Ein Kommentar von Andrew Patterson, Vanguard Senior International Economist, und Shaan Raithatha, Vanguard Senior Economist

In einem aktuellen Beitrag zu den möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen des russischen Einmarschs in die Ukraine haben wir beschrieben, wie steigende Ölpreise und eine Verschärfung der Finanzkonditionen die Konjunktur belasten und die Inflation anheizen würden.

Warum sind Wachstum und Inflation wichtig? Und warum stützen wir uns bei unseren Prognosen auf diese beiden Faktoren? Weil man in einer so ungewissen Lage, die sich zudem laufend verändert, anerkennen sollte, was man nicht wissen kann, und sich auf das Bekannte beschränken sollte.

Daher sind wir die ersten, die zugeben, dass wir den weiteren Verlauf des Krieges nicht vorhersagen können. Wir wissen jedoch, dass sich der Konflikt auf die Ölpreise auswirken wird – und die Ölpreise beeinflussen wiederum die globale Konjunktur und die Inflation. Daher orientieren wir uns bei unseren Prognosen an der Höhe der Ölpreise.

Ähnliches gilt für die Finanzkonditionen, die je nach Szenario mehr oder weniger restriktiv ausfallen werden.

Unsere Prognosen für verschiedene Szenarien haben wir in der nachstehenden Tabelle zusammengefasst.

Steigende Ölpreise und Finanzierungskosten belasten die Weltwirtschaft und heizen die Inflation an

Hinweise: Die Tabelle zeigt nur zwei der wichtigsten Faktoren, die Vanguard im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine analysiert – Ölpreise und Finanzierungskonditionen –, und veranschaulicht deren wahrscheinliche Auswirkungen auf Wachstum und Inflation in vier verschiedenen Szenarien. Andere, nicht dargestellte Variablen fließen ebenfalls in die Analyse ein. Die angegebenen Wahrscheinlichkeiten entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt der Analyse und können sich ändern. 

Quellen: Analyse von Vanguard; Stand: 10. März 2022.

Am wahrscheinlichsten sind aus unserer Sicht das erste und zweite Szenario, also Ölpreise auf dem Niveau von Anfang März und eine begrenzte bis moderate Verschärfung der Finanzkonditionen (z. B. in Form höherer Kreditkosten). Die Verbraucherpreisinflation bliebe in diesem Fall auch im Jahr 2022 hoch, die Wirtschaft könnte über- oder auch unterdurchschnittlich stark wachsen, eine Rezession bliebe jedoch aus.

Unsere Szenarien beziehen sich auf die Weltwirtschaft, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine dürften jedoch im Euroraum deutlicher zu spüren sein als in anderen Industrieländern, zumal Europa in höherem Maße von russischer Energie abhängig ist und auch geografisch näher an Russland liegt.

Szenarien für heute und für jeden Tag

Anders als andere erkennen wir mit unseren Prognosen, insbesondere unter derart gravierenden Umständen, ein hohes Maß an Ungewissheit an. Daher orientieren wir uns an den Ölpreisen und Finanzkonditionen, so wie wir uns bei der Analyse der Pandemie auf die Wirksamkeit von Impfstoffen und die Virulenz neuer Varianten konzentrieren.

Die wirtschaftlichen Folgen derartiger Ereignisse wie einer Pandemie und jetzt des Ukraine-Kriegs analysieren wir in Form von Szenarien. Wegen der hohen Prognoseunsicherheit untersuchen wir dabei mehrere mögliche Ergebnisse sowohl qualitativ als auch quantitativ und versuchen, diesen Szenarien Wahrscheinlichkeiten zuzuordnen. Auf Grundlage dieser Wahrscheinlichkeiten lassen sich einfacher realistische Erwartungen formulieren, mit denen sich Anleger auf die Konjunkturentwicklung einstellen können. Die hohe Prognoseunsicherheit unterstreicht gleichzeitig die Vorteile eines global diversifizierten Portfolios.

Auf Szenarioanalysen verlassen wir uns jedoch nicht nur bei der Untersuchung historisch einschneidender Ereignisse. In der Politik und an den Finanzmärkten ist Unsicherheit ein ständiger Faktor, weshalb sich diese Methode auch an anderer Stelle bewährt hat. Beispielsweise veröffentlichen wir unsere langfristigen Kapitalmarktprognosen nicht in Form konkreter Zahlen, sondern möglicher Renditespannen, und auch unsere Musterportfolios stellen wir im Kontext unterschiedlicher wirtschaftlicher Rahmenbedingungen vor. (Der Vanguard Wirtschafts- und Marktausblick 2022 enthält sowohl unsere Prognosen für Kapitalmarktrenditen als auch unsere Musterportfolios.)

In der aktuellen Situation ist die Szenariomethode ebenfalls die richtige Wahl; wir werden die Entwicklungen in der Ukraine weiterhin in Form von Szenarien bewerten und relevante sowie aktuelle Informationen in unsere Prognosen einbeziehen.

Ähnlich sind wir schon während der Pandemie vorgegangen, als wir in unseren Prognosen Einschätzungen zu Wirksamkeit, Herstellung und Verteilung von Impfstoffen berücksichtigt haben. Und wir hoffen, dass möglichst bald ein friedliches Ende des Ukraine-Kriegs in unseren Prognosen einfließt.

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