Ein Kommentar von Mohneet Dhir, Multi-Asset Produkt Specialist von Vanguard Europe

 

  • Mit Anleihen können Anleger:innen ihre Portfolios weiterhin wirksam vor Aktienmarktvolatilität schützen.
  • Durch höhere Zinsen steigen auch die langfristigen Renditeprognosen für Anleihen.
  • Untersuchungen deuten darauf hin, dass Aktien auf risikobereinigter Basis langfristig am besten vor Inflation schützen.

 

2022 war ein schwieriges Jahr für Anleger:innen mit einem Multi-Asset-Portfolio – an den Aktien- und Anleihemärkten fielen die Kurse praktisch im Gleichschritt.1 Natürlich hat diese Entwicklung auch Zweifel an traditionellen Mischportfolios aus Aktien und Anleihen genährt und die Mythenbildung zum Thema Multi-Asset-Investing verstärkt.

Doch in einem volatilen Marktumfeld sollten sich Anleger:innen vor allem auf ihre langfristigen Ziele konzentrieren. Daher wollen wir diese Mythen entzaubern und die langfristigen Vorteile von Multi-Asset-Portfolios aufzeigen.

Mythos 1: Anleihen können Aktienrisiken nicht ausreichend diversifizieren.

Anleihen hatten nicht einfach nur ein schlechtes Jahr, sondern das mit Abstand schlechteste seit Auflegung des Bloomberg Global Aggregate Bond Index im Jahr 1990.2

Mit Anleihen wollen langfristig orientierte Anleger:innen vor allem ihr Portfolio diversifizieren und vor Aktienmarktvolatilität schützen. Da in diesem Jahr sowohl an den Aktien- als auch an den Anleihemärkten die Kurse gefallen sind, überrascht die Diskussion um den Sinn einer Anleiheallokation in einem diversifizierten Portfolio daher nicht wirklich.

Doch Vanguard Analysen zeigen, dass gleichzeitige Kursrückgänge bei Aktien und Anleihen gar nicht so ungewöhnlich sind: Seit 1995 warfen die beiden Assetklassen etwa 13% der Zeit gleichzeitig Verluste ab, wie das nachstehende Diagramm deutlich macht. Im Durchschnitt fallen die Aktien- und Anleihekurse also etwa alle sieben Monate für einen Monat parallel.

Schaut man jedoch weiter zurück, werden gleichzeitige Kursrückgänge seltener, zumal die Kurse beider Assetklassen in unserem Beobachtungszeitraum niemals in drei Jahren in Folge fielen und selbst einjährige Verlustphasen selten waren.

In der Vergangenheit konnten sich diversifizierte Aktien-/Anleiheportfolios innerhalb weniger Monate erholen

Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Erträge.

Quelle: Vanguard. Hinweise: Die Daten entsprechen den rollierenden Gesamtrenditen während der abgebildeten Zeiträume; monatliche Gesamtrenditen bei reinvestierten Dividenden und Erträgen für den Zeitraum von Februar 1999 bis Mai 2022. Globale Aktien werden durch den FTSE All-World Index und globale Anleihen durch den währungsgesicherten Bloomberg Global Aggregate Index dargestellt. Renditen in Euro.

 

Trotz der Verluste in diesem Jahr sind Anleihen aus unserer Sicht daher weiterhin das beste Gegengewicht zu Aktien Außerdem schützen Anleihen in der Regel gegen Verkaufswellen in Rezessionsphasen, von denen Risikoaktiva in Zeiten schwacher Konjunktur häufiger betroffen sind.

Mythos 2: Steigende Zinsen sind schlecht für Anleihen.

Erwarten die Märkte steigende Zinsen, fallen in der Regel die Kurse von Anleihen. Doch wie unsere Analysen zeigen, konnten Anleger:innen auch in Phasen schneller Zinserhöhungen von einer globalen, währungsgesicherten Anleihe-Allokation profitieren. Beispiel USA: Auch als die Zinsen zwischen Juni 2004 und Juli 2005 um 4,25 Prozentpunkte stiegen, gehörten währungsgesicherte globale Anleihen zu den besten Risikodiversifikatoren.3

Und langfristig bedeuten höhere Zinsen auch höhere Zinserträge, die für die Gesamtrendite deutlich wichtiger sind als steigende Anleihekurse, wie die nächste Grafik deutlich macht.

