Ein Kommentar von Edoardo Cilla, Senior Investment Strategist, Investment Strategy Group, Vanguard Europe, und Lukas Brandl-Cheng, Investment Strategy Analyst, Investment Strategy Group, Vanguard Europe

In zahlreichen Industrieländern hat die Inflation den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreicht, viele Anleger fürchten negative Realrenditen. Nach einer aktuellen Schätzung von Eurostat lag die Inflation im Euroraum im Dezember bei 5% – ein Rekordwert.

In unserem Wirtschafts- und Marktausblick 2022 gehen wir davon aus, dass die Inflation in den meisten Volkswirtschaften in den ersten sechs Monaten des Jahres weiter ansteigen und sich erst in der zweiten Jahreshälfte wieder auf ihren Zielwert zubewegen wird.

Doch selbst dann müssten Anleger mit einer höheren Inflation rechnen als in den Jahren vor der Pandemie; zum Jahresende dürfte die Rate bei knapp über 2% liegen. Natürlich sind unsere Erwartungen eben nur Erwartungen, auch eine anhaltend hohe Inflation ist also denkbar.

Doch unabhängig davon, ob die Inflation anhält oder wieder sinkt – die Sorgen der Anleger sind in jedem Fall sehr real. In einer Umfrage von Vanguard vom vergangenen Dezember nannten die meisten der befragten Anleger (36%)1 höhere Inflation als das größte Risiko für Wirtschaft und Märkte im neuen Jahr. Wegen der korrosiven Wirkung steigender Preise haben wir untersucht, mit welchen Vermögenswerten Anleger ihr Portfolio am besten vor Inflation schützen können.

Inflations-Beta und Volatilität

Der kurzfristige Inflationsschutz einer Assetklasse lässt sich am besten an seiner Inflationssensitivität (Beta) messen. Das Beta unterscheidet sich von der Korrelation, die nur den Gleichlauf zwischen den Renditen eines bestimmten Vermögenswerts und der Inflation erfasst, denn es zeigt nicht nur die Richtung dieses Gleichlaufs an, sonderen auch dessen Ausmaß.

Das Inflations-Beta ist definiert als das Ausmaß, in dem die Rendite eines Vermögenswerts steigt, wenn die Inflation um 1 Prozentpunkt steigt; es zeigt also an, wie gut dieser Vermögenswert tatsächlich vor Inflation schützt. Ein Vermögenswert mit einem Beta von 1 steigt und fällt im Durchschnitt in gleichem Ausmaß wie die Inflation.

Für unsere Analyse haben wir die Einjahresrenditen mit der Einjahresveränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) des Euroraums verglichen; so haben wir das Inflations-Beta verschiedener Anlageklassen berechnet und konnten einschätzen, wie gut die jeweilige Assetklasse kurzfristig vor Inflation schützt. Wie in der nachstehenden Grafik zu erkennen ist, konnten Anleger im Euroraum ihr Portfolio in der Vergangenheit am besten mit Rohstoffen (seit 1992)2 und Gold absichern. Das Inflations-Beta globaler und europäische Aktien lag dagegen unter 1.

Kurzfristiger Inflationsschutz verschiedener Assetklassen

Quellen: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von Bloomberg und der OECD. Hinweis: Die Volatilität entspricht der Standardabweichung der rollierenden annualisierten Einjahresrenditen in monatlichen Intervallen. Das Inflations-Beta ist definiert als das Ausmaß, in dem die Rendite eines Vermögenswerts steigt, wenn die Inflation um 1 Prozentpunkt steigt. Beobachtungszeitraum: 31. Januar 1976 bis 31. Oktober 2021. Aufgrund der Datenverfügbarkeit beginnt der Beobachtungszeitraum für globale Anleihen, Euro Aggregate Bonds, inflationsgebundene Anleihen und Staatsanleihen am 31. Dezember 2000. Der MSCI EMU wurde im Jahr 1998 aufgelegt, für den vorangegangenen Zeitraum verwenden wir die Renditedaten des MSCI Europe. Als Näherungswert für die Inflation der Eurozone vor 1990 verwenden wir BIP-gewichtete Inflation von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Wir zeigen die Analyse von Rohstoffen sowohl für den am 31. Januar 1972 als auch für den am 31. Januar 1992 beginnenden Beobachtungszeitraum, um deutlich zu machen, dass die Inflationsabsicherungseigenschaften von Rohstoffen vom Umfeld abhängen.Für die Berechnung wurden folgende Indizes verwendet: Aktien Welt - MSCI World Net Total Return Index; Aktien der Eurozone - MSCI EMU Net Total Return Index; Anleihen Welt (abgesichert) - Bloomberg Global Aggregate Total Return Index (Hedged EUR); Anleihen der Eurozone - Bloomberg EuroAgg Total Return Index; inflationsgebundene Anleihen - Bloomberg Euro Govt Inflation-Linked Bond All Maturities Total Return Index; Staatsanleihen - ICE BofA Euro Government Index; Rohstoffe - S&P GSCI Index Spot; Gold - Gold Spot.

