Due Diligence
Synthetische ETFs, die einen Index nach dem Unfunded Model replizieren, erfordern einen höheren Prüfungsaufwand. Erstens können die Wertpapiere im Trägerportfolio (die häufig von der Swap-Gegenpartei ausgewählt werden) weniger liquide sein als die Indexkomponenten. Wer in einen synthetischen ETF investiert, sollte daher auf der Website des ETF-Anbieters das Trägerportfolio überprüfen.
Zweitens weicht das Risiko-/Renditeprofil des Trägerportfolios in der Praxis häufig von dem des Index ab, den der synthetische ETF abbilden soll. Neben der Qualität des Trägerportfolios sollten Beraterinnen und Berater daher auch überprüfen, ob dessen Struktur mit dem Risiko-/Renditeprofil der Kundin oder des Kunden übereinstimmt – was sich als schwierig herausstellen kann. Die meisten Anbieter synthetischer ETFs veröffentlichen die Bestandteile ihres Trägerportfolios täglich auf ihrer Website, historische Bestandsdaten sind dagegen nur schwer erhältlich. Daher lässt sich nur schwer nachvollziehen, wie sich die Zusammensetzung des Trägerportfolios im Vergleich zum Basisindex im Laufe der Zeit verändert.
Fully Funded Model
Unter dem Fully Funded Model überträgt der ETF die Einlagen der Anlegerinnen und Anleger an die Swap-Gegenpartei, die im Gegenzug die Indexrendite an den ETF auszahlt. Zur besseren Risikosteuerung werden Sicherheiten bei einer externen Partei hinterlegt, z. B. einer Depotbank.
Die Sicherheiten können entweder auf den ETF übertragen (Eigentumsübertragung) oder an diesen verpfändet werden (Verpfändungsvereinbarung). Bei einer Eigentumsübertragung überträgt die Verwahrstelle im Falle eines Ausfalls der Gegenpartei Vermögenswerte aus dem Sondervermögen an den ETF. Bei einer Verpfändungsvereinbarung werden die Sicherheiten dagegen auf ein verpfändetes Konto der Gegenpartei gebucht, der ETF hat also keinen direkten Zugriff auf die Vermögenswerte.
Beraterinnen und Berater, die synthetische ETFs für ihre Kundinnen und Kunden kaufen, sollten daher stets die Zusammensetzung der Sicherheitskörbe überprüfen.
Einige, aber nicht alle ETF-Anbieter veröffentlichen diese Information auf ihrer Website. Nach der OGAW-Richtlinie müssen die Sicherheiten bestimmte Liquiditäts- und Diversifizierungsanforderungen erfüllen. Viele Manager synthetischer ETFs reduzieren Gegenparteirisiken zusätzlich durch Besicherung von 100% oder mehr.
Genau wie beim Trägerportfolio unterscheidet sich die Zusammensetzung des Sicherheitskorbs von der des Index. In Phasen größerer Kursschwankungen kann es passieren, dass die als Sicherheiten hinterlegten Wertpapiere an Liquidität verlieren, insbesondere außerhalb der Handelszeiten der jeweiligen Märkte.
Zielkonflikt zwischen Tracking Error und Transparenz
Vor allem in weniger liquiden Märkten wie den Aktienmärkten der Schwellenländer, die physische ETFs häufig durch Sampling oder Optimierung abbilden, haben synthetische ETFs meist einen niedrigeren Tracking Error.
Im Gegenzug für den besseren Tracking Error sind synthetische ETFs jedoch weniger transparent als physische, wenn es um die Tracking Difference geht, also die Differenz zwischen Indexrendite und Fondsrendite.3 Die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Tracking Difference von synthetischen ETFs sind die laufenden Kosten und die Swap-Spreads. Die laufenden Kosten erhöhen die Tracking Difference eines ETF, der Swap-Spread kann sich dagegen sowohl positiv als auch negativ auswirken.
Eine genaue Aufschlüsselung der Tracking Difference synthetischer ETFs ist grundsätzlich schwierig: Die laufenden Kosten (Gebühren) sind bekannt, Informationen zum Swap-Spread werden dagegen seltener veröffentlicht. Würden die Swap-Anbieter Kosten und Reset-Mechanismen der Swaps veröffentlichen, wären synthetische ETFs transparenter.
Worauf es bei synthetischer Replikation ankommt