• Die höheren Zinssätze werden bleiben. Diese Entwicklung leitet die Rückkehr zu positiven Realzinsen ein, die die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte tiefgreifend verändern wird.
  • Für private Haushalte und Unternehmen erschweren höhere Zinsen die Kreditaufnahme, erhöhen die Kapitalkosten und machen Sparen attraktiver, für Regierungen werden sie eher früher als später eine Neubewertung der öffentlichen Haushalte notwendig machen.
  • Wir glauben, dass höhere Zinsen Anlegerinnen und Anlegern bei der Umsetzung ihrer langfristigen Finanzziele helfen werden, allerdings sind Volatilitätsausschläge in der Übergangsphase möglich.

 

Dieser Artikel ist eine gekürzte Fassung unseres globalen Ausblicks, der die wichtigsten Ergebnisse des vollständigen Vanguard Wirtschafts- und Marktausblicks zusammenfasst. Die Veröffentlichung des vollständigen Berichts ist für Mitte Dezember geplant. Lesen Sie die erweiterte Zusammenfassung des globalen Ausblicks.

In der Zusammenfassung unseres Wirtschafts- und Marktausblicks 2024 erläutern wir, warum wir auf absehbare Zeit höhere Zinsen erwarten. Diese Entwicklung leitet die Rückkehr zu einer soliden Geldpolitik ein, die die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte tiefgreifend verändern wird. Wir glauben, dass höhere Zinsen Anlegerinnen und Anlegern bei der Umsetzung ihrer langfristigen Finanzziele helfen werden, allerdings sind Volatilitätsausschläge in der Übergangsphase möglich.

2024 wird die restriktive Geldpolitik spürbar werden

Da die Inflation sinkt und die Gegenkräfte nachlassen, dürfte die Geldpolitik ihre real restritive Wirkung entfalten und die Wirtschaft in eine milde Rezession rutschen – die notwendig ist, um die Inflation endgültig auf das Zielniveau der Zentralbanken zu drücken. Allerdings sehen wir mehrere Risiken für unser Szenario: Eine „weiche Landung“, bei der die Inflation ohne Rezession auf das Zielniveau sinkt, ist weiterhin ebenso möglich wie eine spätere Rezession. Wegen anhaltend restriktiver Geld- und Haushaltspolitik erwarten wir in Europa schwaches Wachstum; in China rechnen wir dagegen mit weiteren Impulsen, um die Wirtschaft trotz wachsender externer und struktureller Probleme anzukurbeln.

"Kurzfristig halten wir weitere Volatilität für möglich, aus Sicht langfristiger Anlegerinnen und Anleger sind die höheren Zinsen jedoch die beste wirtschafts- und finanzpolitische Entwicklung der letzten 20 Jahre."

Joe Davis

Vanguard Global Chief Economist and Global Head of the Investment Strategy Group

Nullzinsen waren einmal

Eine Rezession schwächt die Nachfrage nach Arbeitskräften und das Lohnwachstum – und ist daher wohl eine notwendige Voraussetzung für die Eindämmung der Inflation. Erste Zinssenkungen erwarten wir in der zweiten Jahreshälfte 2024, wenn die Zentralbanken mehr Vertrauen in die Inflationsentwicklung haben.

Allerdings dürften sich die Leitzinsen auf einem höheren Niveau einpendeln als nach der globalen Finanzkrise oder während der Covid-Pandemie. Höhere Zinsen werden uns daher voraussichtlich nicht über Monate, sondern Jahre begleiten – eine strukturelle Veränderung, die über den nächsten Konjunkturzyklus hinaus Bestand haben wird und aus unserer Sicht die wichtigste finanzpolitische Entwicklung seit der Finanzkrise darstellt.

