Von Shaan Raithatha, Ökonom, Vanguard UK

Die ersten Auswirkungen der tragischen Ereignisse in der Ukraine auf die Weltwirtschaft werden vor allem an den höheren Rohstoffpreisen deutlich. Die höheren Preise, vor allem im Energiesektor, werden das Wachstum behindern und dazu führen, dass die Preise allgemein weiter steigen als bisher erwartet, wie aus einer neuen Analyse des globalen Wirtschaftsteams von Vanguard hervorgeht.

Die restriktiveren Finanzierungsbedingungen, das getrübte Verbrauchervertrauen und die erhöhte Unsicherheit werden sich ebenfalls bemerkbar machen, allerdings in geringerem Masse. In der Eurozone dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen schwerwiegender sein, da die Region stärker von russischen Energielieferungen abhängt, als die USA oder Grossbritannien.

Anhaltend höhere Energiepreise und restriktivere Finanzierungsbedingungen könnten das Wirtschaftswachstum in der Eurozone, Grossbritannien und den USA im Jahr 2022 gegenüber den vorhergehenden Erwartungen um bis zu einen Prozentpunkt mindern. Die Inflation könnte indes, gemessen an den Gesamtverbraucherpreisindizes, um ein bis drei Prozentpunkte höher ausfallen als bisher von Vanguard prognostiziert.

Solche Schätzungen sind jedoch mit einer enormen Unsicherheit verbunden. Denn unsere Analyse beruhen auf der aktuellen Lage, während sich die Situation in Windeseile verändern kann.

Steigende Energiepreise dürften das Wachstum belasten und die Inflation anheizen

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine zuverlässigen Rückschlüsse auf zukünftige Renditen zu.
Hinweise: Die Preisangaben beziehen sich auf die täglichen Abrechnungspreise für demnächst fällige Brent-Rohöl-Futures an der Intercontinental Exchange in London sowie für demnächst fällige Futures für Rohöl der Sorte West Texas Intermediate an der New York Mercantile Exchange.
Quellen: Abbildung zur Veranschaulichung von Vanguard, anhand der Daten von Bloomberg per 2. März 2022.

In London und New York sind die Preise der massgeblichen Ölfutures seit Anfang des Jahres um über 45% gestiegen und seit der Woche vor der russischen Invasion Russlands in der Ukraine um mehr als 20% in die Höhe geschnellt. Dies war sowohl auf das wahrgenommene grössere Risiko zurückzuführen als auch auf die Besorgnis über Angebotsengpässe.

Anhaltend höhere Energiepreise beeinträchtigen das Wachstum, da den Verbrauchern dadurch weniger Geld für andere Dinge bleibt. Sie belasten auch die Gewinnmargen, da die Unternehmen dadurch weniger Geld für Investitionen übrig haben.

Ob wir von unserem Basisszenario auf ein negativeres Szenario mit einem noch schwächeren Wachstum und einer höheren Inflation umschwenken, wird entscheidend davon abhängen, wie lange die Energiepreise so hoch bleiben. Damit sich die Bedingungen bis zu einer Rezession verschlechtern, müssten die Ölpreise mehrere Quartale lang in einen Bereich von 130 bis 150 US-Dollar steigen und die Finanzierungsbedingungen müssten auf breiter Linie restriktiver werden, wie aus unseren Analysen hervorgeht. In diesem Fall würde Vanguard von einer Inflation von über 8% im Durchschnitt des Jahres 2022 in den Industrieländern ausgehen.

Im Euroraum wären die Wachstums- und Inflationseffekte stärker zu spüren, da die Region 40% ihres Erdgasbedarfs und 25% ihres Ölverbrauchs aus Russland bezieht1. In Grossbritannien und den USA, die erheblich weniger russische Energie verbrauchen, wären die Auswirkungen weniger gravierend.

Geldpolitische Entscheidungen der Zentralbanken in der Schwebe

Die Entwicklungen in der Ukraine stellen die Zentralbanken vor ein Dilemma: Setzen sie die Straffung der Geldpolitik fort, um eine noch höhere Inflation zu bekämpfen, oder legen sie angesichts der neuen Risiken für das Wachstum eine Pause ein, um die Entwicklung zu beobachten?

Vanguard erwartet derzeit nicht, dass die jüngsten Entwicklungen wesentliche Auswirkungen auf die Geldpolitik der US-Notenbank und der Bank of England haben werden. Der Vorsitzende der US-Notenbank erklärte bei seiner Anhörung vor dem Kongress am 2. März, dass eine Anhebung des Leitzinsziels bei der geldpolitischen Sitzung am 16. März nach wie vor angemessen sei. Er äusserte allerdings Besorgnis über die Ereignisse in der Ukraine.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihre Sitzung schon früher, am 10. März, ab. Wir haben unsere Erwartung einer Zinserhöhung der EZB Ende 2022 nicht geändert, werden die Entwicklungen aber aufmerksam beobachten.

Unserer Ansicht nach könnten die jüngsten Ereignisse und die damit einhergehenden Unsicherheiten die EZB vorsichtiger machen. Dadurch verschiebt sich das Risikogleichgewicht in Richtung auf einen Aufschub der geldpolitischen Normalisierung durch den EZB-Rat. Die EZB wird auch bereit sein, zusätzliche Liquidität bereitzustellen, falls das ordnungsgemässe Funktionieren der Märkte beeinträchtigt wird.

 

1 Quelle: Eurostat, das offizielle Statistikamt der Europäischen Union.

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken

Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihrer Investitionen erleiden.

Die frühere Wertentwicklung gibt keinen verlässlichen Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.

Wichtige allgemeine Hinweise

Dieses Dokument ist professionellen Anlegern vorbehalten und darf nicht an Privatanleger weitergegeben werden, die sich auch nicht auf dieses Dokument verlassen dürfen.

Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen sind nicht als Angebot oder Angebotsaufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren zu verstehen, wenn in einem Land ein solches Angebot oder eine solche Aufforderung rechtswidrig ist, wenn Personen betroffen sind, denen ein solches Angebot oder eine solche Aufforderung gesetzlich nicht gemacht werden darf, oder wenn derjenige, der das Angebot oder die Aufforderung macht, dafür nicht qualifiziert ist. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen stellen keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Sie dürfen sich deshalb bei Anlageentscheidungen nicht auf den Inhalt dieses Dokuments verlassen.

De informatie in dit document is louter informatief bedoeld en is geen aanbeveling of verzoek om beleggingen te kopen of verkopen.

Im EWR herausgegeben von der Vanguard Group (Ireland) Limited, die in Irland von der Central Bank of Ireland reguliert wird
© 2022 Vanguard Group (Irland) Limited. Alle Rechte vorbehalten.