In diesem Kommentar erläutert John Galloway, Vanguard Global Head of Investment Stewardship, wie sich Vanguard für die Steuerung langfristiger ESG-Risiken einsetzt.

Wie definiert Vanguard Investment Stewardship und warum ist das wichtig?

Galloway: Investment Stewardship ist unser wichtigstes Instrument zur Sicherung und Förderung langfristiger Renditen und Wertschöpfung in unseren intern verwalteten Aktienfonds. Das Programm orientiert sich an unserer Kernaufgabe: Vanguard steht für Fairness und Transparenz und ist nur den Interessen und dem Erfolg aller Anleger:innen verpflichtet.

Im Rahmen des Programms analysieren und identifizieren wir Corporate Governance-Richtlinien, die für die langfristige Wertschöpfung relevant sind, und setzen uns dafür ein, dass Unternehmen diese umsetzen. Auch öffentlich treten wir weltweit für höchste Corporate Governance-Standards ein.

Wir führen Gespräche mit den Führungs- und Aufsichtsgremien von Unternehmen, in denen wir unsere Erwartungen erläutern und uns informieren, wie Unternehmen den Shareholder Value fördern. Zusätzlich vertreten wir die Stimmrechte unserer Fonds auf Aktionärsversammlungen, denn Aktionär:innen können durch Stimmrechtsbevollmächtigte über Themen abstimmen lassen, die sich auf das Finanzprofil eines Unternehmens auswirken, selbst wenn sie persönlich nicht an der Versammlung teilnehmen können.

Für uns gilt dabei der wichtige Grundsatz, dass wir nicht in die Strategie oder operative Entscheidungen von Unternehmen eingreifen – was auch der Natur unserer Indexfonds entspricht. Vielmehr konzentrieren wir uns ausschließlich auf gute Unternehmensführung und die Steuerung von Risiken, die den Wert eines Unternehmens beeinträchtigen könnten.

Wie unterscheidet sich Investment Stewardship in aktiven und passiven Fonds voneinander?

Galloway: Ein Indexfonds investiert in die Aktien eines Marktindex und hält so lange an diesen Aktien fest, wie sie im Index enthalten sind. Indexfonds können nicht einfach mehr oder weniger Aktien kaufen oder verkaufen, als im Index enthalten sind, unabhängig davon, wie wir die Corporate Governance eines Unternehmens einschätzen. Wir sehen dies als Chance und nicht als Einschränkung, denn wir sind von der Bedeutung aktiver Engagements überzeugt.

Wir fördern und sichern den Wert der Beteiligungen unserer Indexfonds durch einen Dialog mit den Führungs- und Aufsichtsgremien der Unternehmen in unseren Portfolios, in dem wir unsere Governance-Überzeugungen zum Ausdruck bringen. Und wenn nötig, ziehen wir die Mitglieder dieser Gremien durch Ausübung unserer Stimmrechte für Versäumnisse in der Risikoüberwachung zur Verantwortung oder setzen uns für Aktionärsanträge ein, die nach unserer Einschätzung im langfristigen Interesse unserer Fondsanleger:innen sind.

Wir verstehen Engagements als kontinuierliche Gespräche, die sich über Monate oder sogar Jahre ziehen können. Die Unternehmen in unseren Portfolios wissen, dass wir nicht auf das nächste Quartal oder das kommende Jahr blicken, sondern auf langfristige Wertschöpfung über Jahre und Jahrzehnte.

In aktiven Fonds wählt ein(e) Portfoliomanagerin Aktien aus, um einen Benchmark-Index zu übertreffen; dabei kann man Stimmrechtsausübung und Engagements als ergänzendes Instrument einsetzen, um im Namen der Fondsanleger:innen Einfluss auf das Unternehmen auszuüben[1].

Wodurch zeichnet sich gute Unternehmensführung aus Ihrer Sicht aus?

Galloway: Das Vanguard Investment Stewardship-Programm beruht auf vier Prinzipien guter Unternehmensführung: Erstens: Die Mitglieder der Aufsichtsgremien vertreten unsere Interessen (und natürlich auch die anderer Aktionär:innen), weshalb die Zusammensetzung und Effizienz dieses Gremiums von großer Bedeutung ist. Zweitens: Das Aufsichtsgremium ist für die Kontrolle der Unternehmensstrategie und wesentlicher Risiken verantwortlich.