Ein hohes Inflations-Beta bedeutet jedoch nicht, dass ein bestimmter Vermögenswert risikofrei ist. Rohstoffe und Gold sind volatiler – und können daher das Risikoprofil eines Portfolios deutlich verändern.

Auch sollten Anleger nicht vergessen, dass Rohstoffe aus Sicht eines Anlegers im Euroraum mit Wechselkursrisiken behaftet sind (sofern diese nicht entsprechend abgesichert werden). Außerdem hängt die Wertentwicklung von Rohstoffen nicht allein von der Inflation ab.

Aktien schützen langfristig vor steigenden Preisen

Mit Aktien konnten Anleger längerfristig in der Regel Renditen erzielen, die die Inflation überstiegen. Die zweite Grafik zeigt den Anteil der positiven Realrenditen (Renditen über der Inflationsrate) von Aktien und Rohstoffen über 5, 10 und 20 Jahre.

Wie die Ergebnisse deutlich machen, hatten Anleger mit globalen Aktien die besten Chancen auf eine positive Realrendite – im Vergleich zu Rohstoffen bei insgesamt niedrigerem Risiko.

Anteil der positiven Realrenditen von Gold, Rohstoffen und Aktien

Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Erträge.

Quellen: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von Bloomberg und der OECD.

Hinweise: Die Grafik zeigt den Anteil der positiven Realrenditen über 5, 10 und 20 Jahre. Beobachtungszeitraum der monatlichen Daten: 31. Januar 1975 bis 31. Oktober 2021. Die Volatilität wird für die monatlichen Renditen des gesamten Beobachtungszeitraums berechnet. Für die Berechnung wurden folgende Indizes verwendet: Aktien Welt – MSCI World Net Total Return Index; Aktien der Eurozone – MSCI EMU Net Total Return Index; Rohstoffe – S&P GSCI Index Spot; Gold – Gold Spot.

Langfristig haben sich globale Aktien als effektive Absicherung gegen Inflationsrisiken bewährt. Über kürzere Zeiträume können Anleger mit Rohstoffen und Gold eher positive Realrenditen erzielen, müssen dafür aber eine höhere Renditevolatilität in Kauf nehmen als mit Aktien, was Wertschwankungen im Portfolio wahrscheinlicher macht.

Außerdem mögen sich Vermögenswerte mit hohem Inflations-Beta zwar bei hoher Inflation bewähren; tritt dieses Szenario jedoch nicht ein, müssen Anleger im Vergleich zu einem traditionellen Aktien-/Anleiheportfolio unter Umständen eine niedrigere Rendite in Kauf nehmen. Anlagestrategien auf Grundlage von Gold und Rohstoffen bergen längerfristig gewisse Prognoserisiken, Anlegern könnte zudem die langfristige Aktienrisikoprämie entgehen.

Eine langfristige Strategie zahlt sich aus

Wer wegen steigender Inflation um seine Renditen fürchtet, sollte vor einer Neuausrichtung seines Portfolios seinen Anlagehorizont und seine Risikotoleranz beachten. Ein global diversifiziertes Aktien-/Anleiheportfolio ist für die meisten Anleger die richtige Wahl und lässt sich bei Bedarf anpassen, wenn sich die persönlichen Umstände oder Ziele ändern.

Zur Prognose von Kapitalmarktrenditen haben wir das Vanguard Capital Markets Model (VCMM) entwickelt. Mithilfe des Modells haben wir analysiert, welche Realrenditen für Anleger aus dem Euroraum mit einem global diversifizierten 60/40-Portfolio in den kommenden 10 bis 30 Jahren realistisch sind. Nach unseren Berechnungen können Anleger in den kommenden 30 Jahren mit einem 60/40-Portfolio eine Realrendite von durchschnittlich rund 3% pro Jahr erwarten3.

