Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die US-Wirtschaft wächst weiterhin robust, die Debatte um das Timing möglicher Zinssenkungen hält an. 
  • Die Wirtschaft des Euroraums hat im vierten Quartal an Schwung verloren, konnte jedoch eine Rezession vermeiden. 
  • Die britische Wirtschaft ist im vierten Quartal zum zweiten Mal in Folge geschrumpft und befindet sich damit in einer technischen Rezession.
  • Weitere Preisrückgänge in China deuten darauf hin, dass die Regierung womöglich mehr tun muss, um das Wachstum anzukurbeln. 

Die Konjunkturaussichten für die Weltwirtschaft sind nach wie vor gemischt: In den USA sind dank robuster Verbraucherausgaben und hohem Lohnwachstum weiterhin keinerlei Anzeichen eine Abkühlung zu erkennen, im Euroraum und in Großbritannien dagegen liegt das Wachstum weiterhin knapp über oder unter der Nullgrenze.

Aktuelle Daten aus den USA wecken Zweifel am Zeitpunkt möglicher Zinssenkungen, zumal das anhaltend robuste Wachstum den Kampf gegen die Inflation gefährden könnte.

USA – Die US-Wirtschaft wächst aktuellen Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten zufolge weiterhin deutlich, die Debatte um das Timing möglicher Zinssenkungen hält an. Die Inflation geht weiter zurück, wir sehen jedoch Risiken durch das anhaltend starke Lohnwachstum. 

Die US-Wirtschaft hat im Januar 353.000 Arbeitsplätze geschaffen und damit die Konsensprognose um knapp das Doppelte übertroffen. Die Arbeitslosenquote liegt unverändert bei 3,7%, die Löhne sind in den vergangenen drei Monaten mit einer Jahresrate von über 4% gewachsen. Eine unmittelbare Gefahr geht von dem Lohnwachstum nicht aus; sollte es jedoch in der zweiten Jahreshälfte nicht nachlassen, könnte die Inflation wieder ansteigen.

Nach aktuellen Daten ist die US-Wirtschaft im vierten Quartal um annualisierte 3,3% gewachsen, fast drei Fünftel des Wachstums ging auf persönliche Konsumausgaben zurück. Das war weniger als die 4,9% im dritten Quartal, lag aber deutlich über den Erwartungen und trug zu einer durchschnittlichen Jahreswachstumsrate von 2,5% bei. 2024 rechnen wir mit einem Jahreswachstum von 0,25 bis 0,75%. 

Die US-Notenbank (Fed) hat das Zielband für den Leitzins im Januar unverändert bei 5,25 bis 5,5% belassen und eine Zinssenkung im März mit dem Hinweis praktisch ausgeschlossen, sie wolle erst zuversichtlicher sein, dass sich die Inflation nachhaltig der 2%-Marke nähert.

Die Kerninflation ohne die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise ist im Januar um 0,4% gegenüber dem Vormonat und damit so deutlich wie zuletzt vor acht Monaten gestiegen.1 In den zwölf Monaten bis Januar betrug die Kerninflation 3,9%. Gemessen am PCE-Index (Personal Consumption Expenditure, dem bevorzugten Inflationsindikator der Fed) ist die Kerninflation in den zwölf Monaten bis Dezember dagegen von 3,2 auf 2,9% gefallen, der aktuellere annualisierte 3-Monats-PCE lag bei 1,5%.

Euroraum – Da im Euroraum sowohl die Inflation als auch das Lohnwachstum zurückgehen, haben wir unsere Zinsprognosen revidiert und gehen jetzt davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Zinssatz für ihre Einlagefazilität bis Jahresende um 100 bis 150 Basispunkte (1 bis 1,5 Prozentpunkte) auf 2,5 bis 3% senken wird. In unserem Wirtschafts- und Marktausblick 2024   waren wir noch von Zinssenkungen von 75 Basispunkten ausgegangen. 

Vermutlich wird die EZB auf die Inflations- und Lohndaten für das erste Quartal schauen und überprüfen, ob sich die Inflation nachhaltig ihrem 2%-Ziel nähert. Dann könnte sie am 6. Juni einen Zinssenkungszyklus einzuleiten, möglich wären Zinssenkungen um 25 Basispunkte auf jeder der fünf Sitzungen bis Jahresende.

Am 25. Januar hat die EZB ihren Einlagensatz stabil bei 4% gehalten und die wichtigsten Aussagen vom Dezember bekräftigt, was man als Fingerzeig verstehen kann, dass die Markterwartungen erster Zinssenkungen bereits im März zu optimistisch sind. 

