• Die Zahl der ESG-Anlageprodukte wächst, die Auswahl der richtigen Lösung wird immer mehr zum Kernbestandteil professioneller Beratung.
  • Da es keine Universallösung gibt, ist ein Gespräch über ESG und Ziele ein guter Ausgangspunkt.
  • Aktiv oder passiv? Engagement oder Verkauf? Dies sind nur einige der Fragen, die Berater:innen bei der Definition der Anlageziele ihrer Kund:innen beantworten müssen.

 

Ein Kommentar von Fong-Yee Chan, Head of ESG Strategy, Vanguard Europe.

Nachhaltigkeitsbewusste Anleger:innen können aus einer wachsenden Zahl von ESG-Lösungen auswählen, parallel ist der Marktanteil europäischer Fonds und ETFs, die Umwelt, Soziales und Governance in ihre Anlageprozesse integrieren, in den vergangenen vier Jahren von 8% auf 18% gestiegen1.

ESG ist mittlerweile Gegenstand jedes fünften Beratungsgesprächs, denn mit dem ESG-Anlageuniversum wächst auch der Beratungsbedarf2.

ESG-konforme Anlageprodukte und -prozesse können unterschiedliche Formen annehmen, von Stewardship (Förderung effektiver Unternehmensführung durch Engagement und Stimmrechtsvertretung) und ESG-Integration (Berücksichtigung materieller ESG-Informationen in der Wertpapieranalyse und Entscheidungsfindung) bis hin zu Produkten mit formellem ESG-Mandat oder -Label.

Um Berater:innen bei der Bewertung und Auswahl von ESG-Produkten zu helfen, hat Vanguard ein vierstufiges Modell entwickelt. Der erste Schritt: Definition der Kundenziele.

Werte, Wirkung oder Rendite?

Um die richtige ESG-Strategie finden, sollten Berater:innen ihre Kund:innen zunächst fragen, was diese erreichen möchten.

Manche wollen bestimmte ethische, moralische, religiöse, humanitäre, politische bzw. ökologische Überzeugungen zum Ausdruck bringen, aus denen sich die richtige ESG-Strategie ableitet. Zum Beispiel mag das Geschäftsmodell eines bestimmten Unternehmens legal sein, kann jedoch im Widerspruch zu den moralischen Werten bestimmter Kund:innen stehen. Diese Überzeugung kann so stark sein, dass Kund:innen auch auf eine Rendite verzichten.

Andere versprechen sich durch ESG vielleicht bessere Anlageergebnisse, etwa höhere risikobereinigte Renditen oder die Reduzierung bestimmter Risiken. Zum Beispiel können Anleger:innen in Unternehmen investieren, die erneuerbare Energie erzeugen, weil sie sich von dem Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft höhere Renditen versprechen.

Wieder andere wollen vielleicht einen positiven Beitrag zu einem bestimmten ESG-Thema leisten, das sie persönlich betrifft, indem sie sich zum Beispiel für bessere Arbeitsbedingungen in bestimmten Unternehmen oder Branchen einsetzen.

Denkbar ist auch, dass Anleger:innen bestimmte ESG-Auflagen (u. a. Ausschluss bestimmter Wertpapiere) einer externen Partei oder einer Aufsichtsbehörde erfüllen müssen.

Die Ziele können je nach Thema variieren und müssen sich nicht gegenseitig ausschließen; zum Beispiel können Anleger:innen sowohl eine Rendite als auch einen positiven ökologischen oder gesellschaftlichen Beitrag anstreben. Da es eine allgemeingültige Strategie nicht gibt, ist ein Gespräch über ESG und ESG-Ziele sinnvoll, bevor man sich für eine Strategie entscheidet.

Sind die Ziele klar, können die folgenden Fragen bei der Auswahl einer passenden Anlagelösung helfen:

Ausschluss oder Engagement?

In der Branche wird schon seit Langem diskutiert, ob Anleger:innen Unternehmen mit bestimmten Geschäftsbereichen ausschließen bzw. verkaufen sollten, oder ob ein Engagement zu ESG-Risiken der richtige Weg ist. Die richtige Wahl hängt in hohem Maße davon ab, welche Ziele Anleger:innen mit ihrer ESG-Strategie anstreben.

Wollen sie moralische Überzeugungen zum Ausdruck bringen, entscheiden sie ich wohl eher für einen Ausschluss bestimmter Sektoren, Wertpapiere oder Emittenten, die mit diesen Werten unvereinbar sind.

Möchten sie dagegen positive wirtschaftliche, soziale oder ökologische Veränderungen bewirken, ist eine Engagement-Strategie wahrscheinlich effektiver. Über ihren Fondsmanager sitzen Anleger:innen so mit am Tisch und können sich im Dialog mit den Führungs- und Aufsichtsgremien der Unternehmen für eine bessere Steuerung von ESG-Risiken einsetzen.

