• In ihrer Geldpolitik driften die Industrieländer zunehmend auseinander – mit Folgen für die Anleihemärkte.

  • Attraktive Effektivzinsen bilden eine solide Renditegrundlage, doch die teuren Bewertungen machen uns skeptisch, ob wir unser Risiko-Exposure ausbauen sollten.

  • In einem Umfeld erhöhter Volatilität können hohe Ausgangszinsen natürlich zu höheren Renditen führen, ein Portfolio vollständig gegen Schocks in der Wirtschaft und an den Märkten absichern können sie dagegen nicht. 
     

„Divergenzen öffnen die Tür für Fehlbewertungen und Relative-Value-Strategien, die jedoch Disziplin voraussetzen. Teure Bewertungen, unbeständige Daten und schnelle Kurswechsel der Zentralbanken erfordern eine Balance zwischen Carry und Vorsicht.“

Ales Koutny

Head of International Rates, Vanguard Europe


Die Divergenzen zwischen den globalen Staatsanleihemärkten haben zu Beginn des neuen Jahres ein Ausmaß angenommen, das wir seit über einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen haben. Wachstum Geldpolitik, Inflation – die großen Volkswirtschaften driften zunehmend auseinander. Die zentrale Frage für aktive Anleiheinvestoren lautet: Sind diese Abweichungen Chance oder Hürde?

Die Folgen der Divergenz

Die geldpolitischen Zyklen der Industrieländer sind aus dem Gleichschritt gekommen. Einzelne Wirtschaftsräume reagieren in unterschiedlichem Tempo auf die strukturellen Veränderungen nach der Pandemie, Veränderungen auf der Angebotsseite und innenpolitische Entwicklungen – ein Trend, der sich 2026 fortsetzen dürfte.

Für die Anleihemärkte hat diese Divergenz mehrere Folgen: Die Streuung der Zinspfade nimmt zu, was marktübergreifende Relative-Value-Strategien erleichtert; die Märkte reagieren empfindlicher auf Datenüberraschungen, da selbst kleinste Verschiebungen in den Wachstums- oder Inflationspfaden die Endzinserwartungen erheblich beeinflussen können; außerdem steigt die Volatilität, da die Märkte politische Entwicklungen zunehmend in Echtzeit neu bewerten.

Hohe Ausgangsrenditen, teure Bewertungen

Im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit werfen Anleihen weiterhin hohe Effektivzinsen ab,[1] die eine solide Grundlage für zukünftige Renditen bilden. Allerdings sind auch die Bewertungen deutlich gestiegen. Hohe Bewertungen an sich sind kein Katalysator für eine Marktkorrektur, machen uns jedoch eher skeptisch, ob wir unser Risiko-Exposure ausbauen sollten.

Die Renditen der jüngsten Vergangenheit waren größtenteils das Ergebnis sinkender Risikoaufschläge. Es bleibt der Carry – und der ist weiterhin attraktiv. Außerdem halten wir es für unwahrscheinlich, dass das Anleihe-Beta die überdurchschnittlichen Renditen der vergangenen Jahre liefern wird, sodass Wertpapierauswahl und Relative-Value-Positionen für die Rendite wichtiger denn je sein werden.

Die Entkoppelung der Industrieländer

Abseits politischer Schlagzeilen dreht sich in den USA weiterhin alles um Fundamentaldaten, und die sind insgesamt robust: Die US-Wirtschaft wächst noch immer deutlich, auch dank anhaltender Produktivitätssteigerungen.

Die Inflation lässt nach, auch wenn die US-Notenbank die Voraussetzungen für reibungslose und berechenbare Zinssenkungen derzeit noch nicht erfüllt sieht und die Märkte ihre Zinssenkungsprognosen immer wieder nach hinten verschieben müssen.

Asymmetrien und komplizierte Signale

Die US-Wirtschaft steht also solide da, in anderen Regionen zeichnen die Fundamentaldaten dagegen ein gemischteres Bild.

Nach dem schwachen Wachstum des Vorjahres sind im Euroraum dank der deutschen Haushaltsausweitung erste Impulse erkennbar, gleichzeitig hat die Inflation deutlich nachgelassen und liegt sogar unter der 2%-Zielmarke. Dennoch lässt sich der Kurs der Europäischen Zentralbank nicht vorhersagen, zumal sich mit der Datenlage auch die Prognosen schnell verschieben können. Die Dispersion zwischen Kern und Peripherie erschwert eine Einschätzung zusätzlich, schafft aber auch gute Voraussetzungen für Relative-Value-Strategien.

Großbritannien leidet dagegen weiterhin unter strukturell schwachem Wachstum und anhaltendem Inflationsdruck, weshalb die Märkte in ihrer Preisfindung zwischen kurzfristigen Zinssenkungen und einer längeren Lockerungsphase schwanken. Die britischen Zinsen reagieren daher empfindlich auf neue Daten und politische Stimmungsumschwünge, was die Interpretation kurzfristiger Signale erschwert.

In Japan ist die Divergenz gegenüber anderen Industrieländern am deutlichsten zu erkennen: Nach Jahrzehnten extrem niedriger Zinsen steuert die Bank of Japan auf eine Normalisierung ihrer Geldpolitik zu, während andere Zentralbanken noch debattieren, wann und wie schnell die Zinsen sinken sollen. Diese Asymmetrie könnte sich in erhöhter Volatilität niederschlagen, wenn die historisch niedrigen japanischen Renditen wieder steigen, könnte aber auch attraktive Anlagemöglichkeiten eröffnen.

Divergenz erfordert Disziplin

Divergenzen öffnen die Tür für Fehlbewertungen und Relative-Value-Stragegien, die jedoch Disziplin voraussetzen. Teure Bewertungen, unbeständige Daten und schnelle Kurswechsel der Zentralbanken erfordern eine Balance zwischen Carry und Vorsicht.

Angespannte Bewertungspuffer und hohe Volatilität können zu abrupten Preisanpassungen führen, weshalb sich die Manager aktiver Anleihefonds aus unserer Sicht nicht zu sehr auf direktionale Wetten verlassen sollten, um Mehrrenditen zu erzielen.

Für uns bedeutet Disziplin unter den derzeitigen Bedingungen: selektive Carry-Positionen. Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass höhere Ausgangszinsen das Renditepotenzial erhöhen, wissen jedoch auch, dass sie ein Portfolio nicht vollständig gegen Schocks in der Wirtschaft und an den Märkten abschirmen können. Wir wollen Divergenzen präzise ausnutzen und setzen auf Cross-Market-Strategien, wenn uns das Risiko-/Renditeprofil überzeugt. Disziplin bedeutet jedoch auch, dass wir uns eher an Daten als an Narrativen orientieren – insbesondere in den USA, wo die Fundamentaldaten immer noch das deutlichste Signal sind.

In dem aktuellen Marktumfeld kann sich aktives Management auszahlen; nicht durch exzessive direktionale Wetten, sondern durch eine disziplinierte, analysegestützte Wertpapierauswahl, mit der wir von Streuungen profitieren können, ohne Risiken zu unterschätzen.
 

Quelle: Bloomberg; Stand: 19. Januar 2026 Die Rendite des Global Aggregate Bond Index lag zum 31. Dezember 2025 bei 3,5% gegenüber 1,8% zum 31. Dezember 2015 (lokale Renditen). 

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