Einer aktuellen Schätzung von Eurostat zufolge ist die Gesamtinflation in den 12 Monaten bis Januar leicht auf 2,8% gesunken, und auch die Kerninflation ohne die volatilen Preise für Lebensmittel, Energie, Alkohol und Tabak ist in den 12 Monaten bis Januar geringfügig von 3,4% im Dezember auf 3,3% zurückgegangen. In Anbetracht der moderaten Inflation und des mäßigen Lohndrucks gehen wir davon aus, dass die Gesamt- und Kerninflation das EZB-Ziel bis September 2024 bzw. Dezember 2024 erreichen werden.

Vorläufige Schätzungen deuten auf eine schwache Konjunktur im vierten Quartal hin, eine Rezession gemäß ihrer technischen Definition konnte die Wirtschaft der Eurozone jedoch vermeiden.2 Wir erwarten weiterhin eine milde Rezession. 

Eine „schmerzlose Disinflation“ halten wir dagegen für unwahrscheinlich und rechnen mit einer Abkühlung des Arbeitsmarktes, wenn die Wirtschaftsleistung aufgrund restriktiver Geld- und Finanzpolitik unter ihr das Potenzialwachstum fällt. Die Arbeitslosenquote lag im Dezember unverändert bei 6,4%; wir rechnen mit einem Anstieg auf 7 bis 7,5% und liegen damit über der Konsensprognose.

Großbritannien – Nach den aktuellsten Konjunkturdaten für das vierte Quartal, die am 15. Februar veröffentlicht wurden, ist die britische Wirtschaft in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres in eine Rezession gerutscht: Nach einem Minus von 0,1% im dritten Quartal ist die Wirtschaftsleistung auch im vierten Quartal um 0,3% geschrumpft und erfüllt damit die technische Definition einer Rezession. Indikatoren deuten jedoch auf ein moderates Wachstum von 0,1 bis 0,3% im ersten Quartal des neuen Jahres hin. Wegen der restriktiven Geld- und Haushaltspolitik erwarten wir für 2024 ein unterdurchschnittliches Wachstum von 0,5 bis 1%. 

Die Bank of England (BoE) hat ihren Leitzins im Februar zum vierten Mal in Folge stabil bei 5,25% gehalten und scheint zu signalisieren, dass die Markterwartungen erster Zinssenkungen bereits im Juni zu hoch gegriffen sind. In unserem Basisszenario gehen wir von einer ersten Zinssenkung im August aus, insgesamt dürften die britischen Zinsen in diesem Jahr um 100 Basispunkte (einen Prozentpunkt) zurückgehen.

Nach Angaben des Office for National Statistics (ONS) lag die Gesamtinflation in den zwölf Monaten bis Januar unverändert bei 4,0% und damit auf dem Niveau des Vormonats. Die Kerninflation ohne die Preise für Lebensmittel, Energie, Alkohol und Tabak lag in den zwölf Monaten bis Januar unverändert bei 5,1%. Wir haben unsere Kerninflationsprognose per Ende 2024 von 2,8 auf 2,6% gesenkt.

Nach Angaben des ONS ist die Arbeitslosenquote in dem rollierenden 3-Monats-Zeitraum von Oktober bis Dezember von 3,9% (revidiert) auf 3,8% zurückgegangen, wegen der restriktiven Geld- und Haushaltspolitik rechnen wir jedoch bis Jahresende mit einem Anstieg auf 4,5 bis 5%.

China – Daten zu Wohnungs- und Autoverkäufen sowie die Einkaufsmanagerindizes deuten – wie schon im Vorjahr – auf anhaltend dürftiges Wachstum hin. Sinkende Immobilienpreise belasten die Wirtschaft, sowohl die Nachfrage der privaten Haushalte als auch das Vertrauen der Unternehmen bleiben schwach.

Die Regierung hat nur schrittweise mit größeren Konjunkturmaßnahmen reagiert, die auch die angeschlagenen Immobilien- und Aktienmärkte stützen sollen. Mit groß angelegten chinesischen Konjunkturprogrammen, ähnlich wie während der Finanzkrise, rechnen wir nicht. 

Da das Wachstum unter Potenzial liegt und der Deflationsdruck anhält, muss die Regierung womöglich entschiedener eingreifen, um ihr Wachstumsziel von „rund 5%“ zu erreichen.