In den nächsten zehn Jahren erwarten wir allerdings niedrigere Realrenditen, weshalb es umso mehr auf Kosteneffizienz ankommt.

 

1 Quelle: Vanguard; Stand: 6. Dezember 2021. Anzahl Umfrageteilnehmer: 126.

2 Die Beziehung zwischen Rohstoffen (in aggregierter Form) und der Inflation im Euroraum ist offenbar zeitabhängig: Nach den frühen 1990er Jahren lag ihr Beta meist über 1, in den 1970er Jahren trugen sie dagegen nicht zur Inflationsabsicherung bei.

3 Quelle: Vanguard; Stand: 30. September 2021. Hinweis: Diese Prognosen beruhen auf der Verteilung von 10.000 VCMM-Simulationen der annualisierten 10-Jahres- und 30-Jahres-Realrenditen in Euro eines Portfolios, das zu 60% aus globalen Aktien und zu 40% aus globalen Anleihen besteht. Globale Aktien und globale Anleihen werden dargestellt durch den MSCI AC World Index bzw. den Bloomberg Global Agg Index. Alle Indizes in EUR.

WICHTIGER HINWEIS: Die Prognosen sowie andere Informationen, die von dem Vanguard Capital Markets Model® (VCCM) generiert werden und die Wahrscheinlichkeit verschiedener Anlageergebnisse zum Gegenstand haben, sind naturgemäß hypothetisch, stellen keine tatsächlichen Anlageergebnisse dar und garantieren keine zukünftigen Erträge.

Die Verteilung der Renditen des VCMM wird aus 10.000 Simulationen für jede modellierte Assetklasse abgeleitet. Die Ergebnisse des Modells können mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit variieren. Die Prognosen des VCMM basieren auf statistischen Analysen und historischen Daten. Zukünftige Renditen können von den im VCMM erfassten historischen Mustern abweichen. Noch wichtiger ist jedoch, dass das VCMM extrem negative Szenarios unterschätzen kann, die in den historischen Zeiträumen, auf denen die Modellschätzungen beruhen, nicht vorkamen.

Das Vanguard Capital Markets Model® ist ein firmeneigenes Finanz-Simulationsinstrument. Es wurde von den primären Investment-Research- und Beratungsteams von Vanguard entwickelt und wird von diesen gewartet. Das Modell prognostiziert die Verteilung zukünftiger Renditen für zahlreiche Assetklassen. Zu diesen Assetklassen gehören: US-amerikanische und internationale Aktienmärkte, die Märkte für mehrere US Treasury-Laufzeiten und Unternehmensanleihen, internationale Rentenmärkte, US-Geldmärkte, Rohstoffe sowie bestimmte alternative Anlagestrategien. 
Die theoretische und empirische Grundlage des Vanguard Capital Markets Model ist die Beziehung zwischen Rendite und Risiko: Die Renditen zahlreicher Assetklassen sind der von Anlegern im Gegenzug für bestimmte Arten von systematischem Risiko (Beta) verlangte Ausgleich. Das Modell beruht im Kern auf Schätzungen der dynamischen statistischen Beziehung zwischen Risikofaktoren und Asset-Renditen. Diese erhalten wir durch statistische Analyse monatlicher Finanz- und Wirtschaftsdaten, die bis in das Jahr 1960 zurückreichen. Mithilfe eines Systems von Gleichungsschätzungen führt das Modell eine Monte Carlo-Simulation durch, um die geschätzten Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren und Assetklassen sowie Ungewissheit und Zufälle langfristig zu prognostizieren. Das Modell generiert eine große Anzahl simulierter Ergebnisse für jede Assetklasse über verschiedene Zeiträume. Die Prognosen werden durch Berechnung der Zentraltendenzen in diesen Simulationen gewonnen. Die Ergebnisse des Modells variieren mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit. 

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken

Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

Die frühere Wertentwicklung gibt keinen verlässlichen Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.

Die simulierte frühere Wertentwicklung gibt keine verlässlichen Hinweise auf zukünftige Ergebnisse.

Jegliche Prognosen sollten als hypothetischer Natur betrachtet werden und spiegeln keine zukünftigen Ergebnisse wider bzw. garantieren diese nicht.

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