Die regelmäßige Überprüfung der Kundenportfolios ist ein wesentlicher Bestandteil des Leistungsangebots von Anlageberater:innen. Eine effektive Portfolioanalyse setzt Sorgfalt und Objektivität voraus. Tatsächlich ist jedoch die Versuchung groß, sich durch Wirtschafts- und Finanzmarktnachrichten, Manager-Ratings und Performance-Kennzahlen von der Aufgabe ablenken zu lassen, einen möglichen Handlungsbedarf festzustellen.

Doch wer sich auf externe und häufig kurzfristige Faktoren konzentriert, verliert die aus unserer Sicht wirklich wichtigen Prinzipien erfolgreicher Vermögensanlage schnell aus den Augen. Diese Grundsätze beruhen auf einer einfachen Idee: Anleger:innen sollten sich auf die Faktoren konzentrieren, die sie auch kontrollieren können, also ihre Ziele, ein ausgewogenes Portfolio, Kosten und Disziplin.

Unabhängig davon, ob kleinere oder größere Änderungen an einem Portfolio notwendig sind, stellen diese Prinzipien Grundlage und Referenzpunkt für den Portfolioaufbau dar.

Ziele

Zunächst sollten sich Anleger:innen messbare und realistische Ziele setzen und einen Plan entwickeln, um diese Ziele umzusetzen. Diesen Plan sollten Berater:innen regelmäßig überprüfen und sicherstellen, dass das Portfolio nicht vom Kurs abweicht und kontinuierlich auf die Ziele ihres Kunden oder ihrer Kundin abgestimmt ist.

Im Laufe der Zeit können sich die Umstände und persönlichen Ziele dieser Kund:innen jedoch ändern, weil sie zum Beispiel früher in Rente gehen, ein Sabbatjahr einlegen, ein neues Haus kaufen oder eine:n Verwandte:n finanziell unterstützen wollen. Derartige Änderungen machen unter Umständen auch Umstellungen in der Anlagestrategie notwendig, wobei vielleicht schon eine Anpassung des Ausgaben- oder Anlagebudgets oder eine Umschichtung der Asset-Allokation reicht.

Balance

Um ihre langfristigen Ziele zu erreichen, müssen Anleger:innen einen Kompromiss zwischen Risiko und Rendite finden und verstehen, wie sich verschiedene Anlageinstrumente in der Vergangenheit entwickelt haben. Wir haben keine Kontrolle über die Märkte. Wer jedoch die Muster in der langfristigen Wertentwicklung von Aktien und Anleihen versteht, kann Portfoliorisiken besser einordnen.

Die Renditen der Aktien- und Anleihemärkte waren in den letzten Jahrzehnten überwiegend negativ korreliert, sodass Anleger:innen Verluste in ihrem Aktienportfolio zum Teil durch Anleihen ausgleichen konnten1. Aus diesem Grund empfehlen wir langfristigen Anleger:innen ein Multi-Asset-Portfolio, das neben Aktien auch aus Anleihen besteht.

Auch in den nächsten zehn Jahren dürfte sich an der negativen Korrelation zwischen Anleihen und Aktien tendenziell nichts ändern, wie die aktuellen Zahlen des von Vanguard entwickelten Capital Markets Model (VCMM) zeigen (siehe Grafik).

Insbesondere Anleihen aus dem Euroraum, globale Anleihen aus Ländern außerhalb des Euroraums und deutsche Staatsanleihen werden voraussichtlich weiterhin negativ mit Aktien aus dem Euroraum, globalen Aktien und Aktien aus Schwellenländern korrelieren.

Die negative Korrelation zwischen Aktien und Anleihen bleibt bestehen

Jegliche Prognosen sollten als hypothetischer Natur betrachtet werden und spiegeln keine zukünftigen Ergebnisse wider bzw. garantieren diese nicht.
Hinweise: Diese Prognose beruht auf der Medianschätzung von 10.000 VCMM-Simulationen für nominelle Zehnjahresrenditen (Total Return in EUR) der hier dargestellten Assetklassen. Weitere Informationen zu einzelnen Assetklassen finden Sie im Vanguard Wirtschafts- und Marktausblick 2021. Quellen: Berechnungen von Vanguard; Stand: 30. September 2021.

WICHTIGER HINWEIS: Die Prognosen sowie andere Informationen, die von dem Vanguard Capital Markets Model generiert werden und die Wahrscheinlichkeit verschiedener Anlageergebnisse zum Gegenstand haben, sind naturgemäß hypothetisch, stellen keine tatsächlichen Anlageergebnisse dar und garantieren keine zukünftigen Erträge.