Für die Rendite einer Anleihe sind die Kuponzahlungen entscheidend

Quelle: Bloomberg. Hinweise: Monatliche Daten vom 1. Oktober 2000 bis zum 31. März 2022. Anleihen in Euro werden dargestellt durch den Bloomberg Germany Aggregate Bond Index in EUR. Berechnung bei Wiederanlage aller Zinserträge. Die hier abgebildeten Renditedaten stellen die Wertentwicklung der Vergangenheit dar und sind daher keine Garantie für zukünftige Erträge. Die Wertentwicklung eines Index ist keine exakte Darstellung einer bestimmten Anlage, da Anleger:innen nicht direkt in einen Index investieren können.

 

Bis auf Weiteres dürften Anleihen höhere Zinsen abwerfen als in den vergangenen zehn Jahren, wodurch Zinserträge für ein Multi-Asset-Portfolio sogar noch wichtiger werden. Auch wir haben wegen der steigenden Zinsen unsere langfristigen Prognosen für die Anleihemärkte in diesem Jahr angehoben.

Den kurzfristigen Verlusten stehen also langfristige Gewinne gegenüber, doch selbst kurzfristig müssen Anleger:innen nicht unbedingt weitere Verluste fürchten; wir vermuten, dass die Märkte steigende Zinsen bereits eingepreist haben und globale Anleihen auch auf kurze Sicht attraktiv bewertet sind. Daher empfehlen wir Multi-Asset-Anleger:innen eine langfristige Perspektive, Geduld und einen Blick auf die Gesamtrendite ihrer Anleihen statt auf kurzfristige Kursverluste.

Mythos 3: Mit Timing-Strategien können Anleger:innen Verluste vermeiden.

2022 war ein schwieriges Jahr. Warum sollte man sich da nicht kurzfristig vom Markt zurückziehen und warten, bis sich die Lage beruhigt und die Kurse wieder steigen? Weil Markt-Timing erwiesenermaßen schwierig ist und die besten und schlechtesten Handelstage oft dicht beieinanderliegen.

Beispiel Aktien: Gemessen an der Wertentwicklung des FTSE All Share Index fielen die fünf Handelstage mit den höchsten Renditen entweder in die Zeit unmittelbar nach der Finanzkrise des Jahres 2008 oder nach der Pandemie-Verkaufswelle im Jahr 2020 – also Jahre, die die globalen Aktienmärkte mit Verlusten beendeten (siehe Grafik).

Die besten und schwächsten Handelstage liegen oft dicht beieinander

Quelle: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von Refinitiv unter Verwendung des Standard & Poor‘s 500 Price Index. Daten für den Zeitraum vom 1. Januar 1980 bis zum 31. Januar 2022. Alle Renditen wurden in US-Dollar ohne Wiederanlage von Dividenden berechnet.

 

Und was ist, wenn die Weltwirtschaft im kommenden Jahr in eine Rezession rutscht? Wäre es in diesem Szenario nicht sinnvoll, bis auf Weiteres alles zu verkaufen? Auch diese Strategie ist problematisch, da sich die Aktienmärkte in Erwartung eines Aufschwungs und steigender Unternehmensgewinne oft während und nicht nach einer Rezession erholen.4

Deshalb empfehlen wir Anleger:innen keine Timing-Strategien, denn durch Timing laufen sie Gefahr, die besten Handelstage und mögliche Gewinne durch eine Kurserholung zu verpassen.

Mythos 4: Alternative Assetklassen schützen besser vor Inflation

Die steigende Inflation gehörte für Anleger:innen zu den wichtigsten Themen des Jahres 2022. Anleger:innen hören inzwischen häufiger, sie sollten ihr Geld aus Aktien abziehen und in alternative Assetklassen wie Gold oder Rohstoffe investieren, um ihre Renditen vor Inflation zu schützen.

