrem negative Szenarios unterschätzen kann, die in den historischen Zeiträumen, auf denen die Modellschätzungen beruhen, nicht vorkamen.

Das Vanguard Capital Markets Model® ist ein firmeneigenes Finanz-Simulationsinstrument. Es wurde von den erstklassigen Investment-Research- und Beratungsteams von Vanguard entwickelt und wird von diesen gewartet. Das Modell prognostiziert die Verteilung zukünftiger Renditen für zahlreiche Assetklassen. Zu diesen Assetklassen gehören die US-amerikanischen und internationalen Aktienmärkte, US-Treasuries und Unternehmensanleihen mit verschiedenen Laufzeiten, internationale Anleihemärkte, US-Geldmärkte, Rohstoffe sowie bestimmte alternative Anlagestrategien. Die theoretische und empirische Grundlage des Vanguard Capital Markets Model ist die Beziehung zwischen Rendite und Risiko: Die Renditen zahlreicher Assetklassen sind der von Anlegern im Gegenzug für bestimmte Arten von systematischem Risiko (Beta) verlangte Ausgleich. Das Modell beruht im Kern auf Schätzungen der dynamischen statistischen Beziehung zwischen Risikofaktoren und Asset-Renditen. Diese erhalten wir durch statistische Analyse monatlicher Finanz- und Wirtschaftsdaten, die bis in das Jahr 1960 zurückreichen. Mithilfe eines Systems von Gleichungsschätzungen führt das Modell eine Monte Carlo-Simulation durch, um die geschätzten Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren und Assetklassen sowie Ungewissheit und Zufälle langfristig zu prognostizieren. Das Modell generiert eine große Anzahl simulierter Ergebnisse für jede Assetklasse über verschiedene Zeiträume. Die Prognosen werden durch Berechnung der Zentraltendenzen in diesen Simulationen gewonnen. Die Ergebnisse des Modells variieren mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit.

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