• Unsere Volkswirt:innen erwarten für das Jahr 2023 eine globale Rezession.
  • Für den langfristigen Erfolg von Timing-Strategien in Rezessionsphasen gibt es kaum Belege.
  • Berater:innen können ihren Kundinnen und Kunden helfen, eine Rezession richtig einzuordnen.

 

Rezessionen können Ängste schüren. Nicht wenige Anleger:innen stellen ihre langfristige Anlagestrategie genau dann infrage, wenn die Volatilität an den Märkten ihren Höhepunkt erreicht.

Aktuell kündigt sich eine globale Rezession an, daher ist der Zeitpunkt günstig, um mit Kundinnen und Kunden über mögliche Folgen eines Abschwungs zu sprechen und ihnen zu helfen, sich durch kurzfristige Volatilität nicht von ihren langfristigen Plänen abbringen zu lassen.

In diesem Artikel gehen wir auf einige der wichtigsten Themen ein, die bei Kundengesprächen in Zeiten einer Rezession helfen können.

Warum diese Rezession anders sein wird

Unsere Volkswirte erwarten eine Rezession in der zweiten Jahreshälfte 2023.1 In den Ohren einiger Anleger:innen mag diese Aussage wie eine Aufforderung klingen, ihr Portfolio durch Umschichtungen vor den Folgen des Abschwungs in Sicherheit zu bringen.

Tatsächlich gelingt es jedoch nur wenigen Anleger:innen, ihr Portfolio durch taktische Umstellungen ohne Verluste durch eine Rezession zu steuern, auch weil jeder Abschwung anders ist und selten denselben Verlauf nimmt wie die vorangegangenen. 2020 etwa stürzte eine Pandemie die Weltwirtschaft in eine tiefe, aber kurzlebige Rezession, die Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2009 war dagegen geprägt von hohen Arbeitsplatzverlusten und einer langsamen Erholung.

Keines dieser Szenarien trifft auf die Weltwirtschaft des Jahres 2023 zu, die aus unserer Sicht im vergangenen Jahr robuster war, als man es einem Jahr vor einer Rezession erwarten kann: Die weltweite Arbeitslosigkeit2 etwa ist zu Beginn dieser Rezession deutlich niedriger als in früheren Abschwüngen, Produktion und Industrietätigkeit sind sogar leicht gestiegen (siehe Grafik).

Ein „guter Start“ in eine Rezession könnte den Abschwung sogar abmildern.

Rezessionen damals und heute

Hinweise: Jahre einer globalen Rezession: 1975, 1982, 1991, 2009 und 2020. Das Jahr vor der globalen Rezession entspricht dem jeweiligen Vorjahr, das Jahr 2019 ist ausgeschlossen. Berechnungen von Vanguard per 31. Oktober 2022. Die typische globale Rezession entspricht dem Medianergebnis jeder Kategorie in den Jahren der globalen Rezession.

Quellen: Weltbank, British Petroleum Statistical Review of World Energy, OECD, Federal Reserve Bank of St. Louis FRED database, OeNB, CPB Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis, UNCTAD und Our World in Data; Stand: 31. Oktober 2022. Daten zur weltweiten Arbeitslosigkeit und den Jahren der globalen Rezession von Kose, Sugawara und Terrones (2020).

 

Eine globale Rezession mit regionalen Unterschieden 

Insgesamt erwarten wir eine milde Rezession der Weltwirtschaft, allerdings werden einige Länder die Auswirkungen stärker spüren als andere. Die deutsche und italienische Wirtschaft zum Beispiel sind abhängiger von energieintensiven Industriesektoren und werden daher wahrscheinlich deutlicher schrumpfen als andere Volkswirtschaften der Eurozone.

Unsere aktuellen Modelle zeigen an, dass die Wirtschaft des Euroraums bereits im vierten Quartal 2022 in eine Rezession getreten ist. Höhere Energiepreise, steigende Finanzierungskosten, schlechte Stimmung und die schwache Weltwirtschaft belasten die Konjunktur; Wachstum erwarten wir erst wieder in der zweiten Jahreshälfte. Dieses Szenario ist jedoch mit Risiken behaftet, zum Beispiel könnte es aufgrund deutlich niedrigerer Gasreserven und höherer Finanzierungskosten in der zweiten Jahreshälfte zu einer „Double-Dip“-Rezession kommen.

Trotz des Abschwungs erwarten wir auch im Euroraum steigende Zinsen, bevor sinkende Inflation und steigende Arbeitslosigkeit die Zentralbanken zu einem Kurswechsel veranlassen. Allerdings rechnen wir bis weit in das Jahr 2024 hinein, vielleicht sogar bis 2025, mit Inflationsraten deutlich über dem Zielwert der Zentralbanken von 2% – und daher auch mit anhaltend hohen Zinsen.