Wie unsere Untersuchungen zeigen, können Gold und Rohstoffe kurzfristig, also über einen Zeitraum von etwa einem Jahr, tatsächlich besser vor Inflation schützen als Aktien, denn ihr Inflationsbeta ist größer als 1. (Ein Beta von 1 zeigt eine inflationsneutrale Entwicklung an.) Wer jedoch in Gold und Rohstoffe investiert, um sich kurzfristig vor Volatilität zu schützen, muss im Gegenzug deutlich höhere Volatilität in Kauf nehmen.5

Über einen längeren Zeitraum von fünf, zehn oder zwanzig Jahren hatten Anleger:innen mit Aktien im Allgemeinen bessere Chancen auf positive Realrenditen als mit Gold oder Rohstoffen, und dies bei weniger Risiko, wie die nächste Grafik zeigt. Wer also einen langfristigen Kaufkraftverlust durch Inflation befürchtet, sollte vielleicht – je nach Risikotoleranz – eher über ein höheres Aktien-Exposure nachdenken.

Anteil der positiven Realrenditen von Gold, Rohstoffen und Aktien

Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Erträge.

Quellen: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von Bloomberg und der OECD; Stand: 31. Oktober 2021. Hinweise: Gesamtrenditen in EUR. Die Grafik zeigt den Anteil der positiven Realrenditen über 5, 10 und 20 Jahre. Beobachtungszeitraum der monatlichen Daten: 31. Januar 1975 bis 31. Oktober 2021. Die Volatilität wird für die monatlichen Renditen des gesamten Beobachtungszeitraums berechnet. Für die Berechnung wurden folgende Indizes verwendet: Aktien Welt – MSCI World Net Total Return Index; Aktien der Eurozone – MSCI EMU Net Total Return Index; Rohstoffe – S&P GSCI Index Spot; Gold – Gold Spot.

 

Was für den langfristigen Erfolg zählt

2022 war ein besonders schwieriges Jahr für Multi-Asset-Anleger:innen. Da ist es nur verständlich, dass einige ihren Plan aufgeben wollen und sich nach Alternativen umsehen – schließlich zweifeln selbst die erfolgreichsten Athlet:innen an sich, wenn die Ergebnisse nicht stimmen.

Doch Erfolg setzt die richtigen Grundlagen voraus. In der Geldanlage bedeutet das: Disziplin, ein langfristiger Anlagehorizont und ein diversifiziertes Portfolio, das auf die eigenen Ziele und das eigene Risikoprofil abgestimmt ist.

 

1Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von Bloomberg. Globale Aktien werden durch den MSCI All Country World Index (in EUR) und globale Anleihen durch den Bloomberg Global Aggregate Index (in USD) dargestellt. Daten vom 3. Januar 2022 bis zum 30. Juni 2022.

2 Quelle: Bloomberg & Vanguard; Stand: 26. September 2022. Hinweise: Wertentwicklung von Anleihen gemessen am Bloomberg Global Aggregate Index in Euro von 1990 bis 26. September 2022 (währungsgesichert in EUR).