Welche Aktien-/Anleihe-Allokation richtig ist, hängt vom Anlagehorizont, den Zielen und dem Risikoprofil des jeweiligen Kunden bzw. der Kundin ab. Und diese Faktoren können sich ändern, wenn Ziele näher rücken oder sich die persönlichen Lebensumstände ändern. Daher ist es wichtig zu überprüfen, ob die strategische Asset-Allokation noch immer auf die Anforderungen des Kunden oder der Kundin abgestimmt ist.

Neben einer ausgewogenen Aktie-/Anleihe-Mischung ist globale Diversifizierung wichtig. Ein Blick auf die Renditen vergangener Jahre oder aktuelle Marktprognosen kann für eine Übergewichtung bestimmter Regionen oder Sektoren sprechen, die Wertentwicklung der Vergangenheit ist jedoch keine Garantie für zukünftige Ergebnisse, Marktprognosen sind schwierig und daher notorisch unzuverlässig. Der Verlockung des Markt-Timing können Anleger:innen besser widerstehen, indem sie weltweit in möglichst viele Aktien- und Anleihemärkte investieren.

Kosten

Wie vieles im Leben sind auch die Finanzmärkte unberechenbar. Berater:innen haben keine Kontrolle über die Wertentwicklung ihrer Kundenportfolios, aber sie können die Kosten beeinflussen. Untersuchungen von Vanguard zeigen, dass Anleger:innen mit kosteneffizienten Fonds größere Erfolgschancen haben als mit hochpreisigen Anlageprodukten, zwar sowohl bei aktiven als auch bei Indexstrategien2. Wer viel für einen Fonds bezahlt, erhält einfach weniger Nettorendite. Kosteneffizienz ist zentraler Bestandteil der Vanguard Anlagephilosophie, weshalb wir die Kosten für unsere Kund:innen immer so niedrig wie möglich halten.

Disziplin

Die Asset-Allokation ist der Motor zu Umsetzung von Anlagezielen, sie funktioniert jedoch nur, wenn man langfristig und unabhängig von der Marktlage an ihr festhält. Multi-Asset-Anleger:innen sollten ihr Portfolio daher regelmäßig auf die angestrebte Zielallokation aus Aktien und Anleihen zurücksetzen.  Gespräche mit Kund:innen zum Thema Rebalancing können schwierig sein, denn manchmal müssen sie dabei Vermögenswerte mit besserer Wertentwicklung verkaufen und in schwächere Anlagen umschichten, was intuitiv nicht unbedingt einleuchtet, aber der langfristigen Risikokontrolle dient. Daher müssen solche Gespräche gut vorbereitet werden.

Disziplin bedeutet jedoch auch, bei fallenden Märkten und Portfolioverlusten Kurs zu halten. Wer Vermögenswerte bei fallenden Kursen verkauft, realisiert Verluste und verzichtet auf mögliche zukünftige Gewinne.

Langfristig planen, realistische Ziele setzen

Erwartungssteuerung und realistische Einschätzungen sind bei einer Portfolioanalyse von entscheidender Bedeutung, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden und Kund:innen von einer langfristigen Strategie zu überzeugen.

Wie wir in unserem Wirtschafts- und Marktausblick 2022 erläutern, erwarten wir an den globalen Aktienmärkten in den kommenden zehn Jahren im Durchschnitt niedrigere Renditen als in den zehn Jahren zuvor, unsere Prognosen für die globalen Anleihemärkte sind dagegen angesichts der absehbaren Zinserhöhungen optimistischer. Die Märkte erwarten derzeit eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank bereits im Juni. Wir halten den Zeitpunkt für verfrüht und gehen von einer Anhebung um 25 Basispunkte im Dezember aus.

Die steigende Inflation in den meisten Industrieländern könnte Anleger:innen verleiten, durch alternative Anlagen wie Gold und Rohstoffe höhere Renditen anzustreben. Unsere Analysen zeigen jedoch, dass langfristige Anleger:innen mit Aktien weiterhin die beste Chance auf positive Realrenditen haben.

Letztendlich kommt es bei einer Portfolioüberprüfung auch darauf an, langfristig zu planen und sich nicht von Markt- und Wirtschaftsnachrichten ablenken zu lassen. Im Sinne Ihrer Kund:innen sollten Sie sich immer auf die Faktoren konzentrieren, die sich tatsächlich beeinflussen lassen.

 

1 Quelle: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von Bloomberg, L.P. Für weitere Informationen, siehe Renzi-Ricci, G. und L. Baynes. „Trotz niedriger Zinsen – Warum sich Aktienrisiken am besten mit Anleihen absichern lassen“, Vanguard Research, Januar 2021. Hinweise: Verteilung deutscher Staats- und Unternehmensanleihen in Phasen fallender Kurse am deutschen Aktienmarkt, Januar 2003 bis November 2020 Deutsche Aktien werden dargestellt durch den DAX-Index, deutsche Staatsanleihen durch den Bloomberg Barclays Germany Government All Bonds Total Return Index. Die Analyse zeigt eine schwächere (überwiegend negative) Korrelation zwischen deutschen Staatsanleihen und deutschen Aktien. Wie außerdem zu erkennen ist, warfen Staatsanleihen bei fallenden Aktienkursen eine höhere Medianrendite ab als Unternehmensanleihen oder Geldmarktinstrumente.