Wegen der unsicheren Lage sowohl in Europa als auch in anderen Teilen der Welt sollten sich Anleger:innen aus dem Euroraum im Jahr 2023 auf höhere Volatilität einstellen, wenn der Abschwung einsetzt und Gewinne sinken. Vor den Auswirkungen der Rezession auf einzelne Volkswirtschaften können sich Anleger unter anderem mit einem global diversifizierten Portfolio schützen, in dem die Risiken auf zahlreiche Regionen, Assetklassen, Währungen und Sektoren verteilt sind.

Die Märkte sind meist schneller als die Wirtschaft

Rezessionen und Märkte bewegen sich selten im Gleichschritt. Zwar führt der Beginn einer Rezession häufig zu einem Kurseinbruch am Aktienmarkt, doch in der Regel fallen die Aktienkurse schon lange vorher und steigen meist auch wieder, bevor die Rezession vorbei ist.

Erst erholen sich die Aktienkurse, dann die Wirtschaft

Quellen: Berechnungen von Vanguard per 31. Dezember 2021 auf Grundlage von Daten von Refinitiv.
Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Erträge. Die Wertentwicklung eines Index ist keine exakte Darstellung einer bestimmten Anlage, da Anleger:innen nicht direkt in einen Index investieren können.

 

Die Grafik oben bildet die Einjahresrenditen des Standard & Poor‘s 500 Index in US-Dollar für die Jahre von 1973 bis 2021 ab. In diesen Zeitraum fallen sieben US-Rezessionen, die durch die grauen Balken dargestellt werden.

Da Anleger:innen eine Erholung und steigende Gewinne vorab einpreisen, erholte sich der US-Aktienmarkt jedes Mal noch vor Ende der Rezession. Und in jeder Rezession folgten die Märkte einem anderen Rhythmus: 2020, während der Pandemie, dauerte es nur zwei Monate, bis die Kurse wieder stiegen, während der Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2009 dagegen fast eineinhalb Jahre.

Wie lange die weltweite Flaute anhalten wird und wann die Aktienkurse wieder steigen, lässt sich unmöglich vorhersagen. Außerdem sind nicht alle Volkswirtschaften gleichermaßen von dem Abschwung betroffen und werden sich auch nicht gleich schnell erholen.

Da das Verhalten der Märkte während einer Rezession kaum vorhersehbar ist, empfehlen wir Anleger:innen, sich auf ihre langfristigen Ziele zu konzentrieren und auf taktische Portfolioanpassungen zu verzichten. Eine strategische Asset-Allokation, wie sie zum Beispiel in den Multi-Asset-ETFs und Musterportfolios von Vanguard zum Einsatz kommt, bietet Anleger:innen in jedem Marktumfeld langfristig die besten Chancen auf Anlageerfolg.

Bessere Aussichten für Multi-Asset-Strategien

Eine Rezession muss für Multi-Asset-Portfolios nicht zwingend schlecht sein. Die zweistelligen Verluste des letzten Jahres waren zwar schmerzhaft, aber auch ungewöhnlich und im Wesentlichen auf den zeitgleichen Kursrückgang an den Aktien- und Anleihemärkten zurückzuführen – der wiederum das Ergebnis der aggressiven Inflationsbekämpfung durch die Zentralbanken war.

Ein Großteil der Zinserhöhungen liegt inzwischen hinter uns, und durch die deutlichen Verluste sind Aktien und Anleihen heute sehr viel attraktiver bewertet als noch vor einem Jahr.3 Dank höherer Zinsen können Anleger:innen mit einem Mischportfolio risikoarme Anleihen zudem zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder als sinnvolle Quelle laufender Erträge nutzen.

Normalere Aktien-/Anleihekorrelationen

Sollte die Inflation unerwartet über den Zielwerten der Zentralbanken liegen, werden diese, wie schon im letzten Jahr, nicht zögern und die Zinsen wieder anheben. Steigende Zinsen führen zu fallenden Anleihekursen und steigenden Abzinsungssätzen, was sich auf die Preisbildung aller Assetklassen auswirkt und so zu einer ungewöhnlich positiven Renditekorrelation zwischen Aktien und Anleihen im vergangenen Jahr geführt hat.

Kurzfristig, solange die Inflation nicht eingedämmt ist, ist weiterhin eine positive Korrelation zwischen Aktien und Anleihen möglich. Da jedoch die Weltwirtschaft weiter an Schwung verliert und die Inflation nachlässt, rechnen wir mit einer Korrelationsumkehr. Dann könnten Anleihen wieder ihre eigentliche Funktion ausüben und Mischportfolios gegen Aktienvolatilität absichern. 

