Vanguard 360 Audimax Event: Mit den Gefühlen der Anleger:innen richtig umgehen

Behavioral-Finance-Experte Prof. Dr. Daxhammer erklärt, wie Sie mit Gefühlen und Verhaltensmustern umgehen, die den Anlageerfolg Ihrer Kund:innen beeinflussen können. Schauen Sie sich jetzt die Aufzeichnung an.

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  • Die Zentralbanken wandern auf einem schmalen Grat: Sie müssen die Inflation bekämpfen, ohne die Konjunktur abzuwürgen.
  • Die US-Notenbank wird die Inflation wahrscheinlich aggressiv bekämpfen, hat jedoch auch weniger Spielraum für Fehler als die EZB.
  • Langfristig orientierte Anleger sollten in diesem unsicheren Umfeld vor allem ihre strategischen Ziele im Auge behalten und sich nicht vom Kurs abbringen lassen.

 

Ein Kommentar von Jumana Saleheen, Ph.D., Chief Economist, Vanguard Europe

Die Zentralbanken stehen in den kommenden Monaten vor einer wenig beneidenswerten Aufgabe: Sie müssen die Inflation unter Kontrolle bringen, ohne das Wachstum abzuwürgen. Damit das gelingt, müssen sie den optimalen Zinssatz genau treffen. Gehen sie zu weit, riskieren sie eine Rezession. Gehen sie nicht weit genug, setzen sie ihre hart erarbeitete Glaubwürdigkeit aufs Spiel, denn dann wird die Inflation weiter gären.

Ob den Zentralbanken eine weiche Landung mit anhaltendem Wachstum und akzeptablen Preissteigerungen gelingt oder ob sie an dieser schwierigen Aufgabe scheitern, hängt vor allem von drei Faktoren ab:

  • das notwendige Tempo der Zinserhöhungen, mit dem die Zentralbanken ihre Glaubwürdigkeit in der Inflationsbekämpfung wahren können
  • wie stark die Lohn- und Inflationsprognosen trotz eben dieser Glaubwürdigkeit steigen
  • unerwartete Einbrüche von Angebot oder Nachfrage

Ob den Zentralbanken eine weiche Landung gelingt, wird zum Teil davon abhängen, wie weit und wie lange sie die Zinsen über den neutralen Zinssatz hinaus anheben1.

Marktprognosen: aggressive Inflationsbekämpfung in den USA, langsames Tempo in Europa

Hinweise: Die Markterwartungen für die Leitzinsen werden durch Einmonats-Terminswapsätze für den jeweiligen Zeitpunkt dargestellt. Die US-Swaps basieren auf den veröffentlichten Indizes für den Tagesgeldsatz, Euroraum-Swaps auf dem veröffentlichten Durchschnitt des Euro-Tagesgeldindex. Die neutralen Zinssätze beruhen auf Schätzungen von Vanguard, welche von langfristigen wirtschaftlichen Faktoren abhängen und hoher statistischer Unsicherheit unterliegen. Die Schätzungen des nominalen neutralen Zinssatzes gehen von einer Inflation von 2% in den USA und 1,8% in der Eurozone aus.
Quellen: Analyse von Vanguard auf Grundlage von Daten von Bloomberg; Stand: 27. April 2022.

Die Märkte erwarten inzwischen deutlich höhere Endzinssätze – den höchsten Wert innerhalb eines Zinserhöhungszyklus – als noch im März. Allerdings werden schnell Unterschiede zwischen den USA und dem Euroraum deutlich, EZB und Federal Reserve stehen daher vor unterschiedlichen Aufgaben:

In den USA ist die Gesamtinflation inzwischen auf 8,5% angestiegen; hier rechnen die Märkte mit einer Endrate von 3,5% bis Mitte 2023, wohl in der Erwartung, dass die Fed in Anbetracht der angespannten Lage am Arbeitsmarkt zu aggressiven Mitteln greifen wird.

Die Grafik macht zudem deutlich, warum die Fed so wenig Spielraum für Fehler hat. Leitzinsen oberhalb des neutralen Zinssatzes sind in der Inflationsbekämpfung gerade deshalb so wirksam, weil sie die Wirtschaft belasten, was das Risiko einer Rezession erhöht. (Nach vorläufigen Zahlen ist die US-Wirtschaft im ersten Quartal unerwartet geschrumpft und macht damit deutlich, wie schwierig die Signale in den kommenden Monaten zu deuten sein dürften.)

Im Euroraum spricht die Inflationsentwicklung für niedrigere Zinsen

Hinweise: Die Kerninflation schließt die volatileren Lebensmittel- und Energiepreise aus und gilt als besserer Indikator für die nachhaltige Inflation.
Quellen: US Bureau of Labor Statistics, Eurostat und Bloomberg; Stand: 27. April 2022.

Anders die Prognosen für den Euroraum: Hier erwarten die Märkte, dass die EZB die Zinsen nur langsam in Richtung des neutralen Zinssatzes anheben wird.

Im Euroraum hat die Gesamtinflation im März die Marke von 7,4% erreicht. Mehr als die Hälfte des letzten Anstiegs war auf die Energiepreise zurückzuführen, allerdings heizen Energiepreise die Inflation in der Regel nicht dauerhaft an. In den USA machten Energiepreise zuletzt nur ein Viertel des Anstiegs aus. Hier hat die Inflation zahlreiche Branchen erfasst – und dürfte daher auch länger anhalten. Außerdem ist in den USA das Risiko höher, dass Lohn- und Inflationsprognosen weiter steigen und damit die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken auf die Probe stellen.

Auch unvorhersehbare Schocks können Zinsentscheidungen beeinflussen

Wie sich die Zinsen in den kommenden zwölf Monaten entwickeln werden, hängt von Daten und unvorhersehbaren Schocks ab und ist daher noch nicht entschieden. Sollte es erneut zu Versorgungsengpässen kommen, etwa infolge steigender Infektionszahlen in China oder weil Russland seine Gaslieferungen nach Europa einstellt, würde die Inflation wahrscheinlich weltweit weiter steigen.

Schon aufgrund der geografischen Nähe ist der russische Angriff auf die Ukraine im Euroraum ein größeres Problem als die Inflation. Das Verbrauchervertrauen ist gesunken, und jeder Hinweis auf eine Konjunkturabkühlung dürfte das Zinskalkül der EZB beeinflussen.

Wir halten eine weiche Landung der US-Wirtschaft für möglich, gehen jedoch auch davon aus, dass die Fed die Inflation mit allen Mitteln bekämpfen wird.

Jumana Saleheen, Vanguard European Chief Economist

Von glaubwürdiger Geldpolitik profitieren Haushalte und Unternehmen gleichermaßen

In vielen Ländern hat die Inflation den höchsten Stand seit 30 oder 40 Jahren erreicht. Die Zentralbanken, von denen einige bereits seit Anfang der Neunzigerjahre ein bestimmtes Inflationsniveau anstreben, stehen vor einem Härtetest.

Wir halten eine weiche Landung der US-Wirtschaft für möglich, gehen jedoch auch davon aus, dass die Fed die Inflation mit allen Mitteln bekämpfen wird. Eine Inflationsrate von 2%, wie von den Zentralbanken angestrebt, würde letztlich Unternehmen und Haushalten gleichermaßen zugutekommen, denn eine niedrige und stabile Inflation schafft das notwendige Vertrauen für Wachstum.

 

1 Der neutrale Zinssatz entspricht dem Zinsniveau, das die Konjunktur weder fördert noch belastet. 

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