Die Verbraucherpreise sind im Januar erneut gesunken, wie das Nationale Statistikamt Chinas am 8. Februar mitgeteilt hat. Der Rückgang um 0,8% in den zwölf Monaten bis Januar war der größte seit 2008. Wir erwarten in diesem Jahr auch weiterhin einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1 bis 1,5%. 

Wachstumsfördernde Maßnahmen könnten zu Preissteigerungen führen, allerdings rechnen wir in diesem Fall nur mit einer moderaten Reflation, die unter dem von der People‘s Bank of China (PBoC) gesetzten Inflationsziel von 3% liegen dürfte. Außerdem gehen wir davon aus, dass die PBoC im Kampf gegen die Deflation ihren Leitzins bis Jahresende von 2,5 auf 2,2% senken und die Mindestreservesätze der Banken reduzieren wird.

Diese Angaben entsprechen der internen Einschätzung des Global Economics and Markets Team der Vanguard Investment Strategy Group (ISG) per 15. Februar 2024. 

Renditeausblick

Nach der letzten Auswertung des Vanguard Capital Markets Model® (VCMM) haben wir unseren 10-Jahres-Ausblick für wichtige Märkte mit Daten per 31. Dezember 2023 aktualisiert.

In den kommenden zehn Jahren erwarten wir die nachstehenden Nominalrenditen (jeweils in Landeswährung der Anlegerinnen und Anlegern in den entsprechenden Wirtschaftsräumen).3

 

1 Gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI).

2 Nach der technischen Definition spricht man von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft.

3 Die Zahlen beruhen auf einer Bereichsleiste mit einer Genauigkeit von zwei Punkten für Aktien bzw. einem Punkt für Anleihen (jeweils um das 50. Perzentil). Die Zahlen in Klammern geben die Median-Volatilität an.

 

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WICHTIGER HINWEIS: Die Prognosen sowie andere Informationen, die von dem Vanguard Capital Markets Model generiert werden und die Wahrscheinlichkeit verschiedener Anlageergebnisse zum Gegenstand haben, sind naturgemäß hypothetisch, stellen keine tatsächlichen Anlageergebnisse dar und garantieren keine zukünftigen Erträge. Die Verteilung der Renditeergebnisse des VCMM wird aus 10.000 Simulationen für jede modellierte Assetklasse abgeleitet. Simulationen per 30. September 2022. Die Ergebnisse des Modells können mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit variieren. Die Prognosen des VCMM basieren auf statistischen Analysen und historischen Daten. Zukünftige Renditen können von den im VCMM erfassten historischen Mustern abweichen. Noch wichtiger ist jedoch, dass das VCMM extrem negative Szenarios unterschätzen kann, die in den historischen Zeiträumen, auf denen die Modellschätzungen beruhen, nicht vorkamen.

Das Vanguard Capital Markets Model® ist ein proprietäres Finanzsimulationstool, das von der Investment Strategy Group von Vanguard entwickelt und gepflegt wird. Das Modell prognostiziert die Verteilung zukünftiger Renditen für zahlreiche Assetklassen. Zu diesen Assetklassen gehören die US-amerikanischen und internationalen Aktienmärkte, US-Treasuries und Unternehmensanleihen mit verschiedenen Laufzeiten, internationale Anleihemärkte, US-Geldmärkte, Rohstoffe sowie bestimmte alternative Anlagestrategien. Die theoretische und empirische Grundlage des Vanguard Capital Markets Model ist die Beziehung zwischen Rendite und Risiko: Die Renditen zahlreicher Assetklassen sind der von Anlegern im Gegenzug für bestimmte Arten von systematischem Risiko (Beta) verlangte Ausgleich. Den Kern des Modells bilden Schätzungen der dynamischen statistischen Beziehung zwischen Risikofaktoren und Vermögensrenditen, die durch statistische Analysen auf der Grundlage verfügbarer monatlicher Finanz- und Wirtschaftsdaten gewonnen werden. Mithilfe eines Systems von Gleichungsschätzungen führt das Modell eine Monte Carlo-Simulation durch, um die geschätzten Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren und Assetklassen sowie Ungewissheit und Zufälle langfristig zu prognostizieren. Das Modell generiert eine große Anzahl simulierter Ergebnisse für jede Assetklasse über verschiedene Zeiträume. Die Prognosen werden durch Berechnung der Zentraltendenzen in diesen Simulationen gewonnen. Die Ergebnisse des Modells variieren mit jeder Nutzung sowie im Laufe der Zeit.

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