Die Vanguard Wirtschaftsprognosen 2024

Anmerkungen: Prognosen per 14. November 2023. Für die USA ist das BIP-Wachstum definiert als die Veränderung des BIP im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal, für alle anderen Länder und Regionen als die jährliche Veränderung der Gesamtwirtschaftsleistung im Prognosejahr gegenüber dem Vorjahr. Die Prognosen für die Arbeitslosigkeit entsprechen dem Durchschnitt für das vierte Quartal 2024. NAIRU (Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment) ist die inflationsneutrale Arbeitslosenquote, eine Kennzahl für das Gleichgewicht des Arbeitsmarktes. Die Kerninflation schließt die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise aus. Für die USA, die Eurozone und das Vereinigte Königreich ist die Kerninflation definiert als die Veränderung im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr, für China als die durchschnittliche jährliche Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Für die USA basiert die Kerninflation auf dem Kernindex der persönlichen Verbrauchsausgaben, für alle anderen Länder/Regionen auf dem Kernverbraucherpreisindex. Der neutrale Zinssatz ist der Gleichgewichtszinssatz, der weder die Wirtschaft noch die Finanzmärkte stimuliert oder bremst.

Quelle: Vanguard.

Anleihemarkt

Kurzfristig halten wir weitere Volatilität für möglich, aus Sicht langfristiger Anlegerinnen und Anleger sind die höheren Zinsen gleichwohl die beste wirtschafts- und finanzpolitische Entwicklung der letzten 20 Jahre. Wir haben unsere Renditeprognosen für die Anleihemärkte deutlich angehoben und gehen nun davon aus, dass Euroraum-Anleihen in den nächsten zehn Jahren eine nominale jährliche Rendite von 2,9 bis 3,9% abwerfen werden; vor Beginn der Zinserhöhungen hatten wir lediglich mit einer jährlichen Rendite von -0,5 bis 0,5% gerechnet. Für währungsgesicherte globale Anleihen, die außerhalb des Euroraums begeben wurden, erwarten wir in den nächsten zehn Jahren annualisierte Renditen von 2,8 bis 3,8%; als die Zinsen nahe oder unter der 0%-Marke lagen, hatten wir für die Assetklasse ebenfalls lediglich -0,5 bis 0,5% prognostiziert.

Bei diesem Zinsniveau sollte die Ertragskomponente der Anleiherenditen, Wiederanlage vorausgesetzt, die Kapitalverluste der vergangenen zwei Jahre letztlich mehr als ausgleichen, zum Ende des Jahrzehnts dürfte ein Anleiheportfolio daher mehr wert sein als in einem Alternativszenario ohne Zinserhöhungen.

Auch ein 60/40-Portfolio1 ist jetzt attraktiver als noch vor wenigen Jahren: Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger mit Mischportfolios ist die Wahrscheinlichkeit einer jährlichen Rendite von mindestens 5% in den kommenden zehn Jahren deutlich von annähernd 0% im Jahr 2021 auf heute 44% gestiegen.

Aktienmarkt

Höhere Zinsen drücken die globalen Aktienbewertungen, wegen höherer (Re-)Finanzierungskosten sinken gleichzeitig die Gewinnmargen der Unternehmen. Besonders teuer bewertet sind US-Aktien, weshalb wir unsere 10-Jahres-Renditeprognosen für die Assetklasse für Anlegerinnen und Anleger aus dem Euroraum von 3,1 bis 5,1% pro Jahr auf 2,4 bis 4,4% ab 2023 gesenkt haben. US-Value-Aktien sind so günstig bewertet wie zuletzt Ende 2021, und auch Small-Cap-Aktien erscheinen langfristig attraktiv.

Der US-Aktienmarkt hat andere Märkte auch in den letzten zwei Jahren abgehängt, was vor allem an steigenden Bewertungen und der Stärke des US-Dollars lag; beide liegen inzwischen über unseren Fair-Value-Schätzungen, in beiden Fällen erwarten wir eine Trendumkehr. Tatsächlich deuten die Prognosen des Vanguard Capital Markets Model® (VCMM) darauf hin, dass andere Aktienmärkte mehr Potenzial bieten könnten: Für die Aktienmärkte der Industrieländer ohne die USA erwarten wir in den kommenden zehn Jahren annualisierte Renditen von 5,0 bis 7,0%, für Aktien aus dem Euroraum 4,3 bis 6,3% und für Schwellenländeraktien 4,6 bis 6,6% (jeweils für Anlegerinnen und Anleger aus dem Euroraum).

Die Rückkehr zu positiven Realzinsen

Für private Haushalte und Unternehmen erschweren höhere Zinsen die Kreditaufnahme, erhöhen die Kapitalkosten und machen Sparen attraktiver, für Regierungen werden höhere Zinsen eher früher als später eine Neubewertung der öffentlichen Haushalte notwendig machen.