2 Quelle: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von Morningstar. Siehe Plagge, Walker, Hon und Corlett-Roy, 2021. „Grundlagen und Vorteile kosteneffizienter Indexstrategien“, Vanguard. Um die Auswirkungen der Kosten auf die Nettoerträge zu quantifizieren, haben wir die Mehrrenditen von Managern zahlreicher Kategorien britischer Fonds über einen Zehn-Jahres-Zeitraum bis zum 31. Dezember 2020 in Relation zu ihren Kostenquoten gesetzt. Wie die Analyse zeigt, gehen höhere Kostenquoten meistens mit geringeren Mehrrenditen einher.

Die Prognosen des VCMM basieren auf statistischen Analysen und historischen Daten. Zukünftige Renditen können von den im VCMM erfassten historischen Mustern abweichen. Noch wichtiger ist jedoch, dass das VCMM extrem negative Szenarios unterschätzen kann, die in den historischen Zeiträumen, auf denen die Modellschätzungen beruhen, nicht vorkamen.

Das Vanguard Capital Markets Model® ist ein firmeneigenes Finanz-Simulationsinstrument. Es wurde von den primären Investment-Research- und Beratungsteams von Vanguard entwickelt und wird von diesen gewartet. Das Modell prognostiziert die Verteilung zukünftiger Renditen für zahlreiche Assetklassen. Zu diesen Assetklassen gehören die US-amerikanischen und internationalen Aktienmärkte, US-Treasuries und Unternehmensanleihen mit verschiedenen Laufzeiten, internationale Anleihemärkte, US-Geldmärkte, Rohstoffe sowie bestimmte alternative Anlagestrategien. Die theoretische und empirische Grundlage des Vanguard Capital Markets Model ist die Beziehung zwischen Rendite und Risiko: Die Renditen zahlreicher Assetklassen sind der von Anlegern im Gegenzug für bestimmte Arten von systematischem Risiko (Beta) verlangte Ausgleich. Das Modell beruht im Kern auf Schätzungen der dynamischen statistischen Beziehung zwischen Risikofaktoren und Asset-Renditen. Diese erhalten wir durch statistische Analyse monatlicher Finanz- und Wirtschaftsdaten, die bis in das Jahr 1960 zurückreichen. Mithilfe eines Systems von Gleichungsschätzungen führt das Modell eine Monte Carlo-Simulation durch, um die geschätzten Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren und Assetklassen sowie Ungewissheit und Zufälle langfristig zu prognostizieren. Das Modell generiert eine große Anzahl simulierter Ergebnisse für jede Assetklasse über verschiedene Zeiträume. Die Prognosen werden durch Berechnung der Zentraltendenzen in diesen Simulationen gewonnen. Die Ergebnisse des Modells variieren mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit.

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken

Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

Wichtige allgemeine Hinweise

Nur für professionelle Anleger (nach den Kriterien der MiFID II-Richtlinie), die auf eigene Rechnung investieren (einschließlich Verwaltungsgesellschaften (Dachfonds) undprofessionelle Kunden, die im Namen ihrer diskretionären Kunden investieren). In der Schweiz nur für professionelle Anleger. Nicht für die öffentliche Verbreitung bestimmt.

Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen sind nicht als Angebot oder Angebotsaufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren zu verstehen, wenn in einem Land einsolches Angebot oder eine solche Aufforderung rechtswidrig ist, wenn Personen betroffen sind, denen ein solches Angebot oder eine solche Aufforderung gesetzlich nicht gemachtwerden darf, oder wenn derjenige, der das Angebot oder die Aufforderung macht, dafür nicht qualifiziert ist. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen stellen keine Rechts-,Steuer- oder Anlageberatung dar. Sie dürfen sich deshalb bei Anlageentscheidungen nicht auf den Inhalt dieses Dokuments verlassen.

Im EWR herausgegeben von der Vanguard Group (Ireland) Limited, die in Irland von der irischen Zentralbank reguliert wird.

In der Schweiz herausgegeben von Vanguard Investments Switzerland GmbH.

Herausgegeben von Vanguard Asset Management, Limited, die in Großbritannien von der Financial Conduct Authority zugelassen ist und von ihr reguliert wird.

© 2022 Vanguard Group (Irland) Limited. Alle Rechte vorbehalten.

© 2022 Vanguard Investments Switzerland GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

© 2022 Vanguard Asset Management, Limited. Alle Rechte vorbehalten.