3 Quelle: Bloomberg, Vanguard. Daten für den Zeitraum vom 31. Mai 2004 bis 31. Juli 2006 in Euro. Für die einzelnen Assetklassen wurden folgende Benchmarks (in Klammern verwendet): Aktien USA (S&P 500 Net Total Return Index), Aktien Großbritannien (FTSE All Share Net Total Return Index), Aktien Industrieländer (MSCI World Net Total Return Index), Aktien Welt (MSCI ACWI Net Total Return Index), Aktien Europa (MSCI Europe Net Total Return Index), Aktien Eurozone (MSCI EMU Net Total Return Index), Aktien Industrieländer Asien-Pazifik ohne Japan (MSCI Pacific ex Japan Net Total Return Index) Aktien Japan (MSCI Japan Net Total Return Index) Aktien Schwellenländer (MSCI Emerging Net Total Return Index,) Small-Cap-Aktien Industrieländer (MSCI World Small Cap Net Total Return Index) High-Dividend-Aktien Welt (MSCI ACWI High Dividend Yield Net Total Return Index), Anleihen Welt (Bloomberg Global-Aggregate Total Return Index Unhedged EUR), Staatsanleihen USA (Bloomberg US Treasury Total Return Index Unhedged EUR), Unternehmensanleihen USA (Bloomberg US Corporate Total Return Index Unhedged EUR) Staatsanleihen Eurozone (Bloomberg Euro Aggregate Treasury Total Return Index Unhedged EUR) Unternehmensanleihen Eurozone (Bloomberg Euro Aggregate Corporate Total Return Index Unhedged EU), inflationsgebundene Anleihen USA (Bloomberg US Inflation Linked Bonds Total Return Index Unhedged EUR), inflationsgebundene Anleihen Eurozone (Bloomberg Eurozone - Euro CPI Total Return Index Unhedged EUR), Short-Duration-Anleihen Welt, währungsgesichert (Bloomberg Global Aggregate 1-3 Year Total Return Index Hedged EUR), Long-Duration-Anleihen Welt, währungsgesichert (Bloomberg Global Aggregate 7-10 Year Total Return Index Hedged EUR), Staatsanleihen Welt, währungsgesichert (Bloomberg Global Aggregate Treasuries Total Return Index Hedged EUR), inflationsgebundene Anleihen Welt (Bloomberg Global Inflation-Linked Total Return Index Hedged EUR), Unternehmensanleihen Welt, währungsgesichert (Bloomberg Global Aggregate Corporate Total Return Index Hedged EUR), High-Yield-Anleihen Welt, währungsgesichert (Bloomberg Global High Yield Total Return Index Hedged EUR), Anleihen Welt, währungsgesichert (Bloomberg Global-Aggregate Total Return Index Hedged EUR), Rohstoffe (Bloomberg Commodity Index Total Return), REITs Welt (S&P Global REIT Net Total Return Index), Infrastruktur Welt (S&P Global Infrastructure Net Total Return Index), Private Equity Welt (S&P Listed Private Equity Net Total Return Index), Hedgefonds Welt (HFRX Global Hedge Fund Index).

4 Quelle: Berechnungen von Vanguard per 31. Dezember 2021 auf Grundlage von Daten von Refinitiv. Hinweise: Analyse annualisierter 1-Jahres-Renditen des S&P 500 Index für den Zeitraum von Januar 1973 bis 31. Dezember 2021.

5 Quelle: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von Bloomberg und der OECD; Stand: 31. Oktober 2021. Hinweise: Die Volatilität entspricht der Standardabweichung der rollierenden annualisierten Einjahresrenditen in monatlichen Intervallen. Das Inflations-Beta ist definiert als das Ausmaß, in dem die Rendite eines Vermögenswerts steigt, wenn die Inflation um 1 Prozentpunkt steigt. Beobachtungszeitraum: 31. Januar 1976 bis 31. Oktober 2021.Für weitere Informationen siehe „Investieren in Zeiten hoher Inflation“, Juli 2022.

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken

Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

Manche Fonds investieren in Schwellenländern, die im Vergleich zu entwickelteren Märkten volatiler sein können. Infolgedessen kann der Wert Ihrer Anlagen steigen oder fallen.

Fonds, die in festverzinsliche Wertpapiere investieren, bergen das Risiko eines Zahlungsausfalls bei Rückzahlungen und einer Beeinträchtigung des Kapitalwerts Ihrer Investition. Außerdem kann das Ertragsniveau schwanken. Änderungen der Zinssätze haben wahrscheinlich Auswirkungen auf den Kapitalwert von festverzinslichen Wertpapieren. Unternehmensanleihen können höhere Erträge abwerfen, bergen aber auch ein höheres Kreditrisiko. Dadurch steigt das Risiko eines Zahlungsausfalls bei Rückzahlungen und einer Beeinträchtigung des Kapitalwerts Ihrer Investition. Das Ertragsniveau kann schwanken und Änderungen der Zinssätze haben wahrscheinlich Auswirkungen auf den Kapitalwert von Anleihen.

Wichtige allgemeine Hinweise

Nur für professionelle Anleger (nach den Kriterien der MiFID II-Richtlinie), die auf eigene Rechnung investieren (einschließlich Verwaltungsgesellschaften (Dachfonds) und professionelle Kunden, die im Namen ihrer diskretionären Kunden investieren). In der Schweiz nur für professionelle Anleger. Nicht für die öffentliche Verbreitung bestimmt.

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