Für Anlegerinnen und Anleger mit gut diversifizierten Portfolios sind dauerhaft höhere Zinsen jedoch eine willkommene Entwicklung, schließlich bilden sie eine solide Grundlage für langfristige risikobereinigte Erträge. Der Übergang in ein Hochzinsumfeld ist allerdings noch nicht abgeschlossen, kurzfristig rechnen wir daher mit anhaltend hoher Volatilität an den Finanzmärkten.

 

WICHTIGER HINWEIS: Die Prognosen sowie andere Informationen, die von dem Vanguard Capital Markets Model® (VCMM) generiert werden und die Wahrscheinlichkeit verschiedener Anlageergebnisse zum Gegenstand haben, sind naturgemäß hypothetisch, stellen keine tatsächlichen Anlageergebnisse dar und garantieren keine zukünftigen Erträge. Die Verteilung der Renditeergebnisse des VCMM wird aus 10.000 Simulationen für jede modellierte Assetklasse abgeleitet. Simulationen per 30. September 2023. Die Ergebnisse des Modells können mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit variieren. Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt „Hinweise“.

Anmerkungen:

WICHTIGER HINWEIS: Die Prognosen sowie andere Informationen, die von dem Vanguard Capital Markets Model generiert werden und die Wahrscheinlichkeit verschiedener Anlageergebnisse zum Gegenstand haben, sind naturgemäß hypothetisch, stellen keine tatsächlichen Anlageergebnisse dar und garantieren keine zukünftigen Erträge. Die Verteilung der Renditeergebnisse des VCMM wird aus 10.000 Simulationen für jede modellierte Assetklasse abgeleitet. Simulationen per 30. September 2022. Die Ergebnisse des Modells können mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit variieren. Die Prognosen des VCMM basieren auf statistischen Analysen und historischen Daten. Zukünftige Renditen können von den im VCMM erfassten historischen Mustern abweichen. Noch wichtiger ist jedoch, dass das VCMM extrem negative Szenarios unterschätzen kann, die in den historischen Zeiträumen, auf denen die Modellschätzungen beruhen, nicht vorkamen.

Das Vanguard Capital Markets Model® ist ein proprietäres Finanzsimulationstool, das von der Investment Strategy Group von Vanguard entwickelt und gepflegt wird. Das Modell prognostiziert die Verteilung zukünftiger Renditen für zahlreiche Assetklassen. Zu diesen Assetklassen gehören die US-amerikanischen und internationalen Aktienmärkte, US-Treasuries und Unternehmensanleihen mit verschiedenen Laufzeiten, internationale Anleihemärkte, US-Geldmärkte, Rohstoffe sowie bestimmte alternative Anlagestrategien. Die theoretische und empirische Grundlage des Vanguard Capital Markets Model ist die Beziehung zwischen Rendite und Risiko: Die Renditen zahlreicher Assetklassen sind der von Anlegern im Gegenzug für bestimmte Arten von systematischem Risiko (Beta) verlangte Ausgleich. Den Kern des Modells bilden Schätzungen der dynamischen statistischen Beziehung zwischen Risikofaktoren und Vermögensrenditen, die durch statistische Analysen auf der Grundlage verfügbarer monatlicher Finanz- und Wirtschaftsdaten gewonnen werden. Mithilfe eines Systems von Gleichungsschätzungen führt das Modell eine Monte Carlo-Simulation durch, um die geschätzten Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren und Assetklassen sowie Ungewissheit und Zufälle langfristig zu prognostizieren. Das Modell generiert eine große Anzahl simulierter Ergebnisse für jede Assetklasse über verschiedene Zeiträume. Die Prognosen werden durch Berechnung der Zentraltendenzen in diesen Simulationen gewonnen. Die Ergebnisse des Modells variieren mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit.

 

 

1 In unserer Analyse wird das Portfolio mit einer Aktien-/Anleiheallokation von 60 zu 40 durch folgende Indizes dargestellt: Aktien: MSCI AC World Total Return Index. Anleihen: Bloomberg Global Aggregate Bond Index Euro Hedged.
 

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