Vor der Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP26) in Glasgow im vergangenen Jahr betonte das britische Work and Pensions Committee, dass sich der Übergang zu einer kohlenstoffeffizienten Wirtschaft über Engagements sehr viel leichter gestalten lässt als über Verkäufe: „Die Förderung guter Unternehmensführung durch gute Stewardship ist wahrscheinlich der effektivere Weg, um das Nettonullziel zu erreichen,“ so das Fazit der Ausschussmitglieder3.

Vanguard bietet beide Strategien an. Da unsere Fonds langfristig an Unternehmen beteiligt sind, steht unser Investment Stewardship Team mit den Führungs- und Aufsichtsgremien dieser Unternehmen im Dialog zu ESG-Risiken, die die langfristige Wertschöpfung gefährden könnten.

Einige Anleger:innen wollen sich jedoch aus moralischen Gründen an bestimmten Unternehmen nicht beteiligen. Deshalb haben wir auch ESG-Indexfonds aufgelegt, mit denen diese Anleger:innen einzelne ESG-Risiken durch Screening anhand bestimmter Kriterien ganz vermeiden können, etwa durch den Ausschluss von Tabak- oder Waffenherstellern oder Erzeugern konventioneller Energie.

Sobald Sie die ESG-Ziele Ihres Kunden definiert haben, können Sie verschiedene Anlageprodukte prüfen und die richtige Lösung auswählen

Fong Yee Chan, Head of ESG Strategy, Vanguard Europe.

Aktiv oder passiv?

ESG-Strategien lassen sich sowohl über aktive als auch passive Fonds umsetzen, entscheidend sind auch hier die Ziele und das Risikoprofil des jeweiligen Kunden.

Aktive Manager können ESG-Kriterien auch ohne explizites ESG-Mandat in ihre Analyse und Wertpapierauswahl einfließen lassen. Und wie wir bereits erläutert haben, können Indexfonds ein ESG-Screening einsetzen, um bestimmte Wertpapiere aus ihrem Anlageuniversum entweder auszuschließen oder umgekehrt explizit auszuwählen bzw. über- oder unterzugewichten.

Wichtig ist: Sowohl aktive als auch passive Manager können mit den Unternehmen in ihren Portfolios einen Dialog aufnehmen und sich für die Steuerung wesentlicher Risiken, einschließlich ESG-Risiken, einsetzen. Externe Manager der Vanguard Aktien- und Multi-Asset-Fonds sind dabei für die Ausübung der Stimmrechte ihrer Beteiligungen vollständig selbst verantwortlich.

Auch bei der Entscheidung zwischen aktiven und passiven Anlagelösungen kommt es daher auf persönliche Ziele und Risikotoleranz an. Für Alpha-Strategien ist ein aktiver Fonds die richtige Wahl, für marktnahe Renditen dagegen eine passive Lösung.

ESG-Lösung oder Standardprodukt?

Einige der oben beschriebenen Methoden zur ESG-Umsetzung lassen sich auf alle Anlagelösungen anwenden (sogar Fonds ohne explizite ESG-Ziele), zum Beispiel Engagements und Stimmrechtsvertretung.

Auch „traditionelle“ Fondsmanager setzen seit Langem auf ESG-Integration. Einzelne Unternehmen, Branchen oder Länder mit nicht konformem ESG-Profil werden dabei nicht zwangsläufig ausgeschlossen, die Fondsmanager:innen achten jedoch bei der Wertpapierauswahl auf ESG-Risiken. Bei der Bewertung der Gewinnwachstumsaussichten eines Unternehmens könnte zum Beispiel ein bestimmter finanzrelevanter Governance-Aspekt eine Rolle spielen.

Wollen Anleger:innen in ihrem Portfolio jedoch bestimmte ESG-Schwerpunkte setzen, sind Anlageprodukte mit expliziter ESG-Komponente die bessere Wahl. Daher lohnt es sich, Wünsche und Ziele vorab zu definieren.

Anhand dieser Fragen können Berater:innen das ESG-Profil ihrer Kund:innen nachvollziehen. Weitere Informationen finden Sie in unserem praxisorientierten Entscheidungsmodell für ESG-Anleger:innen, das sie hier herunterladen können.

 

1 Europäisches ESG-Anlagevermögen in Prozent des gesamten europäischen Anlagevermögens (USD Bio.). Quelle: Morningstar Global Sustainable Fund Flows Report; Stand: 31. Dezember 2021.

2 Quelle: ESG Tracker Study Update, NextWealth, Oktober 2021.  ESG-Umfrage vom Juli/August 2021.

3 Pension Stewardship and COP26 – Report Summary, Work and Pensions Committee, 30. September 2021.

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken

Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

Wichtige allgemeine Hinweise

Nur für professionelle Anleger (nach den Kriterien der MiFID II-Richtlinie), die auf eigene Rechnung investieren (einschließlich Verwaltungsgesellschaften (Dachfonds) und professionelle Kunden, die im Namen ihrer diskretionären Kunden investieren).  In der Schweiz nur für professionelle Anleger. Nicht für die öffentliche Verbreitung bestimmt.

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