Drittens: Die Vergütung von Führungskräften sollte an die langfristige Wertentwicklung des Unternehmens geknüpft sein und Anreize für eine überdurchschnittliche Wertentwicklung setzen. Viertens: Robuste und geschützte Aktionärsrechte müssen Aktionären wie Vanguard die Möglichkeiten einräumen, den Shareholder Value durch Einsatz ihrer Stimme und Stimmrechte zu sichern und zu fördern.

Die Unternehmen in unseren Portfolios unterliegen unterschiedlicher Regulierung, die Gesetzgebung ist je nach Land anders und verändert sich in einigen Märkten schneller als in anderen. Es ist wichtig, dass wir solche Unterschiede verstehen. Wir halten uns konsequent an unsere vier Grundprinzipien, passen unsere Prozesse und Erwartungen an einzelne Unternehmen jedoch dem regionalen Umfeld an.

Wie viel Zeit wenden Sie für Aktionärsanträge mit sozialen oder ökologischen Schwerpunkten auf (im Vergleich zu reinen Governance-Themen)?

Galloway: In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Unternehmensführung in Industrieländern so weit entwickelt, dass der Zusammenhang zwischen Shareholder Value und Governance-Aspekten wie der Zusammensetzung von Gremien, effektiven und unabhängigen Wirtschaftsprüfern und abgestimmten Vergütungsstrukturen für Führungskräfte im Allgemeinen nicht mehr bezweifelt wird.

Daher sprechen wir mit Unternehmen vor allem über ihre Governance. Wir analysieren jedoch auch, wie Aufsichtsräte neue und absehbare relevante ökologische oder soziale Themen überwachen, die den Shareholder Value langfristig steigern oder mindern könnten..

Welche Governance-Trends sind Ihnen im vergangenen Jahr aufgefallen?

Galloway: Im Mittelpunkt steht nach wie vor der Umgang mit dem Klimawandel. Vor allem in Europa und im Vereinigten Königreich, aber auch in den USA, hat die Debatte neue Formen angenommen, z. B. durch sogenannte „Say on Climate“-Abstimmungsanträge, die Unternehmen auffordern, Klimarisiken, -ziele und -übergangspläne transparent darzustellen.

Auch Themen wie Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration erhalten mehr Aufmerksamkeit. Investoren sehen genau hin, wie Unternehmen ein angemessenes Maß an Vielfalt in ihren Management Teams und in ihrer Belegschaft gewährleisten.

Immer mehr Unternehmen veröffentlichen Statistiken zu diesem Thema, stellen Strategien zu entsprechenden Risiken vor und kommunizieren ihre Fortschritte.

Ein weiterer wichtiger Trend, den ich erwähnen möchte, ist Lobbytransparenz. Entsprechende Berichte helfen Anleger:innen, Risiken abzuschätzen und festzustellen, ob die langfristige Strategie eines Unternehmens und seine Lobbyarbeit miteinander in Einklang stehen.

Erfahren Sie mehr über das Vanguard Investment Stewardship-Programm, unsere Corporate Governance-Prinzipien und Einschätzungen unserer Stewardship-Spezialisten.

 


John Galloway, Global head of investment stewardship

John Galloway ist Leiter des Vanguard Investment Stewardship-Programms, das die Beteiligungen der Vanguard Fonds überwacht und sich bei Portfolio-Unternehmen durch Engagement und Stimmrechtsvertretung für hohe Governance-Standards einsetzt. Galloway kam im Jahr 2017 zu Vanguard, nachdem er zuvor mehrere Jahre in leitende Positionen im Weißen Haus und im Office of Management and Budget innehatte, unter anderem als Special Assistant des President und Chief of Staff des National Economic Council. Nach einem Bachelor-Abschluss an der Georgetown University begann er seine Karriere bei Atlantic Media und hatte mehrere leitende Positionen bei der Advisory Board Company inne.
 


 

[1]Extern verwaltete Vanguard Fonds verantworten ihre Stewardship-Programme in Eigenregie und integrieren ihre Stewardship-Prinzipien in ihre Anlageprozesse.


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