Disziplin zahlt sich aus

Fallende Kurse lösen bei vielen Anleger:innen eine Reaktion aus; sie wollen etwas tun und ihr Portfolio schützen. Es gibt jedoch kaum Belege dafür, dass Markt-Timing funktioniert, weder in Rezessionen noch bei anderen Marktereignissen – im Gegenteil.

Unabhängig davon, ob sich bestimmte Länder der Eurozone oder irgendein anderes Land in einer Rezession befinden oder nicht, sollten Anleger:innen Wirtschaftsnachrichten mit Gelassenheit aufnehmen und sich an ihre durchdachten, langfristigen Anlagepläne halten. Berater:innen können ihren Kundinnen und Kunden dabei helfen.

In Zeiten wie diesen können die vier Vanguard Anlageprinzipien  Anleger:innen daran erinnern, warum sie mit Disziplin und einer langfristigen Strategie die besten Erfolgschancen haben.

Hinweise:

1 Eine allgemeingültige Definition für eine globalen Rezession gibt es nicht, laut Weltbank ist sie jedoch gekennzeichnet durch einen Rückgang des jährlichen Pro-Kopf-BIP und deutliche Anzeichen für einen Rückgang zahlreicher globaler Konjunkturindikatoren (Kose, Sugawara und Terrones, 2020).

2 Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von Thompson Reuters; Stand: 31. November 2022.

3 Quelle: Vanguard Marktausblick 2023 auf Grundlage von Daten des Vanguard Capital Markets Model (VCMM) vom 30. September 2022. 

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken

Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

ETF-Anteile können nur durch einen Makler erworben oder verkauft werden. Die Anlage in ETFs bringt eine Börsenmakler-Provision und eine Geld-Brief-Spanne mit sich, was vor der Anlage vollständig berücksichtigt werden sollte.

WICHTIGER HINWEIS: Die Prognosen sowie andere Informationen, die von dem Vanguard Capital Markets Model generiert werden und die Wahrscheinlichkeit verschiedener Anlageergebnisse zum Gegenstand haben, sind naturgemäß hypothetisch, stellen keine tatsächlichen Anlageergebnisse dar und garantieren keine zukünftigen Erträge. Die Verteilung der Renditeergebnisse des VCMM wird aus 10.000 Simulationen für jede modellierte Assetklasse abgeleitet. Simulationen per 31. Mai 2022. Die Ergebnisse des Modells können mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit variieren. 

Die Prognosen des VCMM basieren auf statistischen Analysen und historischen Daten. Zukünftige Renditen können von den im VCMM erfassten historischen Mustern abweichen. Noch wichtiger ist jedoch, dass das VCMM extrem negative Szenarios unterschätzen kann, die in den historischen Zeiträumen, auf denen die Modellschätzungen beruhen, nicht vorkamen.

Das Vanguard Capital Markets Model® ist ein proprietäres Finanzsimulationstool, das von der Investment Strategy Group von Vanguard entwickelt und gepflegt wird. Das Modell prognostiziert die Verteilung zukünftiger Renditen für zahlreiche Assetklassen. Zu diesen Assetklassen gehören die US-amerikanischen und internationalen Aktienmärkte, US-Treasuries und Unternehmensanleihen mit verschiedenen Laufzeiten, internationale Anleihemärkte, US-Geldmärkte, Rohstoffe sowie bestimmte alternative Anlagestrategien. Die theoretische und empirische Grundlage des Vanguard Capital Markets Model ist die Beziehung zwischen Rendite und Risiko: Die Renditen zahlreicher Assetklassen sind der von Anlegern im Gegenzug für bestimmte Arten von systematischem Risiko (Beta) verlangte Ausgleich. Den Kern des Modells bilden Schätzungen der dynamischen statistischen Beziehung zwischen Risikofaktoren und Vermögensrenditen, die durch statistische Analysen auf der Grundlage verfügbarer monatlicher Finanz- und Wirtschaftsdaten gewonnen werden. Mithilfe eines Systems von Gleichungsschätzungen führt das Modell eine Monte Carlo-Simulation durch, um die geschätzten Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren und Assetklassen sowie Ungewissheit und Zufälle langfristig zu prognostizieren. Das Modell generiert eine große Anzahl simulierter Ergebnisse für jede Assetklasse über verschiedene Zeiträume. Die Prognosen werden durch Berechnung der Zentraltendenzen in diesen Simulationen gewonnen. Die Ergebnisse des Modells variieren mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit.

Wichtige allgemeine Hinweise

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