Ein Kommentar von Shaan Raithatha, Senior Economist, Vanguard Europe

 

  • Die Geschichte lehrt, dass die Aktienmärkte den Aufschwung nach einer Rezession häufig vorwegnehmen.
  • Während der letzten 50 Jahre sind die Kurse an den US-Aktienmärkten frühestens zwei und spätestens 16 Monate nach Beginn einer Rezession wieder gestiegen.
  • Verglichen mit den Planungshorizonten der meisten Anleger:innen fielen die Rezessionen relativ kurz aus. 

 

Seit die Zentralbanken die rekordhohe Inflation einzudämmen versuchen, steigen auf beiden Seiten des Atlantiks die Zinsen so schnell wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Folge: Die Konjunktur flaut ab, das Risiko einer Rezession steigt.

Laut Daten für das dritte Quartal konnten die Länder des Euroraums eine Rezession vermeiden – vorerst. Die Quartalsdaten für die brtisiche Wirtschaft liegen noch nicht vor, doch deuten die Frühindikatoren sowohl im Euroraum als auch in Großbritannien auf eine Konjunkturabkühlung hin. Ab dem vierten Quartal 2022 erwarten wir im Euroraum eine sechsmonatige Rezession; in Großbritannien dürfte die Rezession dagegen neun Monate andauern und deutlicher ausfallen als im Euroraum. In den USA schätzen wir die Wahrscheinlichkeit einer Rezession entsprechend der Definition des National Bureau of Economic Research (NBER) im kommenden Jahr auf 65%.1

Besonders restriktiv geht die US Federal Reserve vor, die die Zinsen seit dem Sommer bereits vier Mal um 0.75 Basispunkte angehoben hat. Das Zielband der Federal Funds Rate liegt derzeit bei 3,75 bis 4,0%, einen Höchststand von rund 4,5 bis 4,75% erwarten wir nicht vor Anfang 2023.

Und da die USA für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung sind, hat auch die Geldpolitik der Fed erheblichen Einfluss auf die Weltmärkte. So steigt der Druck auf die Europäische Zentralbank und die Bank of England, die Zinsen ebenfalls anzuheben.

Einige Anleger:innen könnten sich daher die Frage stellen, ob sie ihr Portfolio in Erwartung einer US-Rezession nicht anpassen sollten. Die nachstehende Grafik macht jedoch deutlich, dass die Erholung an den Aktienmärkten in Erwartung eines Aufschwungs und wachsender Unternehmensgewinne meist während und nicht nach einer Rezession einsetzt.

Erst erholen sich die Aktienkurse, dann die Wirtschaft

Quellen: Berechnungen von Vanguard per 31. Dezember 2021 auf Grundlage von Daten von Refinitiv.
Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Erträge. Die Wertentwicklung eines Index ist keine exakte Darstellung einer bestimmten Anlage, da Anleger:innen nicht direkt in einen Index investieren können.

Da wir uns in diesem Artikel in erster Linie mit der US-Wirtschaft beschäftigen, bilden wir hier die Einjahresrenditen des Standard & Poor‘s 500 Index in US-Dollar für die Jahre von 1973 bis 2021 ab. In diese Zeit fallen sieben Rezessionen entsprehend der NBER-Definition , die durch die grauen Balken dargestellt werden.

Jedes Mal hat die Erholung an den Aktienmärkten noch vor Ende der Rezession eingesetzt.

Aus der historischen Korrelation zwischen Aktien und Rezessionen lassen sich mehrere wichtige Schlüsse ziehen:

  • Die Erholung der Aktienmärkte kann schon bald nach Beginn der Rezession einsetzen. In den vergangenen 50 Jahren sind die Aktienkurse frühestens bereits zwei Monate nach Beginn der Rezession (Anfang 2000) und spätestens nach 16 Monaten (2007/2009) wieder gestiegen.
  • Verglichen mit den Planungshorizonten der meisten Anleger:innen fielen die Rezessionen relativ kurz aus. Die letzten sieben Rezessionen fielen unterschiedlich lang aus und reichten von nur zwei Monaten im Jahr 2020 bis zu 18 Monaten während der Finanzkrise im Jahr 2008. Natürlich bedeutet das nicht, dass zukünftige Rezessionen nicht länger anhalten können.
  • Geldanlage ist niemals berechenbar. Wir wissen nicht, wie lange eine Rezession oder die Erholung der Aktienmärkte andauern werden. In der Tat beruhen die offiziellen Erklärungen des NBER auf historischen Daten. Eine Rezession kann enden, bevor sie überhaupt offiziell ist, weshalb es für Volkswirte so schwierig ist, Wachstum in Echtzeit zu messen.

Beständige Anlageprinzipien

Unabhängig davon, ob sich die USA oder ein anderes Land bzw. ein anderer Wirtschaftsraum in einer Rezession befindet oder nicht, sollten Anleger:innen Wirtschaftsnachrichten mit Gelassenheit begegnen und sich an ihre durchdachten, langfristigen Anlagepläne halten. Für den Erfolg von Timing-Strategien gibt es keine Beweise, für ihren Misserfolg dagegen schon.

 

1 Daten zeigen einen Rückgang der US-Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal (April bis Juni) an. Dies wäre der zweite Quartalsrückgang in Folge, was dafür spricht, dass sich die US-Wirtschaft technisch bereits in einer Rezession befindet. Das private National Bureau of Economic Research (NBER) stellt eine Rezession jedoch bevorzugt anhand anderer Indikatoren fest, die weiterhin Wachstum anzeigen.